
"Hilfe!",
denken manche, bei solch einem Satz. "Prozess", das ist doch ein
Gerichtsverfahren, womöglich eine Strafsache, da sitzt einer auf der
Anklagebank und langwierig werden Zeugen gehört und Plädoyers gesprochen, bis
am Ende der Richter - oder besser noch wie im Film die Geschworenen dem Prozess
ein Ende machen. Na ja, denken manche, das ist ja immer noch besser als ein
"kurzer Prozess".
Was
bedeutet "Prozess" eigentlich? Ursprünglich, im Lateinischen, meinte
das gar nicht „Gerichtsverhandlung“, sondern, so habe ich in meinem frisch
abgestaubten Langenscheidts "Lateinisch-Deutsch" unter "processus"
gelesen: Fortschreiten, Fortschritt, Fortgang, fortschreitender Stufengang,
guter Fortgang, Wachstum, glücklicher Ausgang, Glück.
Das
klingt doch ganz anders und erinnert uns überhaupt nicht an die Robe der
Juristen. In diese trockene Welt ist das Wort nur eingezogen, weil
Gerichtsverfahren offenkundig so lange dauern.
In
Wirklichkeit muss der Satz "Ein Prozess ist eröffnet", anders gelesen
und gedeutet werden: Wir stehen am Beginn eines guten Weges. Die Bedeutung mit
dem Gericht signalisiert aber Ängste: Es gibt Menschen, die fürchten, auf
diesem Wege abgehängt zu werden, zu langsam zu sein, ihr Recht für ihre Sache
abgesprochen zu bekommen. Also darf das Fortschreiten kein Fortrennen sein.
Sondern ein gemeinsamer Weg, auf dem alle mitkommen.
In
verschiedenen Teams der Gemeinde haben wir uns Gedanken über die Zukunft des
Gottesdienstes gemacht. Über das Kirchenvorstandswochenende im März mit Pfr.
Wolfgang Schöne, der uns ermutigt hat, öfter und fröhlicher Abendmahl zu
feiern und die Kinder dazu zu nehmen, wurde schon mehrfach berichtet. Bei einer
Klausurtagung im April hat sich daraufhin das Kindergottesdienstteam
entschieden, diesen Weg mitzugehen: Die Kinder sollen am Anfang des
Gottesdienstes dabei sein und am Ende, wenn es möglich ist, wieder beim
Abendmahl dabei sein. Das verändert den Stil des Kindergottesdienstes, dort
findet kein eigener Anfang und kein eigenes Ende statt, aber die Kinder sind
Teil des Ganzen. Ein dritter Schritt geschah im Team, das für GoSpecial, die
kreativen Abendgottesdienste da ist: Dort wurde gefragt, ob die Mitarbeit auch
in „konventionellen“ Gottesdiensten stattfinden könne. Wie ist es möglich,
das Verhältnis von wenigen Gottesdiensten mit sehr vielen Mitarbeitern und
vielen Gottesdiensten mit wenigen Mitarbeitern anzugleichen? Und was bedeutet
das inhaltlich? Welche Früchte der 2½ Jahre GoSpecial-Gottesdienstarbeit können
geerntet werden? Dabei wurden wesentliche Dinge genannt: Musikalische Vielfalt,
Themen- und Lebensbezogenheit, Integration der Kinder, Flexibilität der
Uhrzeit, Gastfreundlichkeit. Vieles davon sind Schritte, die man gehen kann,
ohne den Gottesdienst zur „Show“ werden zu lassen, sondern zur gemeinsamen
Feier und zur Bereicherung der Gemeinde.
Die
Ansätze des neuen Gottesdienstkonzeptes wurden dann in der Predigt am 28.10.
entwickelt:
Leitfaden zur Predigt am 28.10.2001 in der
Evang. Kirche in Traisa
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Fulda
Modell
für den Umgang von Alt und Neu: Abriss der alten Basilika und Bau des
Barockdomes an der Stelle.
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Kloster Volkenroda
Anderes
Modell für den Umgang von Alt und Neu: Das Kloster wird renoviert und erkennbar
neue Teile in das Gebäude hineingebaut.
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Niederhöchstadt
Diese
Gemeinde hat ein neues Gottesdienstkonzept, mit vielen verschiedenen
Zielgruppengottesdiensten entwickelt.
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Mainz-Auferstehungsgemeinde
Diese
Gemeinde ging den Weg, neue Stücke in altes einzufügen: Kinder feiern mit beim
Abendmahl, alte und neue Musik in einem Gottesdienst, usw. Das ist
spannungsreich, aber spannend. Und es ist ein Gottesdienst der Gemeinde. Dieses
Modell hat uns sehr angesprochen. Die vier Leitbilder der Auferstehungsgemeinde
könnten auch für uns Bedeutung haben:
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Gottes Liebe feiern
Seht,
welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen
sollen - und wir sind es auch! (1. Joh. 3,1)
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Mit Generationen zusammenleben
Wenn
die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich
über alle Menschen meinen Geist aus...
Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume.
(Joel 3)
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Gästen Heimat geben
Die Diener gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle mit, die sie fanden - schlechte und gute Leute. So wurde der Hochzeitssaal voll. (Matth. 22,10)
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Gottes Gaben ausleben
Als Menschen, die zu Christus gehören, bilden wir alle ein unteilbares Ganzes; aber als einzelne stehen wir zueinander wie Teile mit ihrer besonderen Funktion. Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat. (Röm. 12, 5+6)
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Wir wollen die Kinder dabei haben
Die Kinder sollen, ähnlich wie bei GoSpecial, immer am Anfang, und wenn es für ihr Programm möglich ist, auch am Ende dabei sein. Dabei soll in der Mitte des Gottesdienstes für die Erwachsenen genug Zeit für Gebet, Meditation und Nachdenken sein und parallel ein gutes Kinderprogramm stattfinden. Doch wir sind eine Gemeinde und brauchen einander!
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Öfters Abendmahl feiern
Wenn beim Abendmahl Christus seine Gegenwart zusagt, warum feiern wir es nur monatlich? Wir möchten in Zukunft mindestens zweimal im Monat Abendmahl feiern. Und – wie es auch die Lebensordnung unserer Landeskirche erlaubt – die Kinder dazu einladen. Dabei wird jeweils der Silberkelch mit Wein herumgehen, Mitarbeiter mit Tonbechern bringen Saft zu den Kindern.
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Wir wollen stärker Gaben wertschätzen und einsetzen
Einige Gaben, die es zu entdecken gibt. Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen: Einige Beispiele:
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Gestaltung der Kirche
mit Blumen. Gabe der Gastfreundschaft beim Richten des Kirchenkaffees.
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Abholen Gebrechlicher
und Unentschlossener: Fahrdienste sind besonders benötigt, wenn ein
Gottesdienst abends stattfindet.
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Dienst des Begrüßens
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Dienst an den Kindern
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Dienst aller Musiker:
Wir brauchen noch viel mehr Instrumente und Vielfalt!
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Dienst aller Beter,
Lektoren und Prädikanten, Moderation
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Mitwirkung beim
Abendmahl, beim Gestalten und Austeilen
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Dienst am Dankopfer
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Dienst zum
Festausklang: Damit hört der Gottesdienst gut auf.
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Wir wollen uns neuen Gästen öffnen
Das ist nun der
konkrete Schritt, der in den Kalender gehört: Am dritten Sonntag im Monat
abends um 17.30 Uhr. Nur zwei Ausnahmen im nächsten Jahr 2002: Pfingstsonntag
und Kerbsonntag sind trotzdem morgens, sonst ist immer am dritten Sonntag im
Monat Gottesdienst abends um 17.30 Uhr
Herzlich willkommen auf dem
Weg!
Andreas Klein
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„Dank an alle, die diesen
Gottesdienst vorbereitet haben.
Bitte authentisch bleiben. Traisa
ist Traisa. Auch Wolfgang Schöne ist nicht der „ Stein der
Weisen“. Auch jeder Pfarrer hat seine besonderen Gaben.
Die Predigt war prima! Alles in allem –
gelungen!!“
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„Eine klare Linie: alt oder neu?
Oder eine homogene Mischung, nicht ein „Versatzstück-Gottesdienst“. Mehr
neue Lieder. Vielleicht keine Bänke mehr, sondern Stühle in konzentrischen
Kreisen. Weiter auf diesem Weg gehen! Viel Erfolg! Keinen Formalismus! Alte
Gebete mal in neuen Worten sprechen, um den Sinn zu erfassen, und nicht blass zu
rezitieren! Mehr „Konfi-Lieder“ (Auflockerung des Gottesdienstes, bessere
Einbindung durch Konfis durch „Wiedererkennung“).“
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„Gottesdienst. Ist es für den
Kindergottesdienst nicht zu kurz, wenn man schon zum Abendmahl zurück muss?
Bessere Aufteilung beim Abendmahl: 57 Personen am Altar ist zu eng. Klärung:
Wein/Saft – Erwachsene/Jugend!! Muss es sonntägliches „Mahl“ sein? Wenn
17.30 Uhr (einmal im Monat), dann eindeutige Bekanntgabe!“
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„Das Abendmahl ist immer etwas
Besonderes und sollte nicht zu oft gefeiert werden, damit der Sinn nicht
verloren geht. Wenn man zu viel ändert, ändert man auch die Fehler.“
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„An der linken Seitenwand eine
Liedertafel anbringen. Danke. Gottesdienst um 17.30 Uhr – Ja.“
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„Das neue Konzept finde ich sehr
gut!“
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„Kürzere Predigt, weil man da
besser zuhört. Neue Bänke. Wein beim Abendmahl.“
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„Ich möchte beim Abendmahl Wein
und Brot selber weiterreichen dürfen mit den Worten: „Für Dich vergeben, für
Dich vergossen“. Warum ist die Predigt nicht versöhnlich mit alt und neu
umgegangen?“
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„Abendmahl so wie heute zweimal im Monat. Volkenroda: im übertragenen
Sinn, ab und zu einen Gottesdienst im konservativen Sinn für die alten
Gemeindemitglieder. Ich freue mich sehr, wenn mein Nachbar sich über die
Gottesdienstform freut.“
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„Ich wünsche mir bei der Liturgie eine normalere, modernere
Sprache – auch bei der Abendmahlsliturgie, damit der Glaube auch von
kirchenfremden Menschen verstanden werden kann.“
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„Liturgische Gesänge
nachvollziehbar machen (Nummer im Gesangbuch, oder Extrablatt).“
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„Was spricht gegen einen Beginn
um 11.00 Uhr? Die Aufnahmefähigkeit
ist begrenzt: Manchmal kann weniger mehr sein!“
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„Um Kommunikation, im besten Fall
Beziehungen zu Gästen herzustellen, wäre eine Art Überraschungsscheck, nicht
nur am Gemeindefest, vorstellbar, damit auch kleine Gruppen sich begegnen.“
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„Für mich ist der Gottesdienst
eine Zeit der Ruhe und Besinnung! Kinder gehören in den Kindergottesdienst.
„GoSpecial“ ist Show und hat mit Gottesdienst nichts zu tun. Mehr bekannte
Lieder! Pfarrer sollte Talar tragen!“
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„Schön, da freue ich mich drauf!
(Wenn bloß dieser Friedensgruß nicht wäre ...)“
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„Der Gottesdienst hat mir sehr
sehr gut gefallen! Die Mischung aus „alt“ und „neu“ – Lieder und Form
– mit den Kindern, Lied 580 zum Abendmahl und die zum mitsingen animierende
Musik während des Abendmahl, das „leichte“ Durcheinander beim Abendmahl –
sehr auflockernd und trotzdem Gemeinschaftsfördernd oder gerade deswegen!?
Wirklich prima! Zeitpunkt – Sonntagmorgen prima! Vielen Dank.“