Workshop:
Erzählen
Grundsätzliches
- Vor dem Erzählen warten, bis es wirklich ruhig ist.
- Entscheiden, sitze oder stehe ich lieber, sitzen die
Kinder auf Stühlen oder auf dem Boden? Prüfen, habe ich
Blickkontakt zu allen Kindern ?
- Ich versuche, die Kinder durch die Erzählung zu fesseln.
Wenn ich unterbrechen muß mit Sätzen, wie "jetzt
setz dich bitte hin", dann ist die Spannung raus. In
kritischen Momenten versuchen, den Störer mit einer
Frage aus dem Erzählzusammenhang wieder zu binden:
"Kannst du dir vorstellen, wie weit so ein Weg ist,
in der Hitze?"
- Eine Erzählung ist eine Erzählung und kein Gespräch.
Die Zwischenfragen der Kinder sind oft interessante
Assoziationen, aber Du kannst so leicht Deinen Faden
verlieren.
- Vergiß nicht: Du hast eine gute Nachricht zu
erzählen !
1. Die
Standard-Erzählung
- Als Beispieltext: Lukas 13, 10-17. Die verkrümmte Frau.
- Standard-Erzählung, das ist die Erzählung des
unbeteiligten Beoabachters.
- POZEK: Personen, Ort, Zeit, Ereignisse, und Konsequenz werden
benannt.
- Der erste und der letzte Satz der Geschichte ist wichtig:
- Der erste Satz sollte Spannung wecken.
- z.B. "An diesem Tag waren die Menschen in
der Synagoge ganz gespannt. Manchmal schliefen
einige vor Langeweile ein, aber heute paßte
jeder ganz genau auf, denn Jesus, der berühmte
Wanderprediger sollte heute reden."
- Der letzte Satz könnte schon überleiten auf ein
Gespräch, das sich mit den Kindern anschließen sollte.
2. Die Erzählung aus
der Perspektive der Hauptperson der Geschichte
- Als Beispieltext: Lukas 19,1-10. Zachäus.
- Eine solche Erzählung beginnt mit einer Verwandlung: Ich
werfe mir z.B. ein buntes Tuch (einen orientalischen
Umhang)
- um und sage: "Mein Name ist..." Solange ich nun
diesen Umhang trage bin ich diese biblische Person. (Die
darf nicht ermahnen !!!)
- Diese Erzählung beginnt mit einer Selbstvorstellung:
Name, Beruf, Wohnort und dann schon das Entscheidende der
Disposition, z.B. bei Zachäus: "Ich bin ein kleiner
Zöllner und keiner mag mich leiden. Ich bin ganz schön
allein..."
- Der Vorteil dieser Erzählform: Die Emotionen, die der
Betreffende hat, müssen nicht beschrieben, sondern
können gespielt werden. Die Vorbereitung dazu geht am
besten, indem man sich selbst in diese Rolle hinein
versetzt: Wie geht es Dir als Zachäus, wenn Jesus Dich
anspricht?
- Auch hier ist der letzte Satz wichtig. Er ist
gleichzeitig die Verabschiedung aus der Rolle: z.B.
"Diesen Tag hab ich nie mehr vergessen. Danke, daß
ihr mir zugehört habt. Auf Wiedersehen!". Ein
Schauspieler entledigt sich der Maske nie vor den
Zuschauern!
3. Die Erzählung aus
der Sicht einer Randperson oder einer erfundenen Figur
(Handpuppe)
- Beispieltext 10, 25-37 (30-35). Der barmherzige
Samariter.
- Hier wird das Problem deutlich, daß niemand diese ganze
Geschichte beobachtet hat. Alle haben nur einen Teil
mitbekommen.
- Die Handpuppe könnte als allwissender, aber
unbeteiligter Beobachter auftreten, z.B. der Elch (in
Israel?), der den Weg entlang läuft oder ein Rabe, der
überall sein kann und den Weg überblicken kann.
- Auch die Handpuppe muß sich vorstellen und deutlich
machen, was sie mit der Geschichte, die sie erzählt, zu
tun hat: z.B. "Ich bin Emil, der Elch! Der Zufall
hat mich nach Israel verschlagen und nun laufe ich hier
immer am Weg zwischen Jerusalem und Jericho entlang. Doch
neulich habe ich etwas erlebt, das glaubt ihr nicht, der
Schreck sitzt mir immer noch in den Knochen..."
- Das Gute an der Methode: Die Handpuppe darf sich
mitfreuen, kann sich entrüsten, kann hoffen, schon
einmal vorschauen, ob nun jemand anderes kommt.
- Auch die Handpuppe verabschiedet sich wieder von den
Kindern.
4. Das Dehnen einer
kurzen Erzählung
- Beispieltext: Matthäus 19,13-15. Jesus ruft die Kinder
zu sich.
- Ein sehr kurzer Text. Kaum im Mund ist er schon erzählt.
- Nun ist man versucht, etwas zu dieser Geschichte hinzu zu
erfinden. Wichtig ist, daß dieser Zuwachs aus der
Kerngeschichte herauswächst. Bitte nichts erfinden, was
keinen Anhalt in der Geschichte hat.
- Idee für den Beispielstext. Die Jünger fuhren die
Kinder an. Möglicherweise waren die Jünger müde und
wollten ihre Ruhe haben.
- Vielleicht war es auch so, daß die Kinder und ihr
Spielen die Jünger zuvor aufgeregt hat. Vielleicht haben
sie einen Ball an den Kopf bekommen und geschimpft.
Vielleicht könnte man solch einen Ball mitbringen,
erzählen, was dieser Ball angerichtet hat und wie die
Geschichte dann weiterging.
© Andreas Klein 1997