Über den Wochenspruch:
Seht
auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!
Lukas
21, 28
Liebe Gemeinde!
Es gibt
Adventstee
Adventsgebäck
Adventsschmuck
Adventsdekoration
Adventsmusik
Aber, ich frage Sie einmal: Glauben Sie es gibt auch eine Adventshaltung? Gibt es ein Stehen, ein Sitzen, ein Liegen, das besonders gut in den Advent hineinpasst?
Das was ich heute mit Ihnen, mit Euch probieren möchte, ist also sozusagen die erste krankengymnastische Advents-Predigt. Jedenfalls von mir.
Von mir viele Menschen sagen, ich hätte vielleicht, weil ich so groß bin, eine schlechte Körperhaltung. Das mag sein, auch hier an der Kanzel bin ich so gebeugt, weil die auch für Menschen gebaut ist, die unter dem Teppich aufrecht gehen können!
Nein, aber gerade weil ich mit der Haltung so Probleme habe und die schlechte Haltung mir immer wieder echte Rückenschmerzen verpasst, ist es höchste Zeit darüber nachzudenken.
Warum ich das tue:
Schauen Sie sich die beiden Worte an, die ich der Predigt zugrunde legen möchte. Ich möchte gerne über den Wochenspruch reden und über den ersten Vers aus dem Predigttext für heute.
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!
Lukas 21,28
Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest!
Jesaja 35,3
Sehen Sie? Diese beiden Worte beschreiben nun beinahe schon den ganzen Körper. Da geht es um den Kopf, es geht um die Hände, und um die Knie, um die Beine.
Aber vielleicht frage ich Sie erst einmal: Was haben Sie denn für eine Haltung? In Kirchenbänken hat man nicht so große Auswahl, meinen Sie?
Es gibt im wesentlichen zwei Alternativen: Entweder sitzen Sie so,
- dass die Rückenlehne der Bänke Sie stützt, Sie lassen sich ganz hineinfallen oder versuchen sich gar nicht anzustrengen, die Beine sind irgendwie ausgestreckt auf dem Holz oder übereinander geschlagen
- oder Sie sitzen so, dass der Körper selbst in sich aufgerichtet ist und Sie trägt.
Probieren Sie es einfach einmal aus! Die erste Haltung ist die: Ich lass mich jetzt mal gehen. Sie können sich auch kurz einmal bei Ihrem Nachbarn anlehnen. Aber passen Sie auf, dass Sie nicht miteinander umfallen.
Die andere Haltung, bei der sitzen Sie von den Füßen her. Die Füße haben beide auch beim Sitzen einen festen Stand und von den Füßen her baut sich die Haltung auf. Bis in den obersten Wirbel hinein!
Wissen Sie, wie Sie aus der ersten gemütlichen und etwas faulen Haltung spontan und natürlich in die zweite, gesunde und gestärkte Haltung kommen? Wenn jemand ruft und sagt: Hey schau, mal, da vorne fliegt ein U-Boot! Dann blicken Sie auf und richten sich auf, der Körper bekommt Spannung und Haltung und Sie sehen: Das war jetzt nur ein Beispiel!
Ach, liebe Gemeinde. Gut, dass man darüber lachen kann. Aber das ganze hat nun einen sehr reellen Bezug: Die Körperhaltung von Menschen hat ganz viel mit ihrer geistigen und auch geistlichen Haltung zu tun.
Das verrät schon die Sprache!
Wenn einer sich gehen lässt.
Wenn einer den Kopf hängen lässt.
Wenn einer die Füße baumeln lässt.
Wenn einer in sich zusammen sackt.
Wenn einer zusammen zuckt.
Wenn einer herumhängt.
Wenn einer strammsteht.
Wenn einer aufrecht geht.
Wenn einer die Schultern einzieht.
Psychologen sagen ja, dass die Körpersprache die wahre Sprache ist, dass sie oft sagt, was einer wirklich denkt, auch wenn die Worte, die er oder sie in den Mund nimmt, dem sogar widersprechen.
Und dann können wir aus der Körpersprache
ablesen, was einer fühlt. Ob er oder sie weiß: Ich bin hier
am rechten Platz: Man hört auf mich und achtet mich. Oder ob
er oder sie denken muss: Ach, ich bin so unsicher, ob die das
gut finden, was ich mache?
Nun hilft dabei eines gar nicht! Nämlich der mit Kasernenton daher geschrieene Befehl: Nun, nehmen Sie mal Haltung an, Mann! Denn die Haltung eines Körpers ist keine Starrheit. Wenn einer eine gute Haltung hat, dann nicht weil er immer stillsteht. Sondern weil die Muskeln den Körper stabilisieren und aufbauen, kommen gute Haltungen aus guten Bewegungen, denn gute Bewegungen stärken die Muskeln und die Muskeln können den Körper dann aufrecht halten. Ihre Kraft beziehen die Muskeln aber aus der Bewegung!
Wenn man nun über eine Adventskörperhaltung nachdenkt, sind es die Bewegungen, die wir einüben, trainieren müssen, damit wir als lebendige Menschen so eine gute Haltung bekommen!
Der Glaube an Jesus Christus ist keine Gesinnungssache. Es ist nicht die Frage, ob ich das für richtig halte. Es ist nicht die Frage, ob ich denke, dass das alles so stimmt. Manchmal wird fälschlicherweise von einer Glaubenshaltung gesprochen, bei der man denkt, das ist statisch und das ist kein Stehen im Glauben, sondern ein Stehengeblieben-Sein in Meinungen. Ein Körper, der sich nicht bewegt, dessen Haltung ist Starre! Darüber reden wir nicht. Sondern über eine gute Kraft, die den Körper stabilisiert, und die kommt aus Bewegungen!
Das ist ein Muskelaufbauprogramm mit Adventsgeschmack! Drei Aspekte hat dieser Geschmack!
1. Seht auf!
Aufsehen, das ist das erste, das mich verändert. Wenn ich ein Ziel vor Augen sehe, dann gehe ich darauf zu. Aufsehen, das bedeutet: Meine Augen sehen: Es ist Licht in der Dunkelheit. Die Augen bewegen den Kopf und der Kopf den ganzen Körper.
Aufsehen, das stellt sich das Frage, auf was man sieht. Nicht selten treffen wir uns zu einem Mitarbeitertreffen und da habe ich oft die Liste vor mir von Leuten, die eingeladen sind. Von den eingeladenen 25 sind 15 gekommen. Und nicht selten passiert es mir: Ich sehe auf die Liste mit den fehlenden 10 und frage mich, was mit denen los ist, warum die nicht Bescheid gesagt haben, ob die wohl sauer sind, ob die keine Lust mehr haben. Auf was sehen wir? Das ist nicht selten die Sache des eigenen Entscheidens? Schaue ich nach unten auf die Liste oder kann ich aufsehen, zu den Leuten, die gekommen sind. Und wären es nur 3, der Blick würde sich lohnen. Aufsehen, das ist die Frage, auf was wir sehen!
Und so kann das Aufsehen mich
schon verändern! Das griechische Wort, das hier steht für
aufsehen, das hat eine besondere Bedeutung. An andere Stelle kann
es heißen: Den durch Krankheit krumm gezogenen Körper
aufrichten.
Aufsehen: Da fällt das Wort aus dem Hebräerbrief ein: Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.
Aufsehen, das ist die Frage, zu wem wir aufsehen. Auf die Liste mit den Defiziten? Ob wir an uns herab sehen und das eine und andere entdecken, was nicht gut gelaufen ist und das uns zweifeln lässt. Oder ob wir aufsehen zu Jesus, der mit unserem kleinen Glauben immer wieder neu anzufangen weiß!
Aufsehen heißt eben das: Die Muskeln stärken uns immer zu ihm hin bewegen.
2. Erhebt eure Häupter
Nun kann man aufsehen auch nur mit den Augen. Man kann denn Kopf auch dabei unten lassen und vorsichtig und schüchtern aus den Augenwinkeln von unten schauen, was denn da kommt. Dann könnte man im Zweifelsfall so tun, als hätte man gar nicht hingeschaut und wieder wegblinzeln.
Wenn man aber aufsieht und Vertrauen gewinnt, dann richtet man sich auch auf! Dann hebt man den Kopf! Und man kann den Kopf kaum heben, ohne das man den ganzen Körper automatisch mit aufrichtet.
Was ist die Situation, in der Jesus das damals zu seinen Freunden gesagt hat? Er redete von schweren Zeiten, von End-Zeiten, von apokalyptischen Ängsten, in welche die Menschheit kommen wird. Es wird Zeiten geben, in denen die Menschen voller Angst sind, in denen alle Zeichen auf Sturm stehen. In diesen Zeiten werden viele den Kopf hängen lassen. Der Pessimismus wird als Realismus verkauft. Mit der Angst kann man Geschäfte machen, in der Angst kann sich auch die Macht der Mächtigen ausbreiten. Und die sagen dann: Fürchtet euch. Und die Menschen lassen den Kopf hängen. Die hysterische Republik, so titelte der Spiegel in der letzten Woche: BSE, Europa, Börsenkurse, Kriminalität, noch mehr? Lasst den Kopf nur hängen! Und so geht es einem manchmal persönlich: Da richtet sich alles gegen mich.
Doch Jesus sagt: In dieser Zeit lasst den Mut nicht hängen. Seht zuerst auf mich und dann auf die Bedrohungen, dann werdet ihr die Dinge einordnen können. Seht auf, das heißt nicht seht weg, das heißt : Seht hin! Gehört nicht zu denen, die sagen: Ach, wenn die Tagesthemen kommen, da schalt ich ab, das interessiert mich nicht.
Nein seht hin, aber wenn ihr hinseht, dann seht auf und bleibt Menschen mit erhobenen Köpfen, die aufrecht sind, weil ich euch entgegenkomme.
3. Weil sich eure Erlösung
naht.
Warum gibt es in dieser Zeit Grund zum aufrechten Gang, zum aufrechten Haupt, zum klaren Blick. Gerade in der Zeit der Bedrängnis begegnet uns Christus.
Der Christus, der realistisch und klar gesagt hat: In der Welt habt ihr Angst.
Der Christus, der aber eben nicht pessimistisch, sondern zuversichtlich gesagt: Aber habt keine Angst, ich habe die Welt überwunden.
Eure Hoffnung hat guten Grund in meiner Liebe für euch. Geliebte Menschen blicken auf, geliebte Menschen richten sich auf.
Das bedeutet: Dieser Glaube an Christus macht aus entmutigten Menschen, solche die aufsehen und hinsehen, die nicht wegsehen und von allem absehen.
Dieser Glaube macht uns zu Menschen, die eine feste Basis haben und die tätig werden in der Welt. Das haben schon immer Menschen erlebt, die Gott gesehen haben.
Macht die erschlafften Hände
wieder stark und die wankenden Knie wieder fest
Liebe Gemeinde, das ist Adventsgymnastik. Bewegungen, die uns stärken, und uns Kraft geben!
Amen.
| ©
Evangelische Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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