GoSpecial-Traisa Predigt für Februar 2001

Was würde Jesus zu Harry Potter sagen? – Warum wir
uns so gerne verzaubern lassen?
Was für eine Zaubergeschichte!
Liebe Freunde, liebe
GoSpecial-Gäste!
Als ob sie es geahnt hätte,
Professor Minerva Mc Gonagall, Hauslehrerin von Gryffindor. auf Hogwarts: Da
sagt sie gleich im ersten Band von Harry Potter über Harry Potter: „Er wird berühmt werden – eine Legende -,
es würde mich nicht wundern, wenn der heutige Tag in Zukunft Harry Potter-Tag
heißt – ganze Bücher wird man über Harry schreiben – jedes Kind auf der Welt
wird seinen Namen kennen.“ (1-19)
Als ob sie es geahnt hätte,
die eigentliche Autorin dieser Zeilen: Joanne K. Rowling. Sie kam 1994 als
frisch geschiedene Sozialhilfeempfängerin
mit ihrer drei Monate alten Tochter Jessica ins schottische Edinburgh. Und
ging jeden Morgen aus ihrer eiskalten Wohnung raus, setzte sich ins warme Café
„Nicholsons Restaurant“ und bestellte sich einen Espresso – zu mehr reichte es
nicht – und begann mit der Hand zu schreiben, bis das Baby Jessica sich wieder
meldete.
Als ob sie es geahnt hätte
– jetzt kann sie sich nicht nur Espresso leisten, sondern könnte locker das ganze Café kaufen und noch mehr,
denn ihr Vermögen übersteigt mittlerweile das der Queen. Wen wundert es, wenn
sie pro Buch fünf Mark bekommt?
Harry Potter – das meist vorbestellte Buch aller Zeiten,
wie ich neulich las. Grund genug zu fragen: Was würde Jesus zu Harry Potter
sagen – warum wir uns so gerne verzaubern lassen. Damit wollen wir anfangen:
Was ist das, das die Kids der SMS-Generation zu Schmökerratten werden lässt,
wie zu den besten Zeiten von Karl May? Was ist die Faszination die von Harry
Potter ausgeht?
Ich frage mal zunächst: Was
ist es denn:
... was einem bei Harry Potter Spaß macht.
Als Harry Potter in die
Schule für Zauberei nach Hogwarts kommt, da erlebt er mit seinen Freunden Ron
und Hermine, die sich bald finden und zusammenhalten, eine Welt, in der es an keinem Tag langweilig ist. Neben den
Zaubereistunden – na, ja, die sind für Harry manchmal schon ermüdend, gibt es
tolle Sachen.
Da bekommt er – aus dem
Erbe seines Vaters– vom Schulleiter Albus Dumbledore persönlich, einen Tarnumhang überreicht. Den hängt man
sich über und keiner sieht einen mehr! Genau richtig für Harry, der ein
brennendes Interesse daran hat, alles zu entdecken, und dabei auch gerne Regeln
übertritt. Wer würde sich das nicht wünschen – unsichtbar einige Erkundungen zu
unternehmen? Na, was würden Sie mit einem Tarnumhang jetzt machen?
Da gibt es Quidditch – die beste Sportart der
Welt. Zufällig werden gleich im ersten Band Harrys besondere Fähigkeiten
entdeckt. Quidditch – das kann er richtig gut, wenn er auch nicht besonders gut
lernen kann. Quidditch - am besten auf dem Feuerblitz, dem schnellsten Besen.
In den dramatischen Spielberichten, in denen man mit der Mannschaft Gryffindors
mitzittert, als sei man live dabei, bekommt man Lust, mit zu spielen und mit
Harry am Ende den Schnatz, den kleinen goldnen Ball mit Flügeln zu fangen.
Da gibt es so eklige Sachen
wie Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung,
die mal nach Erdbeeren und dann nach Erbrochenem schmecken und mit denen man
jemand richtig ärgern könnte. Da gibt es den Cholesterin-Spiegel-Schocker Butterbier und viele leckere Sachen und
eine seltsame Landkarte, die Karte
des Rumtreibers, die Harry anzeigt, wer sich wo im Schloss befindet.
Und es gibt im Schloss
Hogwarts einen Krankenflügel, in dem
nach allen Abenteuern die Blessuren und sogar Knochenverluste mit Fürsorge von
Madame Pomfrey und mit viel Schokolade geheilt werden.
Und zuletzt gibt es viele
Zauber, die man sich auch wünschen würde. Einen Zeitumkehrzauber, mit dem man wieder in die Vergangenheit gehen
kann und Dinge reparieren kann, die falsch gelaufen sind. Wer würde nicht auch
gerne manche Seiten im persönlichen Lebensbuch neu schreiben?
Eine wunderbare Traumwelt?
Alles in Butterbier? Nein, wenn das alles wäre, wäre es nicht Harry Potter,
denn der zweite Teil dessen, was die Faszination von Harry Potter ausmacht, ist
das,
... was einem bei Harry Potter Angst macht.
Das gibt es auch bei Harry
Potter – eine ständig präsente, manchmal kleiner und am Ende jedes Bandes immer
größer werdende Angst vor dem Bösen. Angst vor der Macht Lord Voldemorts. Der Böse trägt beinahe biblische Züge des
gefallenen Engels. Einst war er ein begabter Schüler in Hogwarts und hieß Tom
Riddle und hat dann hat er immer mehr Macht an sich gerissen.
Er hatte eine elfjährige Schreckensherrschaft und am
Ende hat er auch Harrys Eltern getötet. Und beim Versuch, auch Harry zu
umzubringen, wandte sich – wegen der Liebe von Harrys Mutter - der Fluch gegen
ihn selbst und Voldemort verlor fast seine
ganze Macht. Er ist fast nicht mehr
da. Fast – denn irgendwo steckt er – und bedroht Harry in jedem einzelnen Band.
Man bangt und fürchtet sich und leidet mit, wenn Harry das grüne Licht
Voldemorts sieht und wieder Schmerzen an seiner Narbe bekommt, die das
Überbleibsel von Voldemorts Fluch ist.
Ja, in den Harry
Potter-Büchern gibt es Gut und Böse,
in einer Klarheit, wie in vielen Büchern, die in den letzten Jahren auf den
großen esoterischen Einklang im Kosmos gesetzt haben, nicht mehr. Bei Harry
Potter gibt es die gute Seite, repräsentiert vom Schulleiter Albus Dumbledore
und die böse Seite, für die Lord Voldemort steht. Die Frage ist nur, wer gehört
zu welcher Seite? Und Harry muss lernen, dass es Gut und Böse auch in ihm selbst gibt. Manchmal geht der
Hass mit ihm durch, und dann ist es gut, dass es seine Freunde gibt.
Der gute Schulleiter
Dumbledore sagt deswegen zu ihm – und das ist ein Schlüsselsatz, um Harry Potter
zu verstehen: „Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, Harry, die zeigen, wer wir wirklich
sind." (2-343)
Die Trennung von Gut und Böse ist eindeutig, aber
Joanne Rowling malt keine Schwarz-Weiß-Malerei, denn die Linie zwischen Gut und Böse verläuft in mir selbst. Du
musst dich entscheiden, auf welche Seite du gehörst.
Denn für den, der einmal zur bösen Seite gehört,
gibt es kein Gut und Böse mehr. Einer von Voldemorts Leuten sagt einmal: „Lord Voldemort hat mir gezeigt, wie falsch ich dachte. Es
gibt kein Gut und Böse, es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um
nach ihr zu streben.“
Auch das ist ein Schlüsselsatz – nicht nur um die
Welt von Harry Potter zu verstehen. Für viele gibt es heute kein Gut und Böse
mehr, nur noch Macht und Gewinn. Ich finde: Es gibt bei Harry Potter viel, das
einem, auch im Blick auf unsere Welt, und wie sich Böses zeigt oder tarnt,
Angst macht.
Eine schreckliche
Horrorwelt? Alles schlecht? Nein, wenn das alles wäre, wäre es nicht Harry Potter,
denn der dritte Teil dessen, was die Faszination von Harry Potter ausmacht, ist
das,
... was einem bei Harry Potter Mut macht.
Dann das ist entscheidend.
In den Büchern von Harry Potter gibt es Mutmachpunkte.
Und da finde ich richtig gut. Ich finde, dass der Glaube an Jesus in ganz
ähnlicher Weise Mut macht. Ich nehme ein paar Mutmachpunkte heraus.
Am Anfang bekommt Harry
diesen Brief. Zuerst Einen, dann
Hunderte die immer wieder von seinem schrecklichen Onkel Dursley abgefangen
werden, der ihn im Ligusterweg 4 gefangen hält, bis Hagrid, der Riese und
spätere Freund Harrys den Brief persönlich überbringt. Er sagt Harry zu: Du
gehörst nicht als ungeliebtes Kind in die Kammer unter der Treppe. Du bist
jemand ganz Besonderes. Du bist einzigartig und du hast eine Zukunft, die du
dir noch gar nicht ausmalen kannst. Gaben, von denen du nicht zu träumen wagst!
Deswegen bekommen Sie heute Abend von uns auch einen Brief,
den sie nachher zu Hause öffnen können. Gottes Liebe kommt wie ein Brief zu uns
und holt uns heraus aus der Kammer in die Zusage seiner Liebe! Seien Sie
gespannt!
Und dann kommt Harry nach
Hogwarts und das Wichtigste, das er gewinnt, sind Freunde. Und mit Ron und Hermine auch mit Hagrid bildet er ein
richtig starkes Team. Die ergänzen sich prächtig: Hermine ist superschlau, was
Harry nicht ist. Ron, der Schachspieler ist besonnener Taktiker, während Harry
eher der Draufgänger ist. Viele gefährliche Situationen – wie das Trimagische
Turnier in Band 4 hätte Harry gar nicht überlebt ohne Freunde.
Auch das Leben als Christ
kann man nicht solo leben. Bei GoSpecial! machen wir Werbung für das Leben als
Christ in der Gemeinde. Da gibt es
auch manchmal Missverständnisse und Streit, den man allein nicht hätte, aber
unsagbar viel mehr, was man gewinnt, wenn man sich miteinander von Gottes Liebe
beschenken lässt.
Zuletzt lebt Harry von
einem beinahe ungebrochenen Vertrauen in
das Gute: In Albus Dumbledore hat er einen Guten gefunden, dem er vertrauen
kann. Und das Besondere an diesem unkonventionellen Schulleiter ist, dass er
auch Harry vertraut und das macht Harry Mut. Mut zu Wahrhaftigkeit und
Aufrichtigkeit.
Und in alledem steckt im
Leben von Harry Potter – und das Motiv ist astrein biblisch geklaut: Die Liebe seiner Mutter, die als sie
starb, ihm das so Leben geschenkt hat. Deshalb traf Voldemorts Fluch nicht.
Interessant finde ich auch, dass Dumbledore Harry die Angst nimmt, Voldemorts Namen auszusprechen. Alle
sagen immer nur: „Du weißt schon wer.“ Harry nennt ihn beim Namen und die
anderen zucken dann regelmäßig vor Angst zusammen.
Echte Mutmachpunkte, die
gut tun. Ist Harry Potter gar eine christliche Buchserie? Was würde also Jesus
zu Harry Potter sagen?
Was würde Jesus zu Harry Potter sagen?
Ja, ich glaube, dass die
Mutmachpunkte bei Harry Potter, ganz
nahe an der Zusage der Liebe Gottes dran sind, die ich bei Jesus entdecke:
Er starb und gab seine Liebe für mich, damit ich leben kann, er möchte, dass
seine Liebe mich erreicht wie diese hartnäckige Eulenpost, dass ich Freunde
finde und Vertrauen in den Vater im Himmel.
Harry Potter ist ein gutes
Gleichnis.
Aber trotzdem möchte ich kein Zauberer werden. Das
ist das Ziel im Buch Harry Potter. Harry soll und möchte ein richtig guter Zauberer werden und ist
auf dem besten Wege dazu. Und ich und du? Ich möchte – und wünsche es für dich
– dass du ein Kind Gottes wirst und bist.
Ich glaube, dass das ein
Unterschied ist! Zauberei als Bild, als ein Vergleich ist eine schöne Sache: Es
gibt mehr als die Kammer, in der wir stecken! Zauberei als Phänomen kann man –
mit der Bibel kritisch betrachten. Weil sie das Gegenteil von Vertrauen ist. Sie ist – in unserer Welt - der
Versuch, mit Sprüchen und Tricks überirdische Kräfte auf seine Seite zu ziehen.
Für sich selbst oder für andere oder gegen andere.
Noch mal: Ich finde – im
Gegenteil zu vielen, die Harry Potter nie gelesen habe, die Bücher toll, aber
das Phänomen Zauberei betrachte ich kritisch: In den Harry Potter-Büchern wird
die Grenze gezogen zwischen schwarzer und weißer Magie. Für mich gibt es eine
Unterscheidung zwischen Magie, sprich: der Manipulation überirdischer Kräfte
und dem Vertrauen in den persönlichen und liebevollen Gott auf der anderen
Seite.
Warum: Wer Kind
Gottes ist, der braucht keine Tricks, um ihn auf seine Seite zu ziehen.
Noch ein kleines Beispiel zum Schluss.
So ein Zauberspruch, fragte
mich jemand, ist das nicht wie ein
Gebet? Spannende Frage, nicht wahr: Also muss man fragen: Wann wirkt ein
Zauberspruch und wann wirkt ein Gebet?
Jesus hat einmal gesagt:
Wenn ihr betet, dann müsst ihr nicht plappern, das heißt: Eben nicht viele
Worte machen, nicht die richtigen Tricks anwenden! Warum: Die Antwort, die
Jesus gibt ist verblüffend: Denn euer
Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Ich möchte kein Zauberer
werden, der Angst haben muss, den richtigen Spruch zu erwischen,
Aber ich möchte Kind Gottes
werden, das weiß: Der dem ich meine Freude und meine Not, der kennt mich und
hat mich lieb.
Sowieso. Schon jetzt.
Vielen Dank für’s Zuhören.
(Herzlichen
Dank an das GoSpecial-Team der Andreasgemeinde Niederhöchstadt mit Fabian Vogt für
viel Hilfe und Impulse)
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