Ich bin so schön! - Was Menschen wirklich attraktiv macht.
Es
war vor 9 Tagen in Puerto Rico. Da wurde zum 50. Mal die schönste Frau der Welt
gesucht, gefunden und geehrt: Miss Universum. Antreten in Badeanzug und
Abendkleid. Im Publikum grauhaarige Herren, in der Jury ehemalige Miss
Universums und überall Kameras. Was geht da ab? Der SPIEGEL schreibt dazu ganz
hintergründig:
„Egal ob „Bathing Beauty“, Disco-Queen oder Glamour
Girl – Schönheit verlangt evolutionsbedingte Grundregeln. Stimmige Proportionen
von Gesicht und Körper, zum Beispiel. Und die Anzeichen von Fruchtbarkeit: Bei
Frauen sorgt das Hormon Östrogen neben Busen, Po und Taille für hohe
Wangenknochen, eine breite Stirn und ein schmales Kinn. Genau das finden die
Männer gut, denn Östrogen wirkt sich positiv auf die Fortpflanzung aus. Auch
ist alles attraktiv, was jugendlich wirkt: Große, strahlende Augen, denn mit
der Zeit senken sich die Oberlider, trübt sich die Hornhaut. Eine kleine Nase –
mit dem Alter wächst der Knorpelgewebe der Nase. Volle Lippen – bei älteren
Frauen schwindet das Bindegewebe.“
Jetzt
wissen wir es! Schönheit ist Duftstoff und wir alle sind Spielkameraden beim
großen Balzspiel und jeder Mann hofft nur, dabei möglichst viele Tore zu
schießen. Alles klar?
Kann
ja wohl nicht sein, oder? Das haben die Dichter und Denker in der
Weltgeschichte auch schon immer gedacht, dass der Trieb allein nicht alles sein
kann. Der alte Immanuel Kant sagt dann auch etwas lieblos über die Schönheit:
Schönheit ist
dasjenige, was ohne Interesse gefällt.
Und
noch viel schöner spottet der Dichter Ephraim Moses Kuh:
Dein Körper
ist so reizend,
dein Geist so
hässlich! Schade!
Du bist ein
schöner Apfel,
dein Geist ist
seine Made!
Das
könnte man heute noch kürzer fassen mit drei Worten: Du bist blond!
Aber
wir wollen ja eigentlich weg von den Klischees. Was mir aber persönlich
auffällt: Bestimmte Berufsgruppen haben unterschiedliche Zugänge zur Schönheit.
Ich habe in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in Tübingen Theologie
studiert und Dienstags war große Vorlesung im Audimax: Voller Hörsaal: 400
Theologiestudentinnen und Studenten. Das bedeutet:
350 Jeans
50 Batikhosen mit Kordel im Bund
400 Norwegerpullover
800 Birkenstocksandalen
200 Nickelbrillen
Der Geruch von Schweiß und fettigen Haaren in der Wolle
und in der Luft.
Und garantiert: Kein Make-Up!.
Nach
zwei Stunden mussten wir dann hinaus. Und dann kam es zur Begegnung der
besonderen Art. Draußen warteten für die nächste Vorlesung genauso viele
Studentinnen und Studenten der Betriebswirtschaftslehre. Und wir mussten durch
diese Menge: .
Durch den Duft teuren Parfums.
Vorbei an locker gestylten Haaren, in denen meistens
eine Sonnenbrille steckte.
In Tuchfühlung mit teuren Klamotten, sogar
Barbour-Jacken.
Im Ohr das Klingeln der Schlüssel vom weißen Golf-Cabrio,
das draußen auf dem Uni-Parkplatz stand.
Etwas
irritiert gingen wir männlichen Theologen durch diese Wolke: Wie sinnlich, wie
aufregend! Etwas verschnupft reagierten unsere Theologie-Kommilitoninnen: Wie
oberflächlich diese Tussis sind, konnte man sie schimpfen – denken!
So
ist das mit der Schönheit. Die einen finden sie erotisch und aufregend, die
anderen bewusst banal und nebensächlich. Wie finden wir denn zu einem natürlichen Verhältnis – zwischen
lustvollem Fleischbeschau und langweiliger Schöngeistigkeit?
Es
gibt Gott sei Dank noch andere Schönheit als die so schwierige Schönheit von
Menschen: Immer wenn ich in die Schweiz komme, - so oft ist das leider nicht -
von Singen nach Schaffhausen, dann muss ich beim Rheinfall Halt machen. Ja, ich muss,
denn es ist faszinierend dort ganz hinunter zu steigen, denn unten geht ein
Plateau wie eine Halbbrücke so weit hinaus, dass man wie auf dem schäumenden
Wasserfall steht – die Gischt spritzt einem ins Gesicht, es tost und ist laut
und wunderschön. Ich will und kann so etwas genießen. Bei der Schöpfung spüre
ich mit einem Mal:
Schönheit
ist einfach da, und wir können uns freuen und es genießen!
Schönheit,
von Gott gemacht.
Schönheit,
die einfach nur Geschenk ist. Weitab von Eifersüchtelei, Sexgier und Neid!
Ich habe in diesen Wochen einmal einen älteren Herrn gefragt: Was fällt ihnen denn zu „Schönheit“ ein? Und der sagte mir dann: Ein alter Baum, der einfach im Wind steht. Fest verwurzelt, die Zweige empor. Der leistet nichts mehr, aber das ist Schönheit.
Ich
glaube, das tut uns gut: Das was Schönheit ist, einmal nicht im Gefecht um Mann
und Frau, von Frau und Frau, Mann und Mann zu sehen, sondern die Schönheit zu
entdecken, die in der Natur einfach so und oft völlig überschäumend und
irrwitzig von Gott geschenkt ist. Einfach berauschend und hinreißend. Und wenn
man dann ahnt und begreift: Ich selbst bin ein Teil davon. Und nicht erst dann,
wenn ich dem Geschmack der Zeitgenossen entspreche.
An
der Schönheit der Schöpfung fahren wir oft vorbei: Keine Zeit. Und wenn ich in
Schaffhausen auch anhalte, so hetze ich– mit dem Auto – sonst an tausendfacher
Schönheit vorbei. Und sie geht dabei verloren: Schönheit erschließt sich, wenn
man sie achtet, und liebt:
Robert
Musil hat einmal gesagt:
Es gibt vielleicht auf der ganzen Welt kein anderes Mittel, ein Ding
oder Wesen schön zu machen, als es zu lieben.
Das
finde ich ein tolles Zitat – und mutig. Es heißt ja nicht, dass ein Ding oder
Wesen, wenn es geliebt wird, erst als schön entdeckt wird: Nein: Es wird in
diesem Moment schön gemacht! Liebe
macht Dinge schön! Wir sind am Kern der Sache. Dazu gibt es zwei Sätze:
A: Wer schön ist, wird geliebt.
B: Wer geliebt ist, wird schön.
Wir
denken immer nur an Satz A: Wer schön
ist, wird geliebt. Und das stimmt gar nicht. Wer schön ist, der wird
genauso gut begehrt, beneidet, als oberflächlich verspottet, sogar gehasst. Es
gibt wunderschöne Menschen, die innerlich zerbrechen, weil sie nie wissen, ob
die Liebe und Zuneigung vielleicht doch nur ihrer Fassade gilt.
Satz
B ist viel mutiger und richtiger: Wer
geliebt ist, der wird schön. Wer geliebt ist, entdeckt seine Schönheit
nicht mehr im Vergleich zu anderen Schönheiten, die gerade en vogue sind, sondern von innen heraus. In einer Atmosphäre der
Liebe erstarkt das Selbstbewusstsein und das macht Mut, dass Menschen sich neu
gestalten schöne Dinge tun.
Das
ist es nämlich: Ein Mensch, der geliebt wird, der wird aus Freude anfangen,
schöne Dinge zu tun: Der wird so singen, dass man hinhört und sich freuen kann,
der wird als Handwerker schöne Dinge herstellen, die ihn und andere freuen, der
wird kochen und forschen, malen und bauen, dass es eine Freude ist.
Und
diese schönen Dinge, die dieser Mensch macht, und die Freude, die er dabei hat,
machen ihn selber schön.
Unser
Blick auf Schönheit ist weitgehend krank. Das ganze Casting-Gerangel um No
Angels zeigt es doch: Wir denken mittlerweile: Schön singen kann nur, wer auch
aussieht wie Jennifer Lopez oder Robbie Williams. So ein Quatsch.
Und
so versuchen viele den Weg über äußerliche Schönheit zum inneren Glück zu
finden, und das geht schief: Sie schlüpfen in Kleider, die ihnen nicht passen,
nur um so auszusehen wie die Idole und werden dabei zur verkrampften Lachnummer
in zu engen Kleidern.
Ich
glaube die Art und Weise, wie Jesus Menschen
begegnet ist, hat die Menschen schön gemacht, hat sie vom Krampf befreit. Die
konnten Schönes tun, weil die Liebe sie inspiriert hat. Gott schaut nicht auf
die Fassade, aber ins Herz. Einmal sagt Gott:
Ich urteile anders als die Menschen. Ein Mensch sieht, was in die Augen
fällt; ich aber sehe ins Herz. (1. Sam 16,7)
Dort
im Herz sieht Gott bei dir und mir viel Anspannung und Stress: Komme ich mit
meinem Outfit gut an, kommt das, was ich abliefere gut an? Die Liebe Gottes –
wo Jesus Menschen begegnet zeigt mir: Du bist mein Kind, ich habe dich lieb.
Danke.
Zitate
Dass
man als schön sie preist,
lass
ich bei Frauen gelten,
den
Männern steht es schlecht:
Es
klingt zu weich und fast wie Schelten.
Traue
niemand, den der Anblick einer schönen weiblichen Brust, nicht aus der Fassung
bringt.
Es
gibt keine hässlichen Frauen; es gibt nur gleichgültige.
Gegenüber
sehr attraktiven Frauen ist meist der Mann der Schutzbedürftige.
Seht
ihr den Mond dort stehen?
Er
ist nur halb zu sehen
und
ist doch rund und schön.
Matthias
Claudius
EG
535 Gloria sei dir gesungen
Gloria
sei dir gesungen
mit
Menschen- und mit Engelzungen,
mit
Harfen und mit Zimbeln schön.
Von
zwölf Perlen sind die Tore
an
deiner Stadt; wir stehn im Chore
der
Engel hoch um deinen Thron.
Kein
Aug hat je gespürt,
kein
Ohr hat mehr gehört
solche
Freude.
Des
jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für.