
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Eph 1,3
Drei Buchstaben
Liebe Gemeinde,
(Brett mit blauer Kreide)
wie Segen das Leben verändert? Lassen Sie mich mit diesem Brett
anfangen. Kein Brett vor dem Kopf, sondern bei vielen Menschen ein Brett über
dem Kopf, manchmal auch ein Balken, der Türstock, oben über der Tür.
In diesen Tagen sind die Sternsinger besonders in den katholischen
Gegenden unterwegs, sie sammeln für Misereor und dabei segnen sie die Häuser.
Mit Weihwasser und dann schreiben sie zwei Sterne, zwei Kreuze und die
Jahreszahl auf den Türstock. Und drei Buchstaben: C M B
Viele denken, das sind die Anfangsbuchstaben der Namen von den drei
heiligen Königen: Caspar, Melchior und Balthasar, aber dass die so heißen, ist
Legende.
In Wirklichkeit bedeuten diese drei Buchstaben ein Segenswort: Christus
mansionem benedicat
Das ist lateinisch und bedeutet: Christus segne dieses Haus.
Aufmalen:
20
* C + M + B * 02
Nehmen wir die drei Buchstaben als Leitlinie und fragen mit
C: Wer segnet?
M: Wer oder was wird gesegnet?
B: Was bedeutet das?
C: Wer segnet?
Christus manisonem benedicat.
Christus segne dieses Haus:
Wenn der Segen ein Geschenk ist, tut es gut, zu fragen: Von kommt das
Geschenk? Wer schenkt? Wer segnet?
Kommt der Segen von der Kirche? Bei vielen aktuellen Anlässen wird ja
immer wieder gefragt: Senf oder Segen! Gibt die Kirche ihren Senf dazu oder gibt
sie ihren Segen. Hat die Kirche überhaupt
einen eigenen Segen? Wer kann den Segen eigentlich geben?
Christus
segne dieses
Haus.
Das ist eine eindeutige Aussage.
Der Segen der Kirche kann auch nichts anderes sein.
Der berühmteste, bekannteste Segen, der sogenannte aaronitische Segen,
den der erste Priester Israels, der Bruder von Mose, Aaron an das Volk Gottes
weitergeben sollte, ist uns gut bekannt. Er wird fast bei jedem Gottesdienst am
Ende gesprochen.
Der
HERR segne dich und behüte dich;
25
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Doch der Nachsatz, der in der Bibel steht, ist eindeutig: Da wird dieser
Segen zitiert und dann heißt es als Anweisung Gottes:
So
sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich
werde sie segnen.
Num 6, 27
Merken wir den großen Unterschied?
Die Menschen sollen und können, können und sollen Gottes Namen, den
sie kennen, Jahwe für Israel, der Vater Jesu Christi für uns, auf das Volk
legen. Und Gott selbst segnet.
Das ist ganz entscheidend, denn das bedeutet für die Kirche und für
uns alle:
Ende falschen Hochmuts! Die Kirche, egal ob katholisch oder evangelisch
darf sich einbilden, sie hätte den
Segen exklusiv und selbst zu vergeben. Vom Segen der Kirche zu reden, meint
meistens gesellschaftliche Themen: (Gibt die Kirche ihren Segen zum
Flughafenausbau, zum Militäreinsatz, zur gleichgeschlechtlichen
Lebensgemeinschaft?)
Die Kirche selbst muss wissen, sie selbst kann gar nicht segnen. Sie
kann nur ihre Kenntnis Gottes, seinen Namen auf Menschen legen. Er selbst
segnet. Frei. Ende falschen Hochmuts!
Das bedeutet auch: Ende falscher Demut. Können Sie segnen? Viele sagen
vielleicht, wie könnte ich das? Bin doch kein Pfarrer. Sie können es – Ende
falscher Demut.
Menschen, die gespürt haben, dass Gott sie, dass Jesus Christus sie
lieb hat, sind ermächtigt, selbst zu segnen. Freunde, Kollegen, die eigenen
Kinder, den Ehepartner:
Sie sagen anderen etwas weiter von der Liebe Gottes, die in seinem
Namen, in Christus greifbar ist. Ich segne dich, das heißt: Ich sage dir Gottes
Liebe, seine Kraft zu.
Und das kann jeder. Dazu braucht es kein exklusives Priestertum!
Und da gibt es viele Erfahrungen – in einigen Kreisen haben wir darüber
gesprochen, dass uns der persönliche Zuspruch von Menschen, die um Gottes Liebe
wissen und dass er ansprechbar und liebevoll ist, uns segnet, gut tut.
Und manchmal haben wir erlebt, dass uns – das kann doch kein Zufall
sein – so eine beruhigende Begegnung mit einem segnenden Menschen genau im
richtigen Moment erreicht hat.
Wer uns Zeit schenkt, eine Geste der Zuwendung, die Hand auf die
Schulter legt und ein Wort aus dem Herzen der Liebe Gottes sagt, der segnet.
Der muss keine liturgische Wortwahl einhalten, der muss nicht ordiniert
und zum Priester berufen sein. Der muss nur den Namen kennen, und das meint die Person: Jesus Christus selbst
segnet. Er ist die – ungeteilte Liebe Gottes -.
Christus selbst segnet. Beim Segen werden wir gerufen, in die Beziehung
mit ihm. Es geht nicht um unpersönliche „Segenskräfte“, es geht um meine,
um deine Person in Beziehung zu ihm.
Segen wirkt, auch wenn ich Gott nicht kenne. Aber Segen bewirkt, dass
ich ihn ganz kennen lernen will!
Christus segnet.
Wen oder was?
M ansionem: Wen oder was?
Wer oder was wird gesegnet?
Die Sternsinger schreiben als zweiten Buchstaben hin:
20
* C +
M
+ B * 02
Christus segne dieses Haus.
In einer Broschüre über das Thema Segen habe ich von den Nöten
evangelischer bayrischer Pfarrer und Pfarrerinnen gelesen. Sie werden oft
eingeladen, ein Feuerwehrhaus, ein Rathaus, ein Feuerwehrauto oder ein Sportheim
zu segnen. Oder manchmal kommt eine Mutter bei einer Taufe und bittet, das
goldene Kreuz, samt dem Kettchen für den Täufling zu segnen. „Das kann doch
nicht schaden.“, sagen die, wenn sie das Zögern spüren.
Kann man Gegenstände segnen? Die katholischen Pfarrer tun sich nicht
schwer damit. Sie besprengen mit Weihwasser und schlagen das Kreuz. Das Wort
„segnen“ kommt übrigens vom lateinischen „signare“, mit dem Zeichen,
dem Signum des Kreuzes bezeichnen.
Aber der Segen gilt doch nur Menschen! So lautet der Einwand. Und der
ist auch richtig. Von Beginn der biblischen Überlieferung an werden
„Menschen“ gesegnet. Aber der Begriff „Haus“ meint nicht die Steine und
die Balken. Sondern meint den Lebenszusammenhang von Menschen, die Gemeinschaft
in der sie leben, die Arbeit, zu der sie tagaus, tagein aus dieser Tür hinaus
gehen, ihr Zusammenleben, ihr Lieben und Streiten, ihr Beten und Hoffen, ihr
Angsthaben und am Krankenbett sitzen, ihr Miteinander. Wie sagt es Dieter
Trautwein ganz richtig im Lied: „Keiner kann allein Segen sich bewahren.“
Christus segne diese Haus, das ist nicht der Aberglaube, dass
irgendwelche Segens-Wirkkräfte durch die Heizungsrohre strömen, sondern meint:
Das ganze Leben, alle Räume des Hauses, Bad und Schlafzimmer, Ess- und
Arbeitszimmer, Wohnzimmer und die Rumpelkammer werden von Gottes Liebe erreicht.
Gottes Segen sucht nicht nur das Wohnzimmer und das Schlafzimmer, sondern auch
die Garage, wo das Objekt der größten Liebe steht ;-)! Er meint mein ganzes
Leben!
Und da kommen wir schon der Frage nahe, was der Segen eigentlich ist:
Doch nicht nur die Bestätigung meiner Wünsche, sondern immer auch deren
Infragestellung, auch Veränderung und Korrektur, auch Demut und die Bitte um
Versöhnung, Mut zur Wahrheit und Aufrichtigkeit.
Segen ist gefährlich! Er verändert das Leben. Vielleicht nicht so, wie
ich es mir gewünscht habe, aber wie es wirklich gut ist.
Kanon in der Predigt: EG 175 Ausgang und Eingang
B enedicat: Was bedeutet das?
Wir kommen zum dritten Buchstaben.
20
* C +
M + B * 02
Benedicat, das bedeutet „segne“.
Die Form dieses Wortes muss man übersetzen mit „er möge dich segnen“. Es ist Wunschform, damit gleichzeitig eine
Bitte.
Das ist richtig, wir können um seinen Segen, um seine Liebe, die uns
leben schenkt nur bitten, wir können darüber nicht verfügen. Christus segne
dich. Das ist etwas weniger fest als das: Christus segnet dich. Damit bleibt
Christus selbst frei, zu segnen.
Aber es gibt doch einen Unterschied:
Wenn wir im August, bei stechender Sonne, verzweifelt mit einem Bauer
auf dem Acker stehen und die noch unreife Frucht droht zu verdorren, dann sagen
wir vielleicht: Es möge regnen. Es wäre jetzt gut, wenn es regnet. Doch der
Himmel ist stahlblau und kein Wölkchen da. Das ist ein Wunsch, ein verwegener
Wunsch vielleicht.
Beim Segnen dürfen wir zuversichtlicher sein.
Warum?
Paulus sagt am Anfang des Briefes an die Gemeinde in Ephesus:
Gepriesen
sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen
seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Irgendwie komisch gesprochen: Aber, wenn wir um Gottes Segen bitten,
sehnen wir uns nicht im August nach Wolken im stahlblauen Himmel, sondern wir
zapfen den Himmel an, der voller Segen ist, bereit auf uns runter zu regnen!
Vom Segen und der Fruchtbarkeit reden alle Religionen und Naturvölker,
das Besondere des christlichen Glaubens ist: In Christus ist der ganze Segen,
die ganze Liebe Gottes schon da. Gott hat
uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit
Christus im Himmel.
Wir können uns, wenn wir Menschen segnen, auf etwas ganz Gewisses stützen.
Wir sind keine „Priester“, die verzweifelt versuchen, die Götter
umzustimmen! Der Himmel ist voller Liebe für uns und wartet nur darauf
aufzugehen.
Und wenn er zu uns kommt, hat er manchmal viel zu tun. Denn es gibt in
dieser Welt nicht nur den Segen. Nicht nur das benedicere, das gut-reden, es
gibt auch den Fluch, das maledicere, das vermaledeite Streiten und Morden. Vom
Himmel regnet auch manchmal Lava und zwingt Menschen in die Flucht.
Und so hat es der Segen nicht leicht. Manchmal sogar nicht leicht mit
uns. Denn es ist für mich am Ende dieser Predigt eine große Frage, ob Menschen
sich gegen den Segen Gottes wehren können.
Ich glaube es letztlich nicht: Auch Menschen, die auf die schiefe Bahn
kommen, Fehler machen, einen nach dem anderen, fallen nicht aus dem Bereich der
Liebe Gottes hinaus. Der Segen wird es dann schwerer haben, aber er wird niemals
beleidigt davon ziehen. Es gibt genug Treue Gottes gegen den Trotz von Menschen.
Gott sei Dank.
Aber das kann man sicher sagen: Man kann dem Segen Gottes, wenn man ihn
empfängt, mehr Raum geben. Man kann den Segen mit offenen Händen empfangen.
Unsere Gebärden und Gesten können uns da manchmal verraten. Eben haben
wir gesungen: Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei dir Herr, füll
du uns die Hände.
Füllen Sie mal Fäuste! Sie werden es schwer haben, da etwas hinein zu
bekommen.
Umarmen Sie mal einen Menschen, der sich nicht umarmen lassen will. Sie
werden es schwer haben und bekommen vielleicht sogar blaue Flecken statt roter
Lippen.
Füll du uns die Hände.
Du kannst die Hände zum Empfang des Segnens aufmachen. Du kannst
zulassen, dass Gottes Liebe dich umarmt.
Amen.
| © Evangelische
Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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