Hebr 12,1-2 / Mk 2,13-17
Liebe
Gemeinde, liebe Konfis, liebe Freunde,
Wie
das Vertrauen entstehen kann, wie es wachsen kann und bleiben kann, haben wir
letzten Sonntag gefragt. Die Fahnen hängen sie heute noch da, auf denen steht,
dass es mit Sympathie und Respekt beginnt, dass man sich etwas anvertrauen können
muss, dass man miteinander etwas erleben muss, damit Vertrauen entsteht und wächst
und bleibt. Nur wenn man sich kennen lernt, kann man auch vertrauen.
Gleich
werdet ihr konfirmiert werden. Wir werden das Glaubensbekenntnis miteinander
sprechen, in dem es heißt: „Ich glaube, ... an Jesus Christus, seinen
ein-zig-geborenen Sohn, unseren Herrn“. Das ist die Mitte des christlichen
Glaubens. Ich glaube an Jesus Christus. Das ist eine Vertrauenszusage.
| Wisst
ihr, was des bedeutet? Das ist mehr als: „Ich vermute, dass es ihn
gibt.“ Das bedeutet: „Ich vertraue ihm, dass er in meinem Leben
wirkt.“ Ich will das an einem Beispiel zeigen: Gestern begann der
Parteitag der Grünen in Wiesbaden. Das Logo auf deren Transparent für
den jetzt beginnenden Wahlkampf ist kurz und knapp: „Grün
wirkt.“ Das ist also das Glaubensbekenntnis der Grünen. Kommt gut
im Frühling. Wie platt wäre es, wenn sie sagen würden: „Grün
gibt’s“. Alle würden fragen: Und- wie lange noch? |
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Die
Frage heute ist, für euch und für uns alle, nicht ob ihr glaubt, dass
es Gott gibt und Jesus gelebt
hat, sondern ob ihr vertraut, dass Jesus in eurem Leben wirkt.
Das
kann das Motto sein, nicht für den Parteitag, sondern den
Konfirmationstag und darüber hinaus: Jesus wirkt! |
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Wie
kann dieses Vertrauen zu Jesus Christus, entstehen, wachsen und bleiben? Genau
so, schaut auf eure Transparente, wie bei uns Vertrauen entsteht, wächst und
bleibt. Wenn man sich Zeit nimmt, den anderen besser kennen zu lernen, wenn man
einander etwas anvertraut, wenn man etwas miteinander erlebt. Und das geht alles
mit Jesus.
Wir
haben in der vergangenen Woche Petrus erlebt und seinen unerwarteten spektakulären
Fischfang am helllichten Tag, wo Fische normalerweise auf Tiefgang sind. Am
Anfang war bei Petrus ein großes Staunen, eine Furcht: Mit wem hat er es hier
zu tun?
Ihr
habt das ja heraus gearbeitet: Da wird bei Simon, die Stimme des „alten
Adam“ laut, der sagt: Das ist doch
Zufall, das ist doch Einbildung, das ist doch alles – mit Verlaub:
Verarschung. Alles Erfindung der Kirche, die dich binden will.
Aber
da war auch die Stimme des Petrus, des neuen Menschen in ihm, der das sichere
Gespür hatte: Nein, da beginnt etwas
Neues in meinem Leben. Mehr als ein Gefühl: Es lohnt sich, diesem Jesus zu
vertrauen. Und das nicht nur im Kopf und im Herzen, sondern in den Füßen: Ich
will ihm folgen, gehen, wohin er geht: Menschenfischer sein und nicht nur
Fischefischer. Mein Leben hat eine Berufung bei ihm. Ich will sehen, ob er in
meinem Leben wirkt, was er bewirkt.
Im
ganzen Leben muss das überprüft werden, ob Jesus wirkt. Wie geht das? Im Brief
an die Hebräer: (12, 1-2*) heißt es:
Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.
Vertrauen
kann entstehen, wachsen und bleiben, wo aufsehen zu ihm, wo wir Kontakt haben,
am besten Blickkontakt. Wie geht das bei Jesus? Sein sichtbares Wirken ist doch
schon lange her! Aufsehen zu Jesus? Wohin soll ich denn sehen, wenn ich zu Jesus
aufsehen will?
Um
zu entdecken, wie Jesus heute wirkt, kann man sich die Geschichten anschauen,
wie Jesus gewirkt hat. Die Berichte im Neuen Testament sind immer wieder
Grundlage für eine neue Begegnung mit ihm: Das kann dann wie ein Deja-Vú-Erlebnis
sein, denn so wie er war, so ist er noch heute: So wie er mit den Menschen
umgegangen ist, so wirkt er noch heute:
Ich
möchte das an einer Beispielgeschichte zeigen und kurz demonstrieren: Diese
kurze Geschichte steht im 2. Kapitel des Markusevangeliums.
13 Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.
14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten.
16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Isst er mit den Zöllnern und Sündern?
17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
-
Da sitzt
Levi, der Jude am Zoll. Zoll war römische Angelegenheit, er war also ein Jude,
der mit Besatzern kollaboriert. An dem gehen alle vorbei. Jesus zunächst auch,
doch dann spricht er ihn an. Folge mir nach. Levi hat damit nicht gerechnet,
dass ein Wanderprediger etwas zu ihm sagt, höchstens übelste Schimpftiraden.
Aber: Lasst und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger! Jesus kann mit Levi etwas
anfangen. Er ruft ihn. Jesus wirkt! Er geht nicht an Menschen vorbei. Jesus
wirkt.
-
Und was
macht er mit den Menschen? Ein Vers später sitzt Jesus bei Levi im Haus. Er lässt
sich einladen ins Leben! Er sagt „Folge mir“ aber etwas später sitzt er
bei ihm, ist in seinem Leben angekommen. Und er trinkt und isst mit ihm. Das
Ganze hat Festcharakter. In diesem Haus war schon lange keiner mehr. Jesus
wirkt.
- Und da gibt es Leute, die gönnen Levi diese Zuwendung nicht. Sie sagen: Falsches Tun schließt von der Liebe Gottes aus. Und Jesus ist unbestechlich und gradlinig. Seine Worte haben Kraft: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten. Jesus wirkt.
Jesus
wirkt: Wetten dass? Ich glaube, wer diese Geschichte eine Woche lang morgens
liest, verbunden mit der Bitte, lass mich sehen wie du wirkst, der wird das spüren.
Der wird auf einmal Menschen entdecken, die am Rand sitzen und gar nicht
vermuten, dass sie dazugehören, der wird spüren, was es bedeutet wirklich
eingeladen zu sein, und der wird auch in den Hochmut und den Stolz entdecken,
wahrscheinlich zuerst bei sich selbst.
Jesus
wirkt. Ich wünsche mir, dass das euer Glaubensbekenntnis wird. Jesus wirkt. Und
besonders dann, wenn auf meiner Seite alles dagegen spricht. Wenn meine Gefühle,
wenn mein Glauben nicht der Rede wert ist, wenn ich mich selbst gar nicht ok und
anziehenswert finde.
Jutta
Neddermeyer hat eben eine andere Geschichte vorgelesen. Es ist die letzte
Geschichte, die wir von Petrus in den Evangelien hören. Petrus hatte ja alles
verbockt und verwirkt. Sein
Treueversprechen war heilig gewesen: „Jesus, wenn alle dich verlassen, ich
bleibe bei dir, ich werde sogar für dich sterben.“ Beim Hahnenschrei war
klar: Versprechen, gebrochen verkrochen. Dreimal hatte er gesagt: Jesus – kenne ich nicht. Verflucht soll ich sein. Jesus? Was redet ihr
für einen Müll!?
Ist
da nicht alle Freundschaft vorbei? Wenn dein Freund in der Klasse bei allen
unten durch ist und du wirst darauf angesprochen und sagst: „Ja, der ist echt
eine Flasche – ist auch nicht mein Freund“. Dann ist doch die Freundschaft
vorbei?
Jesus
ist der Anfänger, deines Glaubens. Er wird immer wieder neu mit dir anfangen.
Aber wie? Petrus hat er nur dreimal gefragt. Hast du mich lieb? Das war alles:
Keine Belehrungen, kein Kommentar, keine Bedingungen! Nur dreimal: Hast du mich
lieb? Nach der größten Verleugnung, die man sich vorstellen kann! Und dann hört
Petrus dreimal: Weide meine Schafe! Kümmere dich um meine Jünger. Du, der du
ganz unten warst, du wirst gnädig sein mit ihnen! Ich traue dir etwas zu.
Du
darfst zu Jesus kommen mit allem Mist, mit allen Fehlern, mit dem größten
Versagen: Jesus wirkt. Er wird für dich der „Anfänger“. Er kann etwas mit
dir anfangen. Er fängt immer wieder neu mit dir an. Wenn du kommst, ist bei ihm
nie Feierabend. Er hat für dich immer offen.
Warum
ich das sage?
Ich
sage das nun auch im Eindruck der letzten Tage. Ich glaube, Robert Steinhäuser,
als er vom Gutenberg-Gymnasium in Erfurt verwiesen wurde, hatte keinen Menschen,
zu dem er konnte, mit allem Mist, mit allem Hass, mit aller Schuld, mit
Fehlstunden, Faulheit und gefälschten Attesten. Er hatte keinen, bei dem er mit
allem kommen konnte. Wir machen uns viel vor.
Jesus
ist der, zu dem du kommen kannst, so wie du bist.
Jesus
ist der, bei dem du dich geben kannst, wie du bist.
Und
er ist der, bei dem du nicht bleiben musst, wie du bist.
Ich
möchte schließen mit einem Gebet:
Jesus,
zu dir kann ich so kommen, wie ich bin.
Du
hast gesagt, dass jeder kommen darf.
Ich
muss dir nicht erst beweisen,
dass
ich besser werden kann,
was
mich besser macht vor dir,
das
hast du längst am Kreuz getan.
Und
weil du mein Zögern siehst,
streckst
du mir deine Hände hin,
und
ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.
Jesus,
bei dir kann ich mich geben, wie ich bin.
Ich
muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir.
Ich
muss nichts vor dir verbergen,
der
mich schon so lange kennt.
Du
siehst, was mich zu dir zieht,
und
auch, was mich von dir noch trennt.
Und
so leg ich Licht und Schatten
meines
Lebens vor dich hin,
denn
bei dir darf ich mich geben wie ich bin.
Jesus,
bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin.
Nimm
fort, was mich und andere zerstört.
Einen
Menschen willst du aus mir machen,
wie
er dir gefällt,
der
ein Brief von deiner Hand ist,
voller
Liebe für die Welt.
Du
hast schon seit langer Zeit
mit
mir das Beste nur im Sinn,
darum
muss ich nicht so bleiben wie ich bin.
Manfred Siebald
Lasst
uns aufsehen zu Jesus. Jesus wirkt.
Amen.
| © Evangelische
Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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