Liebe
Gemeinde,
was
sind die Zeichen der Zeit? Was beschäftigt uns gerade? Welche Meldungen der
Nachrichten in den letzten Tagen hat Sie so angesprochen, dass Sie die jetzt
ihrem Nachbarn sagen können? Was liegt obenauf?
Fragen
Sie Ihren Nachbarn. Erzählen Sie es ihm.
- 1 min Austausch
-
Ich
selbst musste nicht lange nachdenken: Was sind die Zeichen der Zeit, die viele
Menschen gerade zu deuten versuchen?
Ich
weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber im Moment fallen mir eher bedenkliche
und Sorgen erregende Zeichen der Zeit auf. Dass das Nachdenken darüber nicht in
die Adventszeit passt, würden wir sonst sagen, wenn es nicht so bedrängend wäre.
Wir spüren aber heute: Wir müssen das angehen, sonst kommen wir gar nicht zu
Advent und Weihnachten.
Im
Predigtwort für heute geht es um solche Zeichen der Zeit.
25
Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Es werden Zeichen geschehen an Sonne und
Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden
verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden
vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die
ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsdann
werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und
Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und
erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“
29
Und er sagte ihnen ein Gleichnis: „Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30
wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der
Sommer nahe ist. 31 So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so
wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
32
Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles
geschieht. 33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen
nicht.“
Sprechen
Sie die Zeichensprache? Können Sie
die Zeichen der Zeit lesen und deuten? Machen Ihnen diese Zeichen Angst? Angst,
weil Sie die Zeichen verstehen oder Angst, weil Sie diese gerade nicht deuten können?
Die
biblische Überlieferung ist ja voller Zeichensprache. Die Wolken- und die
Feuersäule, die das Volk Israel aus Ägypten geführt hat, der alte Gideon, der
sein Vlies vor die Tür gelegt hat, der ein Zeichen haben wollte, der wissen
wollte, ob Gott auf seinem Weg ist oder nicht.
Aber
Jesus spricht von bedrohlichen Zeichen des Endes, das herannaht. Die Elemente
kommen durcheinander,
–
da fällt mir noch ein Zeichen der Zeit ein: Der Ätna in Sizilien, der mit
aller Kraft zeigt, was ein Vulkan alles kann und was der Mensch nicht kann: Wie
klein und hilflos dessen technische Kraft ist. Der Ätna ist so ein elementares
Zeichen, dafür, wie wenig der Himmel und das Meer in unserer Hand sind.
Wie
geht man mit solchen Zeichen um?
Sind
sie astronomisch zu sehen? Kann man
mit diesen Zeichen ausrechnen, wie weit weg das Ende noch ist, wenn diese oder
jene Zeichen auftauchen? Kann und soll man sich mit dem Resultat dieser
Rechnungen entlasten und sagen: Ach, was, wir haben noch Zeit? Wir können noch
hundert Jahre fröhlich CO2 ausstoßen,
bevor etwas passiert?
Oder
sind die Zeichen astrologisch zu
sehen? Soll man sie lesen wie den Kaffeesatz? Soll der Aberglaube laut werden,
der alles deutet und beeinflussen will? Die Zeichen selbst, so sagt Jesus, lösen
Angst aus, die das Leben aushauchen lässt. Menschen sterben nur Angst, wenn sie
die Zeichen sehen! Es ist noch gar nichts passiert!
Beides
ist keine Antwort – das scheint uns schnell klar zu sein.
Was
ist die Antwort?
Eine
Antwort nennt Jesus mit einem Bild aus der Natur.
Ich
habe Ihnen etwas mitgebracht – aus unserem Garten. Zwei Zweige unseres
Feigenbaums, der an unserem Haus wächst. Die Früchte sind in diesem Jahr nicht
reif geworden – angetrocknet sind sie noch an den Zweigen dran. Ein Zeichen
der Vergangenheit: Dieser Sommer war nicht sehr gut. Sonst hatten wir schon in
einigen Jahren eine gute Ernte.
Einmal
hatten wir aber den Eindruck, der Frost hat den Baum erfroren. Ein Jahr lang kam
nichts und dann schlug er wieder aus, trieb Knospen, Blätter und brachte Früchte.
Das
Besondere am Feigenbaum ist: Er sieht im Winter aus wie tot, er verliert alle Blätter
und die Zweige wirken erstorben. Er kommt im Frühjahr wirklich wieder zum Leben
und die großen Blätter spenden Schatten.
Und
nun beginnt das Rätselhafte dieser Zeichensprache und der Worte von Jesus
deutlich zu werden: Wäre nicht das ein wirklich apokalyptisches und drohendes
Zeichen gewesen? Wenn Jesus gesagt hätte: „Seht
auf den Feigenbaum: Wenn er seine Blätter verliert, dann wisst ihr: Der Winter
kommt und der Frost nimmt alles Leben. Alles wird kahl und dürr und das Leben
wird vernichtet werden.“
Das
hat Jesus aber nicht gesagt. Er redet indes von Blättern die grün und frisch
sprießen und nimmt die als Vergleich für die bedrohlichen Zeichen, die das
Ende ankündigen. Aber die Blätter sind doch das Zeichen des Sommers und das
Zeichen der kommenden Frucht. Ein gutes Zeichen, das plötzlich Zeichen des
Endes sein soll? Das ist doch paradox und widersinnig!
Das
ist genauso paradox und widersinnig wie die Aufforderung, die Jesus zuvor
gegeben hat.
28
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht.“
Wenn
was anfängt? Wenn der Menschensohn kommt? Nein, dann ist sowieso klar, wie es
ausgeht, gemeint sind die ersten Zeichen, die bedrohlichen: „wenn aber dies
anfängt zu geschehen“ oder „Wenn ihr die ersten Anzeichen von alldem
bemerkt, dann richtet euch auf und erhebt freudig den Kopf: Bald werdet ihr
gerettet!« So übersetzt die Gute Nachricht mit Recht:
Das
ist paradox: Widersprüchlich, denn die Botschaft der Christen soll ein
Widerspruch sein:
Wenn
alle nur noch die bedrohlichen Zeichen sehen und sagen: „Ach, lasst den Kopf hängen, es wird ja doch nichts mehr…“, und
wenn die anderen den Kopf einziehen vor Angst, es stürzt der Himmel ein, da
sollen Menschen, die Jesus erwarten, den Kopf erheben, freudig, denn Jesus
kommt.
Da
kommt noch eine Sprache zu Wort: Die Zeichen der Körpersprache
sollen eine klare Sprache sprechen! Kopf hoch, wenn die Welt auch dreckig
ist.
Denkt
an den Feigenbaum: „Das Sprossen des Feigenbaums ist ein Vorbote des Sommers,
ein Durchbruch des Lebens durch den Tod!“
Eine andere, neue Sprache zu lernen, hat mit vielen fremden Vokabeln zu
tun.
Ich möchte Ihnen heute zwei aramäische Vokabeln vor Augen und Ohren führen,
in denen alles komprimiert steckt, was wir als Christen am 2. Advent mitnehmen müssen.
Dass Jesus wiederkommen soll, darum sollen die Christen beten: Am Ende des
1. Korintherbriefes schreibt Paulus:
Maranata*
- Unser Herr, komm!
Die
Gnade des Herrn Jesus sei mit euch
Maranatha, das ist aramäisch und es hat zwei Bedeutungen:
„Der Ruf kann entweder als „Maran – atha“ = „unser Herr
ist gekommen“ oder als „Maran – tha“ = „unser Herr komme!“
verstanden werden. Beides ist richtig. Jesus ist gekommen und er kommt. Das
bedeutet:
Wenn Jesus wiederkommt, kommt kein Fremder.
Es kommt der, der die Zöllner
und Sünder besucht
es kommt der, der die Kranken heilt,
es kommt der und kein anderer, der für die Welt aus Liebe am Kreuz
gestorben ist.
In manchen Darstellungen des wiederkommenden Jesus kommt ein strenger
Richter, der keine Liebe kennt. Nein, es kommt der Christus,
der damals an einen Ort gekommen ist, in eine Zeit gekommen ist,
für alle Zeit und für die ganze Welt sichtbar zurück.
Deshalb wissen Christen:
Maran
– atha = Unser Herr ist gekommen
Und deshalb bitten Christen:
Marana
– tha = Komm, Herr!
Am Ende ändert das alles. Es verändert unseren Umgang mit den Problemen
der Welt: Wir müssen nicht den Kopf hängen lassen und ohne Mut sein. Wir müssen
nicht den Kopf einziehen aus Furcht und die Arbeit ruhen lassen. Wir dürfen den
Kopf erheben und anpacken, was zu tun ist.
Wir sind umschlossen von der Gegenwart Christi. Er ist gekommen und er
kommt. Diese Welt ist nicht ohne ihn. Er ist in die Welt gekommen und wird
wieder kommen.
In die Welt – deshalb dürfen Christen die Welt und ihre Aufgaben nicht
fliehen, sondern sollen sich ernsthaft und kritisch und engagiert in die Welt
und in der Welt einmischen.
Im frohen Ton!
Amen.
| © Evangelische
Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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