Was ist unser Weg und unser Ziel?

Gottesdienstreihe

zum Leitbild unserer Gemeinde

 

Predigt von Irmela Brosk, Prädikantin unserer Gemeinde

zum letzten Satz des Leitbildes unserer Gemeinde: "Gottes Gaben ausleben."

VOTUM zum letzten Sonntag nach Epiphanias

Mit dieses Gottesdienst feiern wir heute den letzten aus der Gottesdienstreihe zu den Leitthemen, über die wir ja schon die vergangene Woche uns sehr  angeregt hier  am Gemeindeabend unterhalten haben. Der erste hieß Gottes Liebe feiern, der 2. Mit Generationen leben, der 3. Gästen eine Heimat geben, und heute Gottes Gaben ausleben. Als Einstieg: ein medienkritischer Kommentar zum Umgang mit Gaben, mit begabten oder auch weniger begabten Menschen in der Öffentlichkeit.

Wer gestern abend RtL geschaut hat, hat  die vorletzte Auswahl der Mammut Fernsehshow verfolgen können:

Deutschland sucht den Superstar…Gesucht wird der größte Sing-Star aller Zeiten…

10.000 Sing-Talente hielten sich für berufen, 800 wurden getestet, 30 sangen sich in die Auswahl.

Samstags Abends, so auch gestern abend fliegt in der RTL-Show- Deutschland sucht den Superstar-nach der Devise- werde Popstar in 17 Wochen- eine® raus. Für die Talente wird der Druck immer größer, während Zuschauer und die Musikindustrie auf ihre Kosten kommen.

Die Kriterien, die über Sieg und Niederlage bestimmen, liegen in der Sendung offen aus;  jedem angeblich Sangesbehinderten wird die Meinung gegeigt….

Dieter Bohlen, Macher und Moderator der Sendung Deutschland sucht den Superstar und seine besten Sprüche:

Du bist wirklich alles, was wir hier nicht brauchen… In so einem outfit geht meine Freundin Unkraut jäten… ich kenne nur  eine, die noch schlechter singt und das ist Verona Feldbusch.

Dieter Bohlens letzte Weisheit an die Kandidaten: “Verspielt nicht Haus und Hof, indem Ihr das falsche Lied singt. Der Song muss vorallem den Leuten gefallen, nicht Euch!” (Liebe Gemeinde, ich glaube, das war der Moment, als ich mich entgültig von diesem Programm verabschiedete.)

Der Wochenspruch zum letzten Sonntag nach Epiphanias will  zum Thema Gottes Gaben ausleben erquicken und Mut machen: 

Über Dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über Dir.  Wir feiern diesen Gottesdienst in seinem Namen, dem Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

Predigt:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.

 

Gottes Gaben ausleben heißt unser Thema heute.

Was sind eigentlich Gaben? Gaben beschreiben ganz natürliche Fähigkeiten. Sie lassen sich entdecken, einüben, fördern, entwickeln. Dass es in einem Leben gelingt, dass Gaben entwickelt und ausgelebt werden können, oder, dass es gerade nicht gelingt, das hängt von ganz vielen Faktoren ab, sicherlich spielen äußere Umstände, wie auch schulische und häusliche Erziehung eine bedeutende Rolle in diesem Prozess.

Wie sehr geriet z. B. Friedrich der 2., geboren 1712, in Konflikt mit seinem berühmten Vater, Friedrich Wilhelm 1. uns auch unter dem Namen Soldatenkönig bekannt. Der Sohn, intellektuell und musisch hochbegabt, dazu den Ideen der Aufklärung gegenüber sehr aufgeschlossen, sah sich  der überaus militärischen Strenge des Vaters ausgeliefert, der ihn unter anderem zwang, der Hinrichtung seines freundes vom Gefängnis aus zuzusehen. Auch die 1733 geschlossene Ehe war durch den Vater befohlen.  Es bedurfte dreier Kriege, bevor der preußische Anspruch auf Schlesien  sich durchgesetzt hatte, zuletzt dann der siebenjährigen Krieg. Dennoch ließ sich Friedrich auch immer von den humanitären Forderungen der Aufklärung leiten. Lange schon führte er regen Briefwechsel mit Voltaire. Er ließ das Bildungswesen ausbauen , schaffte die Folter ab und schaffte bessere wirtschaftliche Bedingungen.

Weniger auffällig, aber sicherlich auch noch präsent sind uns Erwachsenen die Erinnerungen an verflossene Gaben, die nie so recht  in unserer Jugend von außen gefördert wurden, während  andere in uns förmlich ‘hineinerzogen’ wurden, obwohl sie uns  wesensfremd waren. Ich bitte Sie – jetzt- während des Gottesdienstes aufzu- schreiben, worin Sie Ihre ganz eigene Gabe sehen. Eine, die Sie wirklich ihre eigene nennen, auch geübt, entwickelt haben. Wenn Sie es nicht wissen, fragen Sie Ihren Nachbarn, der kennt Sie vielleicht besser!  Ihr Konfirmanden: Wisst Ihr wo Eure Neigungen liegen ? Schreibt sie jetzt auf das Stück Papier, stecken Sie das Papier nicht weg, wir kommen am Ende des Gottesdienstes darauf zurück!

Gottes Gaben

Gaben und Gottes Gaben sind nicht völlig identisch.

 Ich wiederhole dazu aus der Lesung, die Gertrud Weiser uns las (1. Korinther 12, 4-11): Es sind mancherlei Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Ämter, aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allem…Heißt das: Gottes Gabe… ein Geist, der da wirket alles in allem?(wiederholen)

Wenn wir vom Geist sprechen, dann sprechen wir  von der Pfingstgeschichte. Liebe Gemeinde, vom heiligen Geist ist an Pfingsten die Rede, Gottes Geist, der alles zu durchdringen vermag.

Für uns bleibt der heilige Geist etwas unfassbares, weil er materiell nicht zu fassen ist. Es geht um etwas  nicht fassbares, was unsere Gaben zu durchdringen vermag. Wir setzen unsere Gaben des öfteren für Sachen ein, wo sie nicht hingehören. Und täglich erfahren wir von unglaublich bösen Dingen, die geschehen, Korruptionen, Verbrechen, Kriege, dafür werden auch Gaben eingesetzt und wir wissen, das dürfte es nicht geben.  Es gibt es doch. In der Verirrung unseres Tuns verlieren wir dann den Spürsinn für das Gute. Der heilige Geist Gottes  aber will gerade in uns das Gute wecken, will uns sensibel machen für die Wahrnehmung des Guten.

Gott wendet sich uns nicht nur allgemein verbindlich  zu, er wendet sich jedem von uns persönlich zu.  -- In der persönlichen Zuwendung kann er  unsere natürlichen, ganz persönlichen Fähigkeiten in geistliche, charismatische, aus Gottes Gnade kommende Gaben, verwandeln. (Ich lege Ihnen heute das Gabenbuch des Theologen Schwarz aus, in dem 30 geistliche Gaben für den Aufbau von Gemeinde vorgestellt werden.)

Zurück zum  Geist Gottes. Wo treffen wir auf solche Charismen, auf charismatische Menschen? Ein Blick in die Bibel. Im Brief an die Epheser, 4, 11 lautet es: “Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer der Gemeinde.” Nun könnten wir über alle sprechen, wir säßen bis heute abend hier… ich greife zwei heraus,

1.         Paulus und seine geistliche Gabe der Evangelisation

2.         Die Gabe des Heilens durch den Propheten Elisa.

 

1.         Paulus, von Beruf Zeltmacher und Rabbi-jüdischer Gesetzeslehrer-, befindet sich auf dem Weg nach Damaskus, als er eine buchstäblich blendende Bekehrung erlebt. “Saul, Saul warum verfolgst Du mich?” fragt ihn Jesus. Paulus erkennt die Stimme Gottes, vom heiligen Geist erfasst, bekehrt er sich rückhaltlos zum christlichen Glauben. So leidenschaftlich wie er gegen den Geist Gottes,  alle anders Gläubigen, Verächter des Mosaischen Gesetzes oder nicht jüdische Christen verfolgte, so leidenschaftlich entdeckt er nun seine Gabe, zu fremden Menschen, die nichts von Jesus Christus wissen, zu reden, ihnen persönlich, liebevoll und überzeugend die fremde Nachricht, weiterzusagen, im Sinne Gottes.

2.         Die Gabe zu heilen

der Prophet Elisa… ich erzähle die Geschichte verkürzt, Sie können sie im 2. Könige 5, V. 1-19 finden.

Von Elisa ist die Rede, als Naamann, der Feldhauptmann des Königs Aram am Aussatz litt, und sein König (Aram) bei den Feinden, dem König von Israel um Hilfe, bzw.  um Heilung bittet. Der König von Israel fühlt sich herausgefordert, zum Spott. Er zerreißt seine Kleider, was soviel wie Entsetzen bedeutet. Wie kann wohl König Aram glauben, dass er, wohl König, aber doch Mensch als solcher fähig sei, gottesgleich zu heilen? Weiß er doch um die angespannte politische Lage. Will er ihn verspotten? Ihn zu neuen Auseinandersetzungen reizen?

Elisa, ein Prophet, ein Mann Gottes in Israel sandte zu seinem König in Israel  und lässt ihm sagen: “Warum hast Du deine Kleider zerrissen? Lass ihn (Naamann)zu mir kommen, damit  er innewerde, dass ein Prophet im Lande ist.” So wird Naamann durch die wenigen Worte des Propheten Elisa ausgelöst, schließlich von seinem Aussatz geheilt. Einer wird geheilt, viele bleiben von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont.

Im Moment  fühle ich Bedrohung unter der Ankündigung eines Krieges mit dem Irak. Ich frage mich, gibt es die Gabe der Prophetie noch?  Propheten, die warnen vor den falschen Wegen? Werden Propheten in unserer Welt noch  gehört? 

Vielleicht klingt es  jetzt naiv, wie ein Märchen, eine Wunschgeschichte. Ist es ja auch. Dennoch.  Ich wünsche mir  in diesen Tagen nichts anderes, als dass ein Mensch mit der Gabe der Prophetie dem Staatsmann Busch sagt: “Warum zerreist Du Deine Kleider?” Busch selbst nennt diesen kommenden Krieg den Kampf gegen das Böse und setzt sich und die in seinem Namen handelnden Personen an oberster Stelle, als Summe alles Guten. Viele Staatsmänner, Könige wie Kaiser haben ebenso getan, schwarz und weiß gemalt, und ich frage mich: Ist das der richtige Weg?

Gott  hat sich im Exodus  als ein Gott gezeigt, der den Menschen in die Freiheit führen will, nicht in die Sklaverei. Sind wir auf dem richtigen Weg?

Und er hat uns seine Gesetzen gegeben, eines davon heißt Du sollst nicht töten.

Gott hat sich in Jesus Christus am Kreuz erwiesen als einer, der sein Leben in aller Konsequenz auf die Liebe setzt.

Was heißt das für uns?  Gaben, Fähigkeiten auf die Liebe setzen? Vielleicht so:  auf die Fähigkeiten, die Gaben zu vertrauen, die Gott uns gegeben hat, dass wir sie eben füreinander und nicht gegeneinander einsetzen. 

Die all abendlichen Nachrichten versetzen mich in Unruhe, dennoch  versuche ich  darauf zu bauen, dass Gottes Geist stärker ist als wir, dass sein Geist unsere Gaben stärker zu durchdringen vermag, als das, was wir mit unseren Gaben in der Welt auszurichten imstande sind. 

Ich komme zum Schluss, (ich will ja nicht meine Gabe zu predigen unter Beweis stellen.)

Wie leben wir hier in unserer Gemeinde Gottes Gaben aus? 

Der Leib Christi, dessen Glieder wir alle sind, macht deutlich, wie angewiesen wir auf jedes einzelne Glied, jede einzelne Gabe dieses Leibes sind und wie wir leiden, wenn eines krankt, wie wir auch der unscheinbaren vielleicht eher  unattraktiv scheinenden Gaben gleichermaßen bedürfen.

Wenn wir also im Frühjahr dieses Jahres Männer und Frauen für das Amt des Kirchenvorstandes wählen, die sich bereit erklärt haben, sich in die Verantwortung des Evangeliums  nehmen zu lassen, um der Gemeinde vorzustehen, dann sind wir froh und dankbar für jede und jeden.

Wenn unser EJW-Team, Lea, Mark, Jan- Martin, Katrin unsere Kindergruppen in ihren Worten, auf ihrer Art,- das Evangelium verkünden, dann ist Christus mitten unter uns.

Wenn Ursula Doeller, und andere Frauen aus dem Frauenkreis in der Gabe der Gastfreundschaft zu Gesprächskreisen einladen, um sich über den Sinn des Lebens zu streiten, (zu quäkern) bei Essen und Trinken, dann entsteht echte Bereicherung… Das Gleiche gilt für alle Hauskreise, den Hauskreis bei der Familie Klein…

Wenn der Friedenskreis mit der Familie Wille an den kommenden Mittwochabenden zum Friedensgebet  in unserer Kirche aufruft, dann schenkt uns das Kraft im Geist.

Wenn wir im letzten Gemeindebrief zum Thema Kindheit Zeugnisse des Glaubens herauslesen,   dann werden wir in unserem eigenen Glauben gestärkt und  sind dankbar, dass Gertrud Weißer und Herr Quade sich für diesen Gemeindebrief so einsetzen und dankbar für die, die sie austeilen.

Wenn der Posaunenchor mit Helmuth Boxberger Gott lobt und preist mit allen ihren unterschiedlichen Stimmen, dann teilen sie mit uns die Freude an Gottes Gegenwärtigkeit. Das gleiche gilt für den Gospelchor mit Andreas Klein, den Kirchenchor mit Frau Süß  (auch mal ohne Männer…) den Besuchskreis mit Rolf Diepen, die sich den Menschen  den Seniorenkreis mit der Familie Niethammer und Gengenbach, das Kindergottesdienstteam…die stillen Helfer des Gottesdienstteams mit Elke Schäfer, die Frauen, die  jetzt für den Weltgebetstag ihre Gaben einsetzen, Norma wird predigen … ich habe sicherlich nicht alle nennen können, rufen Sie hinein…Und es gibt sicherlich Gaben, die es noch zu nennen gilt, all die diakonischen Gaben - zu helfen und zu dienen oder praktisch- orientierte Gaben, zu reparieren, die stillen…

Übrigens: es gibt keinen Menschen ohne eine Gabe, ohne ein Charisma, das gibt es nicht.

So macht mir das Bild des einen Leibes mit den vielen Gliedern, Gaben – Mut- stärkt mich, zu sagen:

Ich will mich  bemühen, meine Gaben mit anderen zu teilen – ( auch wenn sich Trägheit zuweilen dazwischen stellt) - mein Leben auf die Liebe Gottes setzen.

Und der Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Irmela Brosk

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein

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