Predigt beim Ewigkeitssonntag 2003

Matth. 25, 1-13

 

Lieder:

Meine Zeit steht in deinen Händen (Neue Liederbücher L38, dort auch Satz)

147 Wachet auf ruft uns die Stimme

526, 1-3+7 Jesus meine Zuversicht (2. Melodie)

516 Christus, der ist mein Leben

 

Liebe Gemeinde,

die Geschichte, um die es heute geht, ist eine harte Geschichte. Ich kenne diese Geschichte schon, seit ich ein Kind bin und mir fiel immer auf, dass ich in der Haut der 5 törichten Jungfrauen nicht stecken möchte. In der Nacht werden sie wach: Der Bräutigam kommt, nun sollen sie als Brautjungfern die Braut begleiten, sollen tanzen und singen, doch das Öl ihrer Lampen ist alle. Zappenduster. Was kann man denn jetzt noch tun? Zum Kaufmann gehen, mitten in der Nacht und Öl kaufen, doch das Fest beginnt schon!

Wer zu spät kommt, der verpasst das Leben!?

Hören wir auf diese Geschichte, und wenn Sie sich beim Hören der Geschichte über die Geschichte ärgern, dann schlucken Sie das nicht hinunter.

 

Mt 25,1-13

Von den klugen und törichten Jungfrauen

1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

2 Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.

3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.

4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.

5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.

8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.

9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.

10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.

11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!

12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

 

Das Wort „töricht“ kenne ich übrigens nur aus dieser Geschichte. Dumm sollen wir diese jungen Mädchen nennen, aber konnten sie denn wissen, dass der Bräutigam sich so verspätet? Der Grund wird nicht genannt, aber der Bräutigam bleibt lange aus und es wird Mitternacht. Und nun wird es hart: Die anderen fünf jungen Frauen haben Ersatzfläschchen, um neues Öl in die Lampen zu gießen. Die Hochzeit beginnt gleich. Können sie nicht den anderen etwas abgeben? Nein, sie bleiben hart: „Es reicht nicht für alle“ sagen sie und sie schicken die Mädchen in der Nacht zum Kaufmann. Der schert sich nicht um geregelte Ladenöffnungszeiten und lässt sich auf den Handel in der Nacht ein, doch nun kommen die 5 Mädchen zu spät. „Herr, tu uns auf, bitten sie“: Doch dieser Herr ist ein harter Brocken: Ich kenne euch nicht! Waren es nicht die Brautjungfern seiner Braut? Hat der kein Verständnis, kein Mitgefühl oder Mitleid?

 

Ich mag den Ärger nicht runterschlucken. Das passt doch nicht zu dem, was die Bibel sonst über gutes Miteinander und christlichen Lebensstil sagt:

-         Es kann doch nicht vorbildhaft sein, herum zu geizen und zu sagen: Ich gebe dir nichts, sonst reicht es für mich selbst nicht. Wird hier nicht blanker Egoismus gefördert?

-         Es kann doch nicht im Ernst gemeint sein, dass Gott so ist wie dieser Bräutigam, Gott, der doch sonst geduldig genannt wird, dessen Sohn in der Bergpredigt auffordert, man soll, wenn jemand um Weggeleit für eine Meile bittet, auch die zweite Meile mitgehen!

All die guten Geschichten, vom Öl im Krug, das nicht ausgeht, wo sich die Witwe bei Elia in Liebe verschenkt, von der Speisung der 5000, wo alle satt wurden, als man zu teilen begann, und der Bergpredigt, die rät, dem zu geben, der nichts hat, sind doch ein echtes Kontrastprogramm zu dieser Geschichte: Sagt die Bibel im Ernst, dass man – wenn es hart auf hart kommt – auf Nachsicht und Verständnis verzichten soll, mit Geduld und Liebe lieber nicht rechnen soll?

 

Sagt die Bibel nicht:

Sorgt euch nicht um den nächsten Tag. Alle eure Sorge werft auf ihn; er sorgt für euch?

Nein, die Botschaft der Bibel geht in eine so grundsätzlich andere Richtung:

-         Habt Vertrauen, in den Himmlischen Vater. Er sorgt für euch.

-         Lernt, füreinander da sein. Wenn ihr teilt, werdet ihr nicht arm, sondern reich, es reicht.

 

Wir müssen dieser Geschichte widersprechen – und müssen dann fragen, haben wir sie vielleicht ganz und gar falsch verstanden?

Was in dieser Geschichte anklingt, ist keine normale Lebenssituation, es ist Gleichnis, und bei Gleichnissen sollten wir nicht Punkt für Punkt vergleichen und in unser Leben übertragen, sondern nach dem roten Faden und dem Kerngedanken fahnden.

 

Das Besondere ist doch: Eine Hochzeit steht bevor – ein wirklich großes Fest beginnt. Überlegen wir doch mal, was bei uns los ist, wenn so eine Hochzeit gefeiert wird, da ist nichts normal.

Wenn ein Fest bevorsteht, bereite ich mich auf das Fest vor: Ich höre auf zu arbeiten und fange nichts Neues mehr zu arbeiten an, ich wasche mich und richte mich – Frauen überlegen schon Wochen vorher, was sie anziehen – ein Fest ist nichts Normales. Es ist etwas Besonderes: Und jeder Einzelne soll gut aussehen, festlich sein. Die Kleider, die man trägt verraten, ob man sich auf das Fest eingestellt und gefreut hat. Wenn man in den letzten Jeans und mit verschwitztem T-Shirt kommt, kann man auch wegbleiben.

Auf ein Fest bereitet man sich vor: Auf jeden einzelnen kommt es da an. Da kann ich nicht sagen: Ja, ich habe noch den Blaumann an, aber meine Frau das festliche Kleid, nein mein Stil verrät, ob ich dahin gehöre.

 

Es gibt Situationen, da kommt es allein auf mich an.

Und es gibt Situationen im Leben, die sind nicht festlich und die kann mir keiner abnehmen. Solche Situationen haben Sie heute hierher geführt – die Erinnerungen an Wege im vergangenen Jahr, die sie erlebt haben, wo Sie Menschen an der Seite hatten, aber auch Menschen an Ihrer Seite verloren haben. Wo Sie gespürt haben: Es geht jemand mit mir; und dann muss ich doch alleine hindurch. Oder der Mensch, der mich begleitet hat, der lässt mich jetzt allein.

Reinhard Mey hat einmal ein Lied geschrieben, das heißt so: „Allein“ und ich finde das eindrücklich – im Refrain dieses Liedes heißt es:

 

Allein - wir sind allein

wir kommen und wir gehen ganz allein

wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein

die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein

Allein - wir sind allein

wir kommen und wir gehen ganz allein.

 

Die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein. Ich wünschte, Reinhard Mey würde übertreiben – aber es stimmt: Wir kommen und gehen allein. Wir können uns nicht verschanzen und verstecken, hinter Eltern, großen Geschwistern, dem Mann, der Frau, den Kindern. Irgendwann stehen wir allein – vor Gott?

 

Neulich erzählte mir eine Frau, sie habe das Jahr nach dem Abitur genutzt, um alte Menschen zu begleiten und zu pflegen. Dann erst habe sie ihre Ausbildung begonnen. Es sei hart an sie gegangen: Werde ich auch einmal so, wenn ich alt bin?

Und dann erzählte sie mir – im vergangenen Jahr war ihre Tochter Konfirmandin, – dass sie damals begriffen hätte, was es bedeutet, etwas auswendig zu lernen. Sie habe alte Menschen erlebt, die hätten nichts mehr gehört; die konnten nichts mehr lesen. Der Geist war oft schon zu müde, um etwas zu erfassen und zu verstehen. Doch viele der alten Frauen konnten Unmengen von Liedern und Versen auswendig und lebten darin.

Es kommt eine Zeit in meinem Leben, wo ich das Öl anderer nicht zur eigenen Flamme machen kann, wo ich nur habe, was ich habe.

Es kann eine Zeit kommen, das sehe ich kein Bild mehr, da höre ich keine Musik mehr, da verstehe ich kein gesprochenes Wort mehr.

Und doch habe ich Bilder, die im Herzen aufleuchten, Lieder, die im Herzen aufklingen, Worte, mein Herz aufhorchen lassen.

Diese Frauen waren allein, und doch dann nicht allein. In unserer Konfi-Zeit reden wir deshalb auch nicht mehr vom „Auswendig-Lernen“, sondern nennen es englisch: „Learn by Heart“ – das klingt nicht nur besser, sondern darauf kommt es an: Dass man mit dem Herzen lernt!

 

Ein Kinderbuch beschreibt das auf besondere Weise: Frederick, die Maus ist eine faule Maus. Während die anderen Mäuse schaffen und schuften, um Körner, Obst und Nüsse in die Höhle zu bringen, wenn der Winterschlaf kommt, so liegt Frederick auf der Wiese, schaut und singt und dichtet. Die anderen Mäuse beginnen zu maulen, dass Frederick so faul ist, doch er sagt: Ich sammle Farben für den Winter; ich sammle Lieder für den Winter; ich sammle Wörter für den Winter. Und dann kommt der Winter und sie sitzen in der Höhle und haben, dank der fleißigen Helfer, Körner, Obst und Nüsse genug. Aber es ist grau und still und langweilig. Und dann kommt Frederick und malt die Farben und singt die Lieder und erzählt die Geschichten. Und alle Mäuse freuen sich mit Frederick!

 

Ja, Jesus hat gesagt, dass wir uns nicht sorgen sollen – und die Geschichte von den klugen und dummen Jungfrauen soll nicht dafür gut sein, dass wir nun doch sorgen – jeder für sich, weil es am Ende hart auf hart kommt, aber der Vers von Jesus in der Bergpredigt geht weiter.

 

Mt 6, 19

Jesus sagt: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.

 

 

Darum geht es, dass wir Schätze im Himmel sammeln. Dafür ist unser Leben da: Und der größte Schatz liegt schon längst darin: Jesus sagt Dir und mir: Du gehört zu mir. Du bist mein Freund, meine Freundin, Bruder und Schwester. Komm zum Fest des Lebens.

Das ist der größte Schatz, den wir bergen können. Die Zusage: DU bis mein!

Und verstehen wir es richtig: Das ist eine Frage meines Herzens.

Das sagt Gott zu dir.

Amen.

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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