GoSpecial-Traisa Predigt im Februar 2003

Liebe Freunde!
Und, wie geht es Ihnen? Haben Sie auch ein Loch im Sparstrumpf? Geht es ihnen auch schlecht? Es klagen ja alle: Wie soll es einem zwischen 48 Steuererhöhungen, dem Teuroloch und allgemeiner Depression noch irgendwie gut gehen? Ist es wahr, was Elmar Brandt in Las Kanzlern singt, dass im Moment Krötenwanderungszeit ist – und unsere Kröten in andere Taschen wandern?
Dann sind wir ja auf einem guten Wanderweg! Denn biblisch gesehen, und ich möchte ein paar biblische Blickpunkte zum Thema Geldnot mit ihnen anschauen, ist es schon gut, wenn man mit Geld nicht so viel zu tun hat.
Es gibt in der Bibel eine breite Palette von Aussagen, die vor der Orientierung an dem Geld, vor Habgier und großem Reichtum warnen.
Jesus sagte einmal (Lukas 12,15): »Gebt acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn der Mensch
gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz, auch wenn der noch so groß ist.«
Mehrfach wird ausgedrückt, dass man sein Herz nicht an das Geld hängen soll. (Psalm 62,11). Das ist bedenkenswert und bedenklich:
9 Wer unbedingt reich werden möchte, gerät in Versuchung. Er verfängt
sich in unsinnigen und schädlichen Wünschen, die ihn zugrunde richten und ins
ewige Verderben stürzen. 10 Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen.
So wird Timotheus von seinem Lehrer Paulus (1. Tim 6) gewarnt:
6 Gewiss bringt es großen Gewinn, Gott zu dienen, wenn jemand nur sein
Herz nicht an irdischen Besitz hängt.
7 Was haben wir in die Welt mitgebracht? Nichts! Was können wir aus der
Welt mitnehmen? Nichts!
Das ist das erste und völlig eindeutige, das sich durch viele Geschichten in der Bibel zieht. Geld hat eine Eigendynamik, die Menschen bindet, die Herzensentscheidungen prägt. Im Herz sitzen die Emotionen! Die Geschichten vom reichen Kornbauer und vom reichen Jüngling zeigen auch: Geld regiert nicht nur den Kopf, sondern mein Herz. Geld weckt meine Leidenschaft. Und manche, die alles Geld verloren haben, möchten nicht mehr leben, weil das Geld ihre Ehre ist!
Passt das nicht hervorragend zur landläufigen Meinung, dass Geld nicht glücklich macht? Die Regenbogenpresse, die gerne das Leben von Adligen, Neu- und Steinreichen beleuchtet, sagt es eindeutig: Seht euch diese Reichen an – wie arm sie sind: Ihnen geht es auch nicht gut: Intrigen und Krankheiten ereilen sie wie euch: Da! Gerade in diesen Tagen kann man mitleiden mit Athina Onassis, der Enkelin des Super-Reeders, die gerade 18 wurde und ihr Milliardenerbe antritt. Und sie ist dabei sehr unglücklich. Geht es uns nicht gut? Geld macht unglücklich.
Nein, ich glaube, wir sind auf einem gewaltigen Holzweg, wenn wir anfangen, die biblischen Mahnungen, die vor der Eigendynamik des Geldes warnen, spießig und gutbürgerlich zu deuten. Wenn die Bibel eines nicht sagt, dann:
Solche Statements, mit denen viele aufgewachsen sind, muss man nicht deshalb aufs Korn nehmen, weil sie spießig sind. Das spielt nicht die Rolle. Sondern solche Lebenseinstellung ist kritisch zu sehen, weil die Menschen, die so leben, sich doch auch nur vom Geld bestimmen lassen. Nicht offensiv, sondern defensiv: Wir tun nur das, was finanziell gerade so geht. Die finanziellen Möglichkeiten stecken den Horizont fürs Herz, für die Visionen und Wünsche ab. Die Warnungen im Blick aufs Geld gelten nicht nur für Glücksritter, Spieler und Träumer. Sein Herz kann auch der ans Geld hängen, der nie eine Mark, sorry einen Euro zuviel ausgibt.
Wenn nur geht, was finanziell gerade geht, haben wir vielleicht keine Probleme mit dem Geld, wohl aber Probleme mit unseren Träumen und Visionen.
Wissen Sie, was ich hammerhart finde? Mitten in Genf steht,
abseits im großen Zentralpark der Stadt ein kleines Denkmal. Es ist unscheinbar
und hat sicher auch nicht die Welt gekostet. Es begann am 24. Juni 1859 in
Solferino, in Norditalien. Da gab es eine große Schlacht, in der die Franzosen
und Piemontesen die Österreicher besiegten. Eine Schlacht, die an einem
einzigen Tag 40000 Tote und Verletzte forderte. Ein Genfer Geschäftsmann sieht
das Schlachtfeld nach dem Kampf. Er ist so erschüttert von dem Zustand, in dem
man die Verwundeten nach der Schlacht liegen lässt, dass er die örtliche Bevölkerung
mobilisiert und eine Hilfsaktion improvisiert. In ihm steigt die Vision auf, den
Menschen solches Leid wie in Solferino zu ersparen. In Genf gründet er das Rote
Kreuz. Er engagiert sich sosehr dafür, dass er seine Aktiengesellschaft
vernachlässigt. In ihr war sein ganzes Privatvermögen und eine Million
Aktienkapital. 1867 musste er Konkurs anmelden. Er verlor dadurch nicht nur sein
Geld, sondern auch seine Ehre. Das Rote Kreuz verschmäht seinen Gründer. Während
10 Jahren zieht er mittellos durch Europa.
Die Rede ist von Henri Dunant. Ihm ist das kleine Denkmal am Rand des Parks in Genf gewidmet. Klein, nicht weil das Rote Kreuz in den Augen der Genfer nicht so wichtig wäre, sondern klein, weil Henri Dunant ein Bankrotteur ist – und das ist nicht nur in Genf ein wenig peinlich.
Und das finde ich wiederum ein wenig peinlich.
Wenn es doch mehr solche Menschen mit Visionen geben würde.
Keine Angst: Damit fordere ich nicht auf zu einem gedankenlosen:
Aber wie arm wären wir, wenn keiner den Mut hätte, etwas Großes zu tun, auf Risiko hin. Wenn keiner etwas tun würde, was im Moment dran ist, wenn auch ungedeckt.
Der Wert dieses Fläschchens, das diese Frau Jesus auf den Kopf schüttet, ist unglaublich hoch! Eine solche Menge feinsten Nardenöls kostet das Jahresgehalt eines Tagelöhners: 300 Silberstücke! Diese Frau, die Jesus mit diesem Öl beschenkt, denkt überhaupt nicht über die Kosten nach. Sicherlich – weniger hätte es auch getan. Der Duft ist intensiv und füllt den Raum. Normalerweise nimmt man nur Tropfen. Aber die Frau denkt nicht über die Kosten nach – jetzt sagen Sie, liebe Männer bitte nicht: „Typisch“, denn wir wissen, es gibt andere Bereiche, da sind wir so.
Die in Betanien anwesenden Männer, die Jünger und die anderen, die Zeugen dieser Szene wenige Tage vor dem Sterben von Jesus werden, entrüsten sich: Sie riechen nicht das Parfüm, sie spüren nicht die Liebe, sie sehen nur 300 Silberstücke verduften. Jesus versucht ihnen eine Brücke zu bauen: Sie hat es für mein Begräbnis getan: Da war es üblich, Gestorbene ganz und gar ein zu balsamieren. Und Jesus war nicht sicher, ob er ein Begräbnis bekommt – möglich, dass er als Verbrecher verscharrt werden würde.
Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass dieses Öl ein kostbar gehüteter Schatz der Frau war. Es war nicht nur für die Jünger, die meistens arme Männer waren, wertvoll. Aber Geldwert spielt für diese Frau überhaupt keine Rolle.
Die Kosten sind nicht ihr Thema. Es geht ihr um Begegnung und Zuwendung zu Christus.
Es scheint so, als habe die Frau ein Wort von Jesus, aus der Bergpredigt wirklich kapiert:
Matthäus 6,33
Euch aber muss es zuerst um Gottes Reich und um seine Gerechtigkeit
gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt
euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.
Jeder Tag hat genug eigene Plage.
Geld an sich hat keinen Wert. Es kann und wird entwertet werden. Es hat auch nur einen Wert in Relation zu den Preisen, die verlangt haben und zur Summe, die man besitzt. Dem einen kann es viel oder wenig sein – hier und da verschieden.
Im Blick auf die neue Welt Gottes, auf sein Reich, das mit Jesus Christus beginnt und sich in der Begegnung mit ihm für die Menschen öffnet, ist Geld nicht mehr das Thema: Das Entscheidende ist, ob sich mein Leben in der Beziehung zu ihm verändert. Ob seine Liebe mein Herz erreicht. Dann wird Geld nicht mehr das Thema meines Herzens sein, weder offensiv, noch defensiv. Dann – so das ungeheuerliche Versprechen von Jesus, müssen wir uns mit Geldsorgen nicht mehr verrückt machen. Und wenn wir welche haben, können wir offen darüber sprechen. Geld ist nicht mehr Sache des Herzens und der Ehre.
In der Beziehung zu Jesus Christus kann ein Mensch beginnen, das Geld zu „ent-sorgen“. Genau darum geht es, dass das Geld nicht mehr die Fähigkeit hat, uns in Geld-Sorgen zu verstricken. Geld ist kein Problem Gottes. Es finden sich Wege.
Die Frage ist, ob mich die Liebe von Christus erreicht, und ob ich diese Liebe erwidern kann, ihm und anderen Menschen.
Amen.
| © Evangelische Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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