Predigt zur Konfimation 2004 "Du bist nicht allein"

Predigt zu Psalm Matthäus 28, 20b

Jesus spricht:

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage

bis an der Welt Ende.

 

Liebe Konfis, liebe Eltern und Paten, liebe Familien,

liebe Gemeinde,

 

Was sind die Zeichen der Zeit?

Was kommt in eurem Leben auf euch zu?

Was kommt in eurem Leben noch auf euch zu?

 

In 2009 machen einige von euch Abitur, andere sind vielleicht schon mit der Ausbildung zu Ende. In 2013 wird der eine oder die andere vielleicht Papa oder Mama. Einige werden studieren, sicher nicht alle werden die Arbeit finden, die sie sich erträumen. In diesen Zeiten wird man vielleicht den EU-Beitritt der Türkei feiern und ihr werdet euch über eure Handies in Video-Online-Qualität beim Kinderwagen-Schieben sehen können!

Wird Friede sein in dieser Welt? Ist Bin Laden gefasst? Ist das Problem der klimatischen Erwärmung, der Überbevölkerung und der großen Verarmung von vielen Menschen irgendwie angepackt? Wir machen viele Fragezeichen.

Was wird das für eine Welt sein, in der Ihr – hoffentlich – den Mut habt, selbst Kinder zu bekommen? Wird diese Welt noch im Lot sein oder ist irgendein Kernkraftwerk geplatzt, das näher liegt als das in Tschernobyl?

 

Was sind die Zeichen der Zeit?

Was kommt in eurem Leben auf euch zu?

Was kommt in eurem Leben noch auf euch zu?

 

Zeichen der Zeit, das ist der Titel eines Musikprojektes mit vielen ganz jungen Musikern: Ben und Yvonne Catterfield, Laith al Deen und Xavier Naidoo; Paddy Kelly, Judy Bailey und Michael Janz von Beatbetrieb haben bei diesem Projekt mitgemacht. Und der Titel, dessen Video oft in VIVA lief, war „Du bist nicht allein“. Wir hören uns das einmal an:

 

 

In der Predigt: Einspielen des Songs: Du bist nicht allein (Zeichen-der-Zeit-Projekt)

 

Ich kann hier bei dir sein
Hier bist du nicht allein

Wenn die Tage kürzer werden
Und der Wind von Norden weht
Wenn das Lachen verklungen ist
Und du am Fenster stehst
Wenn die Zeiger lauter schlagen
Und es rinnt durch deine Hand
Wenn das Glück wie ein Sommer war
Den du nicht halten kannst

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein
Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Musst nicht mehr fliehen nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

If you dreamed of the truth
But your dream became a lie
If you fought for freedom
But you’ve got lost the more you tried
If nothing goes your way
And you’ve become to scared to try
And you stopped to believe in yourself
And the tightrope is much too high

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein
Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Musst nicht mehr fliehen nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

Während andere hinter deinem Rücken Schwerter zücken,
bauen wir goldene Brücken aus goldenen Stücken
und füllen die Lücken mit dem Glück der Erlösten aus der Hand des Größten
Egal was kommt, egal wer geht
Welche Front morgen noch steht
Wir bauen die Mauern der Liebe
Mit Sound überdauern wir Babylons Power

Wenn dein Herz nicht schlafen kann
Weil die Sehnsucht die Sehnsucht sucht
Wenn du endlich da bist
Doch du spürst, dass du weiter musst
Wenn der Nordwind nach dir sucht
Und dich fragt ob du mit ihm ziehst
Und du musst dich entscheiden
Wo deine Liebe ist

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein
Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Musst nicht mehr fliehen nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

 

Das ist ein Psalm der Neuzeit. Kleine Rap-Espakaden wie: Mit Sound überdauern wir Babylons Power
sind verziehen und dann kommen wir zu dem Refrain und zum Leitwort:

 

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

Wenn die Zeichen der Zeit so sind wie sie sind –

Wenn die Tage kürzer werden und der Wind von Norden weht wenn das Lachen verklungen ist und du am Fenster stehst.

Wenn du nicht weißt, was auf dich zukommt, dann brauchst du einen, der dir das zusagt:

 

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

Aber die große Rätsel- und Preisfrage eines Lebens ist. Wer ist das? Wem kann ich mich anvertrauen? Wer singt für mich diesen Song? Und auf wen ist wirklich Verlass?

 

Und ich möchte diese Frage mit drei Fragen weiter stellen:

1.               Wie finde ich einen Menschen, der mir das zusagt?

2.               Wie werde ich zu einem Menschen, der das anderen zusagt?

3.               Wie erlebe ich, dass Gott mir das zusagt?

 

Wie finde ich einen Menschen, der mir das zusagt?

Ja, es gibt Menschen, die mir, die uns das zusagen können.

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

Ja, es gibt solche Menschen, bei denen spüren wir das. Die müssen das gar nichts sagen, die sind nur da und wir packen aus und reden uns den Ärger von der Seele und wir haben das Gefühl: Alles, was ich gesagt habe, ist gut aufgehoben.

Es ist überhaupt nicht so, dass diese Menschen durch brilliante Analysen und unbestechliche Antworten glänzen. Manchmal sagen sie auch nichts, sind einfach da. Lachen oder weinen mit.

Solche Menschen sind echte Freunde – und wer von euch sagt: Von diesen Freunden lade ich 30 zum Geburtstag ein, hat wahrscheinlich noch keinen entdeckt, denn solche Freunde sind viel seltener als man denkt – aber davon bin ich überzeugt: Für jeden Menschen gibt es einen oder drei oder vier.

Solche Menschen zu entdecken, ist nicht leicht. Es geht vor allem nicht schnell. Das braucht Zeit. Es gibt viele, die haben das zu schnell gespürt und haben sich, ihr Herz und ihre Gefühle dem neuen Freund anvertraut und fanden den Inhalt ihres Gesprächs am nächsten Tag in aller Mund auf dem Schulhof wieder. Wer das erlebt, ist ein gebranntes Kind und bleibt lange Zeit lang reserviert.

Solche Freunde zu entdecken, das braucht Zeit. Wir waren nun ein gutes halbes Jahr in Konfi-9 zusammen. Das ist nicht lang. Aber ich habe auch gespürt, wie ihr miteinander umgeht: Da gibt es Knistern und Reibungen, da funkt es, und manchmal schlägt es Funken. Manchmal habe ich gedacht: Ihr seid eng und nah miteinander. Das ist vielleicht o.k. so, aber es ist auch ein hohes Risiko.

Es gibt keinen anderen Weg, einen Freund, eine Freundin zu finden, einen Menschen für das Leben vielleicht, als dass man mit dem Gespür: Der andere ist genauso wertvoll wie ich, miteinander umgeht. Ihr erinnert euch an den Abend mit Frau Gengenbach:

An das Wort aus dem Hohen Lied der Liebe:

"Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt."

Hohes Lied Salomos 8,4

 

Und das Wort aus dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupery, "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, das du dir vertraut gemacht hast."

Nur Mut! Geht aufeinander zu, aber spielt nicht miteinander, dafür seid ihr zu wertvoll!

 

Denn die Frage: Wie finde ich einen solchen Menschen, hängt eng mit der zweiten Frage zusammen:

 

Wie werde ich zu einem Menschen, der das anderen zusagt?

Komm zur Ruh, ich hör dir zu. Ich kann hier bei dir sein.

Da gilt wahrscheinlich die Antwort, dass man nur geben kann, wenn man etwas empfangen hat. Einer, der anderen zuhören kann, kann nur einer sein, der weiß wie wohltuend ein offenes Ohr und ein offenes Herz ist.

Einer, der verschwiegen ist, wird nur einer sein, der anderen auch schon einmal Geheimnisse anvertraut hat – und es war gut so.

Einer, der hilft, weiß wie es ist, wenn einem geholfen wird und einer der liebt, der weiß wie es ist, wenn man geliebt wird.

Wer ein gebender Mensch werden will, der muss ein empfangender Mensch sein.

Heute werdet ihr gesegnet – einige von euch haben sich das bei der Freizeit schon zusagen lassen:

Wer ein segnender Mensch, ein gutes sprechender Mensch werden will, muss wissen, wie es ist gesegnet zu werden. Wer geben will, der muss empfangen können.

 

Tückisch sind Menschen, die geben, was sie nicht haben. Denn die geben nicht, sondern sie halten fest und klammern und ihr Geben ist ein Griff in die Tasche des anderen. Deswegen ist echt wichtig zu wissen, ob ein Mensch geben oder nehmen will.

Das ist die Spannung der Liebe und die Frage nach Gott kommt auf. Ist er die Quelle der Liebe, die wir uns geben? Oder geben wir uns alles nur gegenseitig? Lebt unsere Zusage von seiner Zusage? Ist er das „Ich“ in dem Song von Zeichen der Zeit: Komm zur Ruh, ich hör dir zu. Ich kann hier bei dir sein.

 

Die letzte Frage:

Wie erlebe ich, dass Gott mir das zusagt?

Komm zur Ruh, ich hör dir zu. Ich kann hier bei dir sein.

 

Ob wir Gott Glauben und Vertrauen schenken, das hat ganz viel mit dem Bild zu tun, das wir über ihn haben. Wenn er für mich der strenge Chefbuchhalter ist, der im Himmel sitzt und mit dem Fernglas alle meine Schritte registriert, dann bin ich mit diesem Bild sicher schon so aufgewachsen. Dieser Zeigefingergott hat schon vielen Generationen die Erziehung erleichtert und den Kindern das Vertrauen genommen.

Heute schwirren in den Kinderherzen andere Bilder herum: Im neuesten Walt-Disney-Kinohit: „Bärenbruder“ ist Gott wie der große beim Unfall verstorbene Bruder, dessen Totem der Adler ist und der auf den kleinen Bruder aufpasst – ihn aber auch zum Bären verzaubert. Was für Vorstellungen indianischen Schamanenglaubens! Klar, das glaubt so kein Mensch! Glauben Sie!

 

Wer ist Gott für mich?

Einer dem ich vertrauen kann?

 

Wir haben in der Konfi-9 Zeit versucht, diesem ganz schillernden Bild von Gott mit mehr Facetten zu geben und es klarer zu zeichnen. Dabei war der Weg immer der, auf Jesus Christus zu sehen. Geschichten von ihm zu lesen, nachzuspielen, zu spüren und erleben: Wie geht er mit den Menschen um? Was sagt er ihnen zu:

Und als du, lieber Sascha, letzte Woche den Jesus gespielt hast, der die Jünger zur Seite stößt, damit sie nicht verhindern, dass die Kinder gesegnet werden, hat etwas davon gespürt, wie Jesus ist!

Er setzt sich manchmal auch gegen uns durch. Er ist nicht nur das liebe Jesulein. Er hat mit unseren Widerständen zu kämpfen!

Wer von Gott eine verlässliche Zusage will, der muss auf Jesus schauen. Er sagt von sich selbst: Wer mich sieht, sieht den Vater.

Das ist entweder ein total überzogener Anspruch oder es ist wahr. Dann lohnt es sich, ihn im ganzen Leben und im Sterben als den zu kennen, auf den Verlass ist.

 

Dieser Jesus sagt euch zu:

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage

bis an der Welt Ende.

 

Den Jüngern gibt Jesus dann auf den Auftrag: Geht hin in alle Welt.

Und das gilt euch auch: Wer sich auf Jesus verlässt, dessen Leben bekommt einen Auftrag. Wer mit ihm lebt, lebt nicht für sich und sein Glück und sein Konto und seine Familie, sondern lebt für ihn.

Wer sich auf seine Zusage verlässt, bekommt auch die klare Ansage: Geht hin. Bleib nicht für dich: Dein Leben ist kein Selbstzweck.

 

Eure Konfi-Spende geht an Kindersoldaten in Sierra Leone. Aber es geht nicht um euer um unser Geld, sondern es geht um unser Leben. Das kommt nicht zum Ziel, wenn wir um uns selbst kreisen, sondern wenn wir losgehen und uns darauf verlassen, dass das nun auch für andere gilt:

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage

bis an der Welt Ende.

Komm zur Ruh, ich hör dir zu
Ich kann hier bei dir sein
Du musst nicht mehr fliehen, nicht weiter ziehen
Hier bist du nicht allein

Amen.

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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