Liebe Gemeinde!
Ernte-Dank-Fest! Das ist ein zusammengesetztes Hauptwort aus drei Einzelteilen. Ernte-Dank-Fest. Und ich möchte heute das Danken heraus nehmen. Inwieweit die Erkenntnisse darüber auch auf die Ernte zutreffen und ob das am Ende Grund für ein richtiges Fest ist, das muss sich weisen!
Wir schauen uns heute zunächst den Dank an und tun das – mit zwei Blickwinkeln. Eine Geschichte und ein Abschnitt aus einem Brief. Und am Ende ist jeweils die Dankbarkeit ganz groß geschrieben.
Die erste Geschichte ist eine Geschichte mitten vom Weg.
Jesus geht mit seinen Jüngern durch das Land. Das hören wir jetzt:
Der dankbare Samariter
11 Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
12 Als er in ein Dorf ging, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in gehörigem Abstand stehen
13 und riefen laut: »Jesus! Herr! Hab Erbarmen mit uns!«
14 Jesus sah sie und befahl ihnen: »Geht zu den Priestern und laßt euch eure Heilung bestätigen!«
Und als sie unterwegs waren, wurden sie tatsächlich gesund.
15 Einer aus der Gruppe kam zurück, als er es merkte. Laut pries er Gott,
16 warf sich vor Jesus nieder, das Gesicht zur Erde, und dankte ihm. Und das war ein Samariter.
17 Jesus sagte: »Sind nicht alle zehn gesund geworden? Wo sind dann die anderen neun?
18 Ist keiner zurückgekommen, um Gott die Ehre zu erweisen, nur dieser Fremde hier?«
19 Dann sagte er zu dem Mann: »Steh auf und geh nach Hause, dein Vertrauen hat dich gerettet.«
Aussätzige waren draußen. Sie mussten draußen sein. Als die ersten Zeichen der Krankheit – Lepra würde man heute sagen – sichtbar waren, versuchte man es noch zu verbergen, doch dann wurde es offenbar: Die Haut beginnt zu faulen. Die Krankheit ist ansteckend. Hinaus aus dem Dorf, hinaus aus der Stadt. In Gettos hocken sie da zusammen. Lauern am Weg und betteln und hoffen, dass ihnen einer, vielleicht doch die Verwandten an einen sicheren Platz etwas zu Essen hinstellen. Das nehmen sie dann verstohlen um nicht zu stehlen, doch dafür danken können sie nicht. Aus Dank einem die Hände schütteln – das geht nicht mehr. Das ist Aussatz. Aussätzige waren draußen.
Auch diese Zehn rufen von fern, als sie Jesus kommen sehen! In gehörigem Abstand bleiben sie stehen. Und sie rufen ihre Klage heraus: »Jesus! Herr! Hab Erbarmen mit uns!« Kyrie Eleison! Hier ist der Ruf zuhause, der in den Kirchen wohl komponiert klingt – hier ganz rau und gebrochen: »Jesus! Herr! Hab Erbarmen mit uns!«
Jesus wäre zuzutrauen, dass er die Distanz verkürzt, dass er selbst den Zehn nahe kommt. Hat er nicht schon Kranke angerührt, was andere aus Reinheitsgründen vermieden hätten? Doch hier ist es anders. Jesus ruft ihnen nur etwas zu und was er ruft ist mit Abstand die größte Herausforderung, vor der diese Männer jemals standen! Was ruft Jesus? »Geht zu den Priestern und laßt euch eure Heilung bestätigen!« Aber in dem Moment, in dem Jesus das ruft, sind die Männer noch gar nicht gesund! Sie müssen wohl losgehen und vertrauen und schauen...
Und als sie unterwegs waren, wurden sie tatsächlich gesund. Was für Vertrauen haben diese Männer gezeigt! Zu den Priestern gehen, in die Stadt, losgehen noch als Kranker. Das ist riskant und doch gehen sie und werden unterwegs, als sie losgehen, gesund.
Ob sie noch bei den Priestern angekommen sind, weiß ich nicht. Vielleicht sind sie, gesund geworden, sofort nach Hause gerannt: Zu ihren Frauen und Kindern und alten Eltern, für die sie doch schon tot waren. Da wurden Feste gefeiert, Flaschen geöffnet, da wurde Freude groß! Wer will das verdenken?
Aber einer kommt.
Einer kommt zu Jesus und bringt ihm Dank!
Jesus fragt, wo die anderen sind, aber er verurteilt nicht.
Dieser eine aber bringt Jesus seinen Dank.
Ich habe mich lange gefragt, was ist denn der Unterschied zwischen den Neun und dem Einen. Alle Zehn waren gesund. Der Eine war Samariter – was nicht bedeutet, dass die Neun alle Juden waren. Die Tatsache, dass der Eine Samariter war macht es nur noch überraschender: Gott zu danken für das Gute, auch für die Heilung wäre eine gute jüdische Tradition, aber um die Tradition geht es nicht.
Es geht nicht um Anstand.
Ich habe diese Geschichte immer so verstanden wie ich als Kind den Dank gelehrt bekam mit den Worten „Wie sagt man?“, wenn man anständig die Scheibe Fleischwurst beim Metzger oder die Gummibärchen an der Supermarktkasse quittieren musste.
Aber darum geht es nicht. Dankbarkeit ist keine moralische Größe!
Dankbarkeit ist eine therapeutisch, eine heilsame Größe. Der Eine kommt zu Jesus und wird nun ganz gesund. An Leib und Seele, auch im Herzen. Und auf seinen Dank bekommt er die Segens-Zusage von Jesus: »Steh auf und geh nach Hause, dein Vertrauen hat dich gerettet.«
Das ist der Unterschied: Der Eine geht anders ins Leben als die Neun. Die haben die Wohltaten Gottes genommen und nicht weiter gefragt. Gott lässt die Sonne aufgehen und lässt es regnen über Gute und Böse!
Aber der Eine kommt zurück, er kommt in Kontakt und findet das ganze Leben.
Wird ganz gesund.
Er wird ganz.
Er wird heil.
Dankbarkeit ist der Grundton heil gewordener Kommunikation mit Gott!
Dankbarkeit ist der Grundton heil gewordener Kommunikation mit Gott!
Der zweite Blickwinkel zur Dankbarkeit ist ein uralter Fundraising-Brief! Ein Spendenbittbrief zugunsten der Urgemeinde in Jerusalem. Paulus schreibt diesen Brief an die Gemeinde in Korinth und in diesem Kapitel spricht er Menschen in Achaja konkret an. Menschen, die ihre Bereitschaft zu geben schon signalisiert hatten und denen Paulus Mut macht, es nun mit fröhlichem und großzügigen Herzen zu tun.
6 Denkt daran: Wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte.
7 Jeder soll so viel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht leid tun, und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber!
8 Er hat die Macht, euch so reich zu beschenken, daß ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt.
9 Dann gilt von euch, was in den Heiligen Schriften steht: »Großzügig gibt er den Bedürftigen; seine Wohltätigkeit wird in Ewigkeit nicht vergessen werden.«
10 Gott, der dem Sämann Saatgut und Brot gibt, wird auch euch Samen geben und ihn wachsen lassen, damit eure Wohltätigkeit eine reiche Ernte bringt.
11 Er wird euch so reich machen, daß ihr jederzeit freigebig sein könnt. Dann werden viele Menschen Gott wegen der Gaben danken, die wir ihnen von euch übergeben.
12 Dieser Liebesdienst soll ja nicht nur die Not der Gemeinde in Jerusalem lindern, sondern darüber hinaus viele Menschen zum Dank gegen Gott bewegen.
13 Wenn ihr euch in dieser Sache bewährt, werden die Brüder und Schwestern in Jerusalem Gott dafür preisen. Sie werden ihm danken, daß ihr so treu zur Guten Nachricht von Christus steht und so selbstverständlich mit ihnen und mit allen teilt.
14 Und weil sie sehen, daß Gott euch in so überreichem Maß seine Gnade erwiesen hat, werden sie für euch beten und sich nach euch sehnen.
15 Laßt uns Gott danken für sein unsagbar großes Geschenk!
Zunächst fällt mir auf, dass Paulus in seiner Sprache bleibt. Er redet – und das für sein Leben gern von Jesus Christus und der Gnade: Charis, die Gottes Geschenk ist. Gott schenkt umsonst, ohne Ansehen der Person, überschäumend und großzügig. Das ist Gnade! Und der Dank, den Menschen dafür geben: Eu-charis-tia, das ist im Kern das gleiche Wort, das ist die Antwort der Menschen auf diese Liebe.
Paulus wechselt den Tagesordnungspunkt zwar. Er sagt klar worum es geht: Es geht um die Sammlung für Jerusalem, doch auch hier redet er vom Geschenk und vom Dank! Von Charis und Eu-charis-tia!
Es ist derselbe Gott, der uns in Jesus Christus Liebe schenkt und Heilung und der uns in den alltäglichen Dingen unseres Lebens versorgt. Auch hier im Alltäglichen erfahren wir seine Liebe und deshalb darf unser Herz großzügig sein. Wir haben einen großen Gott.
Paulus redet klar: Er sagt den Menschen in Achaja und ich glaube, das gilt uns genauso:
Gott hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur
jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes
tun könnt.
Darin steckt das Wort autark. Wir sollen soviel haben, dass wir auf eigenen Beinen stehen und dann noch mehr um anderen zu geben. Das Programm heißt Autarkie Plus! Wie sehe ich das bei mir? Wie viel habe ich für mich und meine Familie und wie viel kann ich geben? Paulus appelliert dabei nicht an das schlechte Gewissen. Er will zeigen, dass Gott fröhliche Geber lieb hat. Menschen die ihm vertrauen und deshalb die Sicherheitsreserven geringer anlegen als andere vielleicht für vernünftig halten. Diese Unvernunft ist nur begründet in dem Satz: Gott kann!
Vor allem kann Gott aus der Saat die Ernte machen. Und das Saatgut kann nur dann viel Ernte bringen, wenn es reichlich gesät wurde. Das ist das Prinzip des Lebens. Wer viel einsetzt, kann viel ernten
All das finde ich wichtig und interessant bei Paulus und wir müssten noch offener darüber reden lernen, denn dann bringt Paulus noch Argument ins Spiel, das ich heute entscheidend finde:
12 Dieser Liebesdienst soll ja nicht nur die Not der Gemeinde in Jerusalem lindern, sondern darüber hinaus viele Menschen zum Dank gegen Gott bewegen.
13 Wenn ihr euch in dieser Sache bewährt, werden die Brüder und Schwestern in Jerusalem Gott dafür preisen. Sie werden ihm danken, daß ihr so treu zur Guten Nachricht von Christus steht und so selbstverständlich mit ihnen und mit allen teilt.
14 Und weil sie sehen, daß Gott euch in so überreichem Maß seine Gnade erwiesen hat, werden sie für euch beten und sich nach euch sehnen.
Meine gute Gabe hat eine Wirkung. Andere Menschen werden dafür dankbar. Ich kann das bestätigen. Wir haben vor vier Wochen einen Spendenbrief an die Menschen in unserem Dorf geschrieben und die Reaktion macht uns sehr dankbar! Ob es 10, 50 oder 1000 Euro sind. Da haben Menschen an einen gedacht, mit der Gabe Gutes gewünscht, den Rücken gestärkt. Das ist viel mehr als nur Geld. Die Zuwendung macht dankbar und das löst eine Wechselwirkung aus. So wie beim dankbaren Samariter, der Jesus dankt und Jesus segnet ihn mit seiner Zuwendung neu.
Paulus sagt: Die Menschen werden Gott und euch danken. Sie werden für euch beten und sich danach sehnen, euch kennen zu lernen. Auch unter den Menschen gilt:
Dankbarkeit ist der Grundton
heil gewordener Kommunikation!
Meine Gaben machen Menschen dankbar. Und die danken und beten auch für mich. Ein Netzwerk der Dankbarkeit – Kommunikation! Dankbarkeit ist Kontakt!
Dankbarkeit ist der Grundton heil gewordener Kommunikation mit Gott und
unter den Menschen!
Wo diese Menschen zusammen kommen, da feiern sie! Da wissen sie: Sie sind einander ein Geschenk! Unabhängig vom Geld, das geflossen ist: wie viel und in welche Richtung auch immer. Da erleben sich Menschen als Kinder Gottes und nehmen die Gaben, auch der Ernte dankbar und eben nicht gedankenlos an und auf. Und das ist dann ein Ernte-Dank-Fest!
Amen.
| © Evangelische Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
Zur Homepage Kommentare erwünscht ! |