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BEFÄHIGEN  -  19. Februar 2006

Predigt vom 19.2.2006 über Lukas 19,11-27 (Kurs 06)

Lars Linder, Essen

Liebe Gemeinde

Die vergangene Woche hieß Ihr Thema ‚Beziehungen pflegen’. Kerngedanke  war, dass völlig verschiedene Menschen, völlig verschiedene Lebensschicksale durch Jesus in Beziehung gesetzt werden. Sie haben entdeckt:  beim Umgang mit anderen Christen geht es darum zu lernen: nicht richten, nicht verdammen, stattdessen vergeben und geben, den Splitter eines anderen entfernen nur dann, wenn wir den Balken in unserem eigenen Auge sehen.

Das bedeutet also so miteinander umzugehen, dass Leute spüren: hier leben Menschen gemeinsam von dem Gott, auf dessen vergebende Barmherzigkeit sie angewiesen sind.

 

Heute nun startet die nächste Woche im Kurs 06 zu dem Stichwort ‚Befähigen’. Wir hören dazu Gottes Wort aus dem Lukas-Evangelium, Verse, die Sie im Laufe der nächsten Tage beschäftigt werden: Lukas 19 ab Vs 11

 

11 Als Jesu Jünger und das Volk nun zuhörten, sagte Jesus ein weiteres Gleichnis; denn er war nahe bei Jerusalem, und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden.

12 Und er sprach: Ein Fürst zog in ein fernes Land, um ein Königtum zu erlangen und dann zurückzukommen.

13 Der ließ zehn seiner Knechte rufen und gab ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!

14 Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.

15 Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem er das Königtum erlangt hatte, da ließ er die Knechte rufen, denen er das Geld gegeben hatte, um zu erfahren, was ein jeder erhandelt hätte.

16 Da trat der erste herzu und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund eingebracht.

17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger Knecht; weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte.

18 Der zweite kam auch und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund erbracht.

19 Zu dem sprach er auch: Und du sollst über fünf Städte sein.

20 Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich in einem Tuch verwahrt habe;

21 denn ich fürchtete mich vor dir, weil du ein harter Mann bist; du nimmst, was du nicht angelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.

22 Er sprach zu ihm: Mit deinen eigenen Worten richte ich dich, du böser Knecht. Wußtest du, daß ich ein harter Mann bin, nehme, was ich nicht angelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe:

23 warum hast du dann mein Geld nicht zur Bank gebracht? Und wenn ich zurückgekommen wäre, hätte ich's mit Zinsen eingefordert.

24 Und er sprach zu denen, die dabeistanden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt's dem, der zehn Pfund hat.

25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn Pfund.

26 Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.

 

 

‚Jetzt geht’s looos! Jetzt geht’s looos!’ skandieren die Fans im Stadion, nachdem der erste Treffer nach vielen Anläufen gefallen ist: Jetzt geht’s los! Und man könnte denken, dass auch die Jünger Jesu und die Leute da in Jericho so gesungen hätten, wenn’s das damals schon gegeben hätte.

Sie haben erlebt, dass Jesus den blinden Bartimäus geheilt hat, sie haben erlebt, dass Jesus dafür gesorgt hat, dass dieser Obergauner Zachäus sein Leben ändert, und sie haben anderes mehr entdeckt bei Jesus. Und jetzt, kurz vor Jerusalem, so denken die Leute, steht doch der Herrschaftsantritt des Messias unmittelbar bevor. Der Retter, der von Gott gesandt ist, der wird jetzt nach Jerusalem gehen, die Römer verjagen, das Land befrieden und Gottes Herrschaft aufrichten: Jetzt geht’s los!

 

‚Moment’, sagt Jesus, ‚ich glaube, ihr habt da etwas falsch verstanden. Ihr seid schon ein bisschen weiter, so weit ist es noch gar nicht’. Und damit die Jünger das begreifen, damit das  Volk das begreift, und um diese falsche Erwartungshaltung rauszunehmen, erzählt Jesus ein Gleichnis: die soeben gehörte Beispielgeschichte. Diese Geschichte zeigt, wer Jesus ist, was die Stunde geschlagen hat und was seine Leute in dieser Zeit tun sollen.

 

So beginnt Jesus: „Ein Fürst zog in ein fernes Land, um ein Königtum zu erlangen und dann wieder zurückzukommen.“ Ein Vorgang, den die Zuhörer aus ihrem Alltag kannten. Als König Herodes der Große gestorben war, musste sein Sohn nach Rom ziehen, um dort die Erlaubnis zu bekommen, als König den Thron seines Vaters in Israel zu übernehmen. Das kannten die Leute also, dass jemand weggeht, sich woanders die Herrschaft holt und wiederkommt.

Neu ist, dass Jesus dieses Bild ganz bewusst auf sich bezieht, indem er damit sagt: ‚Ich bin noch nicht sichtbar der König. Erst geht’s nach Jerusalem, dann muss ich am Kreuz sterben, dann werde ich auferstehen, dann kommt die Himmelfahrt zu meinem Vater. Das alles ist noch ein ziemlich langer Weg. Und erst, wenn ich eines Tages sichtbar wiederkomme als der Herr, dann bin ich wirklich sichtbar für alle der König und der Herr der Welt. Von daher, liebe Leute, nun mal langsam! Los geht es noch nicht, zumindest nicht in dem Sinne, den ihr meint.’

 

Andererseits geht’s schon los. Aber anders als die Leute sich das gedacht haben. Denn wenn Jesus geht, wenn Himmelfahrt ist, und wenn Jesus wiederkommt, dann ist diese Zeit dazwischen kein Stillstand, ist keine endlose Warteschleife.

Denn dieser zukünftige König ruft seine Diener zusammen und gibt jedem ein Pfund mit der Aufforderung: Handelt damit, bis ich wiederkomme. Das heißt, Jesus geht aus dieser sichtbaren Welt in die unsichtbare Welt, aber seine Leute bleiben, und nun geht’s los:

 

Jesus gibt ihnen Anteil an seinem Vermögen, damit sei mit diesem Pfund wuchern sollen. Jesus vertraut seinen Leuten, er vertraut uns. Wir denken ja anders: Christen vertrauen auf Jesus. Ist ja auch richtig. Hier nun genau anders: In dieser Zeit , in der Jesus nicht sichtbar da ist, vertraut er seinen Leuten, vertraut er uns. Er glaubt, er vertraut, dass wir in dieser Zwischenzeit mit dem, was er uns gibt etwas Sinnvolles machen.

 

Was vertraut Jesus uns an? Was ist mit diesem Pfund hier in dem Gleichnis gemeint? Das ist eine Frage, über die es sich lohnt nachzudenken in den nächsten Tagen. Was ist das Pfund, mit dem Sie wuchern sollten?

Einen Hinweis gebe ich Ihnen: Ich habe eben bei der Vorstellung im Interview schon gesagt, dass jeder im Grunde genommen mindestens eine Perle in sich trägt. Jeder ist von Gott beschenkt worden, was er auspacken kann: Vielleicht können Sie gut zuhören…Vielleicht haben sie ein geschicktes Händchen zum dekorieren… vielleicht sehen sie die Menschen, die sonst keiner sieht und geben ihnen Beachtung usw.

Das heißt, Jesus vertraut uns aus seinem großen Vermögen ganz viel an mit der Aufforderung: Handelt damit, bis ich wiederkomme.

Christen sind also nicht Menschen, die hier däumchendrehend warten, dass irgendwann der Himmel anbricht; sondern während dieser Zeit, wo Jesus nicht sichtbar da ist, da sollen wir das Leben sinnvoll gestalten.

 

Was heißt sinnvoll? Sinnvoll heißt, dafür zu sorgen, dass das Leben im Sinne Gottes gemehrt wird: dass Menschen zum Glauben kommen können, dass Menschen Liebe erfahren, dass sie Trost erleben, dass sie Hoffnung bekommen, dass Menschen Beachtung finden, dass Menschen gewürdigt werden, ihnen Ehre entgegenkommt.

 

‚Handelt damit, bis ich wiederkomme’. Es ist also ganz wichtig, dass wir das hier hören. Da ist keine Rede davon, dass Jesus oder dieser Fürst sagt: ‚Also mindestens zehn Prozent müssen mehr rauskommen als vorher’ oder ‚Soundsoviel muss auf jeden Fall dazu gewonnen werden’ oder, oder, oder. Hier wird keine Messlatte gesetzt, kein Erfolgsdruck ausgeübt, sondern nur deutlich aufgefordert: ihr seid reich beschenkt, ich vertraue euch und handelt nun mit dem, was ich euch anvertraut habe!

Dies geschieht auf dem Hintergrund, dass die Zeit, wo Jesus nicht sichtbar da ist, eine sehr umkämpfte Zeit ist. Im Gleichnis heißt es: die Bürger dieses zukünftigen Königs wollten ihn gar nicht haben als König. Spontan kann man direkt daran denken, dass die Zeitgenossen Jesu ein paar Tage später rufen werden: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ 

Wenn wir länger nachdenken, dann sehen wir, diese Situation beschreibt die Lage der Christen zu allen Zeiten. Die Mehrheit der Menschen will den lebendigen Gott nicht als König und Herrn. Die Mehrheit der Menschen will nicht, dass Jesus Herr ist und herrscht. Christen sind bis heute in der Minderheit. Die Mehrheit, die doch auch Gottes Menschen sind, sie wollen ihn nicht, und in diesem Umfeld diesem König zu dienen ist nicht leicht. Jesus wirklich Glauben zu schenken, wo andere sagen: ‚Ach, du mit deinem Jesus! Es gibt doch noch so viele andere, warum nimmst du das so genau?’ Dann bei Jesus zu bleiben ist nicht einfach, ist mühsam, aber, so will uns Jesus mit dem Gleichnis sagen, es lohnt sich.

Jesus ermutigt mit diesem Gleichnis seine Leute, er ermutigt uns, durchzuhalten. ‚Ich werde wirklich wiederkommen und zwar als König, und ihr werdet dann erfahren, dass eure Treue, auch wenn sie vielleicht mit Leid verbunden war, nicht umsonst war.’

 

Als dieser neue König wiederkommt, so in dem Gleichnis, will er von seinen Dienern wissen, was ein jeder mit dem gemacht hat, was er ihm anvertraut hat. Und der erste Knecht sagt: „Herr, dein Pfund hat zehn Pfund eingebracht.“

Hier müssen wir einen Augenblick stehen bleiben und genau hingucken, wie das zu übersetzen ist für uns. Soll das wirklich heißen, dass am Ende der Zeiten Jesus wiederkommt und dann jeder Christ vor ihm erscheint, sich selbst auf die Schulter klopft und sagt: „Guck mal, Herr, so viel hab ich geschafft!“?

Reden Sie darüber die nächsten Tage. Ist das wirklich so, dass wir am Ende der Zeiten vor Gott stehen und uns selbst auf die Schulter klopfen?

Eine Spur will ich Ihnen nennen, der Sie hierbei nachgehen können:

Wenn wir andere Texte aus dem Neuen Testament hinzunehmen, dann sehen wir, dass dort ganz anderes geschildert wird: In Matth.25 (auch da ein Gleichnis von Jesus) sind die Leute nämlich ganz überrascht, was sie alles getan haben: ‚Herr, wir wissen gar nicht, wann haben wir das und das gemacht? Wann haben wir da jemanden, der hungrig war, gespeist? Wann haben wir jemanden besucht? Wann haben wir da geholfen? Wir wissen das gar nicht.’

 

Das heißt, wir wissen oft nicht, was durch das, was uns Gott anvertraut hat, Gutes geschehen ist. Vor drei oder vier Jahren war ich noch einmal in Halver im Sauerland, in meiner alten Gemeinde, um da an einer Hochzeit mitzuwirken. Und in diesem Traugottesdienst saß eine junge Frau, 17 oder 18 Jahre, die mit dem Brautpaar überhaupt nichts zu tun hatte, und ich wunderte mich schon, warum sie überhaupt da war. Nach dem Gottesdienst kommt sie zu mir und sagt: „Ich bin heute extra gekommen wegen Ihnen. Ich war doch damals bei Ihnen im biblischen Unterricht, und ich wollte Ihnen sagen: Ich lebe nun mit Jesus und ich bin Mitarbeiterin in der Jugendarbeit. Das hat alles damals bei Ihnen begonnen.“ Und da war ich völlig gebügelt, weil ich gerade in Halver immer gedacht habe: ‚Biblischer Unterricht, o Graus! Ich mach’ da nur Mist, da kommt überhaupt nichts bei raus!’ Und dann sagt so jemand diesen Satz zu mir.

 

Ich habe es nicht gewusst. Und ich glaube, dass es bei vielen von Ihnen auch so ist, dass Sie Spuren hinterlassen bei Menschen, bei Nachbarn, bei Kollegen, bei Verwandten, und Sie wissen es nicht. Wir wissen vieles nicht von dem, was Gott durch uns bewirkt. Von daher kann es nicht darum gehen, dass wir, wenn Jesus wiederkommt, so einen Katalog haben, in dem wir alles notiert haben, was durch uns geschehen ist. Wir wissen von vielem nicht.

 

Worum es hier geht, ist die Art und Weise wie der Knecht das sagt, sowohl der erste als auch der zweite Knecht. Die sagen nämlich beide: „Herr, dein Pfund hat zehn Pfund eingebracht“ oder „Dein Pfund hat fünf Pfund eingebracht.“ Sie sagen nicht: „Ich habe zehn Pfund erwirtschaftet“, sondern sie sagen „Dein Pfund hat zehn Pfund, hat fünf Pfund erwirtschaftet. Das, was du mir gegeben hast, hat dafür gesorgt, dass etwas Gutes gewachsen ist.“

 

Das erinnert an das, was Jesus selber sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15) Darum geht es hier. Dieser Knecht bringt nichts aus seinem Vermögen, sondern das Vermögen Jesu schafft das: ‚Das, was du mir anvertraut hast, hat Frucht getragen, das ist daraus gewachsen.’ Und das macht uns unglaublich Mut. Nicht wir müssen verzweifelt kämpfen, aus unserem Vermögen heraus irgendetwas heranzuschaffen, etwas zu bringen, sondern das, was Jesus in mein Leben hineingelegt hat, das kann und darf wachsen und zu Geltung kommen.

Wie kann das konkret werden? Denken Sie doch mal darüber nach in der nächsten Wochen bzw. reden Sie miteinander darüber.

Ein Tip könnte sein, dass wir uns ein kleines Gebet angewöhnen, das wir Tag für Tag beten:

„Herr, ich vertraue mich dir an mit dem, was du in mein Leben hineingelegt hast. Mach etwas Gutes draus, dir zur Ehre, anderen zum Heil und mir zur Freude.“

So beten und dann leben, und es wächst etwas. Es kann sein, dass ich dann entdecke: Da kann ich mich mit meiner Zeit investieren, oder da kann ich meine Begabungen einbringen, innerhalb wie außerhalb der Gemeinde.

 

Der erste und auch der zweite Knecht, die werden daraufhin gelobt: „Du bist im Geringsten treu gewesen.“ Gering deshalb, weil die Summe, die mit diesem Pfund verbunden war keine Wahnsinns-Geldsumme darstellte, war nicht herausragend, aber, und das sagt der König hier: ‚Du warst treu. Du bist verantwortungsbewusst damit umgegangen, vertrauensvoll.’

Der erste und auch der zweite Knecht haben darauf vertraut, dass der König ihr Handeln zu würdigen weiß. Jesus wird dein und mein Handeln zu würdigen wissen. Jesus weiß unser Handeln zu würdigen, er rechnet eben nicht gnadenlos ab, sondern beschenkt gnadenvoll. Der eine Knecht wird zum Verwalter über zehn Städte gemacht, der andere über fünf.

Das heißt, Jesus zeigt hier, am Ende, wenn er wiederkommt, ist nicht die große Langeweile angesagt oder Nichtstun, sondern seine Kinder bekommen Anteil an Gottes Herrschaft, dürfen mitwirken, dürfen sozusagen im Himmel Verantwortung übernehmen. So der erste und auch der zweite Knecht.

 

Beim Zweiten fällt noch etwas auf: der hat ja, so würden wir vielleicht sagen ‚nur’ fünf Pfund mitgebracht. Aber auch da nur Lob und Anerkennung. Kein Vorwurf: ‚Hey, nur fünf! Warum nicht auch zehn?’ oder ‚Ist aber ein bisschen wenig, hätten ja mindestens acht werden können!’ Nein, jeder so wie er sich entwickelt hat, wie es gewachsen ist, wie er kann. Keine Mindestleistung. Hauptsache das, was Jesus uns anvertraut, setzen wir ein, fürs Leben, für das Reich Gottes.

 

Anders nun der dritte Knecht. Der ist ein Extra-Nachdenken, ein extra Gespräch wert im Laufe der nächsten Woche. Was ist mit diesem dritten Knecht? Der hat nichts gehandelt, sondern das Geld in so ein Tuch eingewickelt und mit sich herumgeschleppt und mehr nicht. Warum? Gehen Sie dem einmal nach.

Soviel von mir:

Er sagt selber, aus Angst: „Ich hatte Angst vor dir“.  Ist das ernst gemeint, oder wie manche vermuten nur Faulheit und Ausrede? Was ist mit diesem dritten Knecht?

Sein Problem ist- und auf diese Spur will ich Sie einmal setzen – sein Problem ist, dass das Bild, das er von diesem Fürsten hat, nicht stimmt. Er hat nämlich kein Vertrauen zu diesem König. Das heißt, mit diesem dritten Knecht fragt Jesus uns nach unserem Gottesbild oder anders ausgedrückt, er fragt nach dem Vertrauen zu Jesus:

Wer ist Jesus eigentlich für uns? Oder wie ist eigentlich Jesus, wie ist er?

Wer ist Jesus für Sie? Wie ist Jesus? Was denken Sie? Welches Bild lebt in Ihnen?

 

Der dritte Knecht sagt: „Du bist ein harter Mann. Du nimmst, was du nicht angelegt hast, und du erntest, was du nicht gesät hast.“ Im Gleichnis stimmt das ja schon nicht, denn das Pfund, mit dem der Knecht wuchern sollte, war ja nicht sein eigenes. Er sollte also mit dem arbeiten, was er von dem Fürsten bekommen hatte. Es war ja gerade dessen Geld, das in sein Leben hineingelegt wurde.

Ohne Bild, ohne Gleichnis:

Jesus stellt keinen an irgendeine Aufgabe, ohne ihn vorher entsprechend begabt zu haben. Oder anders gesagt: Gott gibt, bevor er eine kleine Antwort zurückfordert. Kann man von daher sagen: Jesus fordert von uns etwas, was er vorher uns nicht anvertraut hat? Erntet er, obwohl er vorher nichts gesät hat?

 

Als Jesus dieses Gleichnis erzählt, steht er kurz vor seiner Gefangennahme und vor seinem Tod. Er gibt also sein Leben hin, damit wir Leben haben oder, um mit Paulus zu sprechen: „Gott, der seinen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8)

Das bedeutet also, dass Jesus sein Leben anlegt für uns und nicht weniger!

Er legt sein Leben an für uns. Jesus sagt es selber später so in Joh. 12: „Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und nicht stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Jesus erntet, weil er sich selber investiert hat. Jesus sät durch seinen Tod, damit Frucht entsteht.

Somit hat dieser dritte Knecht ein völlig falsches Bild davon, wie dieser lebendige Gott ist, der sich in Jesus vorstellt, ein völlig verdrehtes Bild.

Es ist ja ganz im Gegenteil so, dass Jesus zeigt: ich setze alles ein, damit bei euch etwas wachsen kann. Ich setze mich ein, mein Leben, damit bei euch etwas wachsen kann. Und dementsprechend, wenn ich wiederkomme, habe ich auch das Recht zu fragen: ‚Was ist denn daraus geworden, dass ich mein Leben in den Tod gegeben hab?’

 

Wenn wir also heute Abend dieses Gleichnis hören auf dem Hintergrund des Stichwortes ‚Befähigen’, dann lasst uns sehen.

  1. Jesus vertraut uns. Er vertraut uns, ohne Hintergedanken. Und er legt viel in Ihr und mein Leben hinein, für diese Zeit zwischen seiner Himmelfahrt und seiner Wiederkunft.
  2. Er macht uns Mut, fordert uns auf, handelt damit!
  3. Und Jesus wird das würdigen, wenn er wiederkommt. Er wird es zu schätzen wissen, wenn wir auch das Wenige, das wir haben, eingesetzt haben und etwas daraus gewachsen ist. Er wird es würdigen und uns Verantwortung übertragen in seiner neuen Welt.
  4. Und angesichts des dritten Knechtes gilt, dass wir Jesus immer besser kennen lernen. Er ist nicht dieser Mann, der etwas fordert ohne zu geben. Jesus ist vertrauenswürdig, er hat nämlich alles für uns gegeben, damit wir als Dank sozusagen ein bisschen davon zurückgeben. Er gibt sein ganzes Leben, damit wir Leben haben. Und darum ist es nur recht und billig, wenn er uns bittet: ‚Handelt doch damit, bis ich wiederkomme.’

 

 

Handeln wir damit, bis er wiederkommt! Amen.

 

 

Gebet nach der Stille:

 

Barmherziger Vater, ich danke Dir

für die Fähigkeiten, die Du mir

mitgegeben hast. Begleite mich dabei,

den richtigen Gebrauch von ihnen zu machen,

nicht nur allein für mich,

sondern auch zum Wohle der anderen.

Nur in der Gemeinschaft kann ich

meine Gaben voll entfalten.

Ich möchte meinen Teil beitragen,

brauche aber den Mut,

meine Talente nicht zu vergraben,

sondern zu investieren: In das Leben.

Dazu bitte ich um Deinen Segen.

 

Amen.

 

 

P.S. Herzlicher Dank an meinen Freund Lars Linder, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Essen-Mitte für diese Predigt


© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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