Gottesdienst mit Taufen

Am 24. September 2006

Zu Matthäus 6,25-34

Sorgenvoll - sorglos - sorgfältig

Liebe Gemeinde, liebe Taufeltern,

eine Predigt für Sie, für uns alle!

 

Welches Sprichwort fällt Ihnen ein, wenn Sie an Kinder und an Sorgen denken – zwei Aspekte, die heute unweigerlich zusammengehören:

Richtig:

„Kleine Kinder kleine Sorgen -

Große Kinder, große Sorgen.“

 

Ach ja, heute schon mal geseufzt.

Ach ja.

 

Dass man sich um Kinder Sorgen macht, ist nur zu verständlich, man sorgt ja auch für sie, man sorgt sich auch um sie. Einige besorgen ihren Kindern alles, was sie brauchen, denn die sollen sich keine Sorgen machen.

Aber hören Sie das?

Das ist nicht ein- und dasselbe:

Sich für sorgen

Sich um Sorgen,

sich Sorgen machen, damit sich ein anderer – das Kind – keine Sorgen machen soll.

 

Darüber machen wir uns nun keine Sorgen, aber Gedanken!

Es gibt, wenn man über Sorgen nachdenkt, drei grobe Positionen, die man einnehmen kann – und das will ich nun tun!

 

1. Sorgenvoll

Können Sie einfach mal spaßeshalber eine sorgenvolle Miene machen? Oder eine Geste, die ausdrückt, wie es einem geht, der sorgenvoll ist.

Sie wissen, was die Kunst von Schachspielern ist? Sie grübeln darüber nach, was passieren kann – wenn ich das mache, welche Möglichkeiten hat der Gegner, was ist dann wenn der anders reagiert, als ich gedacht habe, dann kann ich dies und das tun?

Menschen, die sorgenvoll sind, tun das ständig. Sie grübeln, was passieren kann, und was man dann noch tun kann, wenn dies und das und jenes doch passiert, auch das unwahrscheinlichste. Das kann noch 8 Spielzüge entfernt sein, so weit wie die Pubertät von der letzten Windel, aber – was wird nur werden.

So wie Schachspieler! Schach ist Sport, Denksport und Leistungssport und kostet viel geistige Energie und Kraft. Ebenso viel Kraft und Energie kostet es, sorgenvoll zu sein. Das grübeln über das, was geschehen kann, bindet meine Kraft und Energie, bindet meine Konzentration weg vom Heute auf den morgigen und übermorgigen Tag – weg vom Menschen der vor mir steht, zum Menschen, der mir heute Nachmittag begegnen wird. Sorgenvolle Menschen schauen einen meistens nicht an, sondern an einem vorbei oder merkwürdig durch einen durch.

Sorgenvolle Menschen sind in Gedanken meistens woanders und deshalb passieren ihnen im heute und jetzt Flüchtigkeitsfehler und eben diese Erfahrung – mir muss das immer passieren!  bestätigt sie in der Gewissheit, dass viel in die Hose und daneben gehen kann und sie werden umso sorgenvoller in den nächsten Tag gehen.

Sorgenvoll zu sein ist ein Teufelskreis der Ängste und Sorgen, die meine Konzentration und Ruhe raubt. Meine Möglichkeit der Begegnung und der Liebe raubt.

Es ist schwer, sorgenvoll zu sein.

 

Zweiter Standpunkt in dieser Frage:

Sorglos

Wie wunderbar wäre es doch da, sorglos zu sein! Sorglosigkeit – ist es nicht das, was Jesus meinte, als er sagte: Sorgt euch um nichts!

Ich sage es unumwunden – nicht nur nach den aktuellen Eindrücken der Unglücke in Bayern und im Emsland: Sorglosigkeit ist nichts als ein Zustand der Dummheit und dreister Selbstüberschätzung.

Liebe Seele, sei unbesorgt, ich habe ausgesorgt, das sagte der reiche Kornbauer zu sich selbst am letzten Abend seines Lebens. Scheunen voll und Herzen leer – ausgesorgt?

Sorglosigkeit ist der Zustand der Dummheit und dumm redet die Sorglosigkeit auf andere ein: Don’t worry, be happy – mach dir doch keine Sorgen, sei ganz unbesorgt.

Das Gehirn kann so einen negativen Befehl gar nicht verarbeiten – der sorgenvolle Mensch hat die Sorgen ja, er kann nicht einfach aufhören, sie sich zu machen. Das Gehirn kann negative Befehle nicht verarbeiten, sonst könnte man wirklich nicht an rosa Elefanten denken, aber gerade denken Sie daran.

Wir denken in Bildern und Vorstellungen von dem, was geschehen kann. Wir „malen“ uns aus, was passieren kann und die Sorglosigkeit ist offensichtlich nur eine weiße Leinwand, während der Sorgenvolle in düsteren Farben sich schon längst alles ausgemalt hat.

Sorglosigkeit ist nicht das Ziel der Dinge!

 

Der dritte Weg:

Sorgfältig!

Man kann kaum etwas mehr genießen, als bei einem Gastgeber eingeladen zu sein, der oder die alles sorgfältig vorbereitet hat – und dabei einige Lücken gelassen hat für all das, was man nicht planen kann. Ein Gastgeber, der Zeit für Gäste hat und nicht nur Angst um den Braten und dass eine Flasche leer auf dem Tisch steht. Einer, der weiß, worauf es ankommt: Sorgfältig das Nötige tun und sich von dem, was kommt, überraschen lassen.

Man kann kaum etwas mehr genießen, als mit einem Reisebegleiter unterwegs zu sein, der sich sorgfältig auf eine Reise vorbereitet hat und dann noch Zeit hat für die Gespräche mit den Gästen, der weiß, was man tun kann, wenn der Bus Verspätung hat und nicht verzweifelt, wenn etwas anders kommt.

 

Um was es geht?

Um eine Gelassenheit des Glaubens, die mich sorgfältig das Nötige gut tun lässt und die offen bleibt für Geschenke! Die Zeit hat für Gäste, die immer in Erwartung ist für die Zufälle Gottes.

Zufälle Gottes?

Gibt es das?

Ist das nicht ein Widerspruch? Entweder – so sagen viele, lenkt Gott jeden Schritt, was mich zu einem sorgenvollen Leben veranlassen könnte, hoffentlich nichts falsch zu machen, nicht aus der Spur zu geraten.

Oder alles ist Zufall, dann ist alles egal, das treibt mich in die Sorglosigkeit, der völlig umbekümmert alles egal ist, was ich – sagte ich schon – für ziemlich dumm halte.

 

Ich wünsche mir, ich wünsche uns eine Gelassenheit des Glaubens, dass es Zufälle Gottes gibt.

Nicht Gottes festen Plan, der steif und unflexibel ist.

Nicht die planlose Welt der Zufälle, die nur den stärksten überleben lässt.

Sondern Zufälle Gottes.

 

Jesus hat gesagt:

Es wird euch alles zufallen!

 

Matth 6,33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

 

Zufälle Gottes – das Leben, das zu leben sich lohnt wird uns von Gott her zufallen. Und dieses Leben aus Ehre zu Gott und aus Liebe zu den Mitmenschen sorgfältig leben, darauf kommt es an!

 

Perlen des Glaubens

Ich habe hier was! Das liegt ist im Moment, so habe ich mir sagen lassen, in vielen Kirchen Schwedens zu finden. Es sind, die Perlen des Glaubens / ein evangelischer Bischof aus Schweden hat das zusammengestellt: Zum Anschauen und als Hilfe zum Beten > was sind die Perlen unseres Glaubens, was lohnt sich in einer Hand zählen zu können?

Da gibt es die Perle, die Gottes Wesen und Glanz symbolisiert.

Eine kleine, feine Perle, das bin ICH, ganz nah an Gottes Licht.

Da gibt es die Perle der Wüste und die Perle der Nacht.

Perlen der Geheimnisse und der Liebe.

Perlen der Stille und der Ruhe bei Gott.

Da gibt es eine weiße Perle der Taufe.

Und es gibt, das ist die blaue Perle hier.

Die Perle der Gelassenheit!

 

Und das Gebet dazu heißt:

Gott, du weißt, was ich brauche.

Bewahre mich vor unnötiger Sorge.

Schenke mir Gelassenheit.

 

Sprechen wir das miteinander?

Amen.

 

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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