Hier geht es den anderen Predigten der Expedition zum ICH in Traisa

 

Expedition zum ICH: Wer bin ich wirklich? 

Liebe Freunde,

ich habe fürs Erste einen Wunsch. Ich wünsche mir, dass viele Menschen in den nächsten Wochen mit offenem Mund herum laufen – mit offenem Mund durch die Welt gehen. Und immer, wenn sie jemand mit offenem Mund sehen, dann können Sie ihn fragen – falls Ihr Mund nicht gerade auch offen steht – warum das so ist:

Weil wir aus dem Staunen nicht rauskommen. Staunen darüber, dass Gott das Geheimnis unseres Lebens ist. Wir können seine Gegenwart nicht beweisen – das werden wir auch in der Expedition zum ICH nicht können – ist auch nicht unser Ziel. 

Aber wenn wir immer Anhaltspunkte finden, dann wird das Staunen groß:

Ich darf Sie gleich am Anfang mit einem Menschen staunen lassen, der das getan hat. Da staunt ein Mensch über Gott:

 

Aus Psalm 104

14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde hervorbringst,

15 daß der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

27 Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

30 Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.

31 Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke!

 

Herrlich? Es gibt einen Glanz über dieser Erde. Und es gibt ein Elend. Es gibt Dinge, die sind so ausnehmend schön, dass es kitschig ist, sie zu beschreiben: Aber wer mit Freunden auf dem Gipfel eines Alpenberges steht – selbst hochgelaufen – wer im Kreißsaal die Nabelschnur eines Kindes durchtrennt – wer dabei ist, wenn ein Mensch in Frieden sterben kann, der kann staunen.

 

Gott steht nicht nur vor dem Leben.

Gott wohnt im Leben.

Und ist auch da, wenn es zu Ende geht.

 

Gott ist nicht erst dann da, wenn ich natürlicherweise nicht erklären kann, wie es passiert ist.

Gott ist auch in der Natur, in der Schöpfung da.

 

Natur – Schöpfung?

Wie würden Sie das nennen?

 

Evolution oder Gott?

Reden wir vom Zufall oder von schöpferischem Willen?

 

Ändert sich dadurch etwas, wenn wir auf dem Gipfel des Berges stehen? Ändert sich dadurch etwas – wenn man ein Neugeborenes im Arm hält? Ändert sich dadurch etwas, wenn man die Hand eines Menschen hält, der im Frieden sterben kann?

 

Ich sage Ihnen was: Wenn Sie Anhänger der Evolutionslehre sind, dann müssen Sie über den Zufall vielleicht genau staunen wie über einen Gott, der sich alles ausgedacht hat.

 

Denn der Zufall hat es dann schon gut gemeint mit uns:

 

Erinnern Sie sich an die Senderregler bei alten Radios. (Bild 1) Stellen Sie sich vor, dass sich die Anzeige über das ganze Universum erstreckt. Und dieses Messband wäre unterteilt in Milliarden und Abermilliarden von Zentimetern. In diesem Augenblick steht der Regler für die Schwerkraft auf einem bestimmten Zentimeter. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass nur exakt an diesem Zentimeter Leben möglich ist. Wäre die Schwerkraft nur um ein Zentimeter versetzt – wie gesagt, bei einer Skala, die über das ganze Universum geht, würden wir Menschen und alle Tiere sofort zerdrückt. Insekten würden überleben, aber nur, wenn sie richtig dicke Beine hätten, sonst würden sie flach auf dem Boden zusammen gestaut. Und das alles nur, weil man den Regler der Schwerkraft um einen Zentimeter verschiebt, ein Zentimeter im Vergleich zur Größe des gesamten Universums! Und das ist nur eine, von etwa 30 Konstanten, die Leben überhaupt erst ermöglichen.

 

Nun, man kann es ohne weiteres dem Zufall zuschreiben, dass die Schwerkraft – und die etwa 30 anderen Konstanten – genau diese Größe haben, die Leben ermöglichen.

Aber fangen wir doch damit an, dem Zufall diesen Respekt zu zollen- das ist dann schon eine große Leistung.

 

Gehen wir vom großen Universum zum Mikroorganismus:

Kennen Sie dieses Ding? (Bild 2) Die menschliche DNA. Weiß jemand, was DNA heißt? Ich auch nicht – zumindest kann ich es nicht aussprechen: Desoxy-ribo-nukleinsäure. Dieses zwei Meter lange Ding befindet sich fein aufgewickelt in jeder einzelnen der bis zu 100 Billionen Zellen unseres Körpers. Die DNA ist sozusagen das Handbuch für den Bau der Proteine, aus denen die Zellen unseres Körpers bestehen. Nun hat man gerade in den letzten Jahren diese DNA vollständig entschlüsselt und hat festgestellt: jede menschliche DNA enthält mehr geordnete und organisierte Informationen als der Brockhaus. Das müssen Sie sich mal vorstellen, wir brauchen für so viele Informationen 26 dicke Bände Bücher.

Der Schöpfer, oder der Zufall, packt das alles in eine nicht sichtbare DNA. Ok, sagen Sie, wir kriegen diese Infos aber auch schon in klitzekleine Chips.

Die Wahrscheinlichkeit, dass durch Zufall ein einfaches, funktionierendes Protein entsteht ist 1 zu 100.000 Billionen, Billionen, Billionen … x 10. (Bild 3) Also ein 10 mit 125 Nullen! Und das ist erst ein Proteinmolekül!! Eine Zelle besteht aus 300 bis 500 solcher Moleküle.

Die zufällige Entstehung einer Zelle ist damit so wahrscheinlich wie der Fall, dass Sie eine Stange Dynamit in einen Schrotthaufen stecken, es anzünden, und heraus kommt ein voll funktionsfähiger Fernseher, der live das Halbfinalspiel der WM: Deutschland gegen Italien zeigt und Italien verliert.

 

 

Ich gebe zu.

Um diese ganze Diskussion tobt – nicht nur im Internet – ein großer Streit. Es geht dabei um Charles Darwin, die Evolutionslehre, um die Thesen der „Intelligent Design-Bewegung“, es geht um George W. Bushs Politik, um einige  Evangelikale in Amerika, die Art und Weise, die Bibel zu lesen, es geht um Homosexualität, das Kyoto-Protokoll und Soldaten im Irak.

Eine ziemlich absurde und verrückte Diskussion

aber eines ist klar. Das Zufallsprinzip als Erklärung an all die ungelösten Fragen anzusetzen, erfordert möglicherweise genauso viel Glaube wie der Glaube an einen lebendigen und gestaltenden Gott!

 

Wenn Sie das Buch von Klaus Douglass, das in dieser Woche die Ur- und Schöpfungsgeschichten der Bibel behandelt, lesen, werden Sie folgende Passage finden:

 

 

-         Vorlesen: Douglass, S. 23 – 24

-         „Sagen wir es deutlich – Woraufhin zielt das Ganze?“

 

 

Um diese Fragen geht es in den nächsten Wochen. Hier in den Gottesdiensten, beim Lesen zuhause, in den Kleingruppen, die sich gleich vorstellen.

 

Da darf man ganz man die Frage, die Psalm 8 stellt, ganz persönlich stellen:

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?

 

Persönlich gestellt lautet die Frage eben: Glaube ich, dass Gott an mich denkt? Und da glaube ich, dass bei den wenigsten Menschen die Naturwissenschaft dem Glauben entgegensteht, sondern das Erleben von Leid und Liebe, von Freundschaft und Streit, von Verachtung und Anerkennung eine viel größere Rolle spielt. Genauso wenig hat ja kein Mensch Vertrauen in einen liebenden Gott, weil er sagt: Ich glaube, da war am Anfang ein Superhirn, das sich alles ausgedacht hat! Wenn die Frage Evolution oder Schöpfung nur bedeutet, gab es am Anfang eine gestaltende Kraft oder Zufall, dann ist die Antwort ziemlich egal, falls die gestaltende Kraft von damals heute nicht an mir interessiert ist. Dann wäre das wie viele Kugeln, die aneinander liegen. Die erste dotzt an die zweite und so weiter und irgendwann bewegt sich die letzte. Gott ist aber nicht die erste Kugel – Gott ist das Leben.

 

Wäre es nicht eine sinnvolle Tätigkeit, mal 40 Tage zu investieren, um diesem Gott auf die Spur zu kommen? Jemand hat mal ausgerechnet, wir leben im Schnitt 25 500 Tage.

 

Ist es wirklich ein zu hoher Einsatz, 40 Tage davon zu nehmen und mal Tag 30 Minuten zu investieren, um in seinem Lebensleitfaden – der Bibel – zu lesen? Sich einmal in der Woche mit anderen Menschen in einer Kleingruppe zusammen zu setzten, um über die eigenen Entdeckungen und Fragen zu sprechen und jeden Sonntag in den Gottesdienst zu kommen, um diesen Gott in der Gemeinschaft zu erleben?

 

Ich weiß, es ist ein ziemlich hoher Einsatz: 15 Euro für das Buch, jeden Tag eine halbe Stunde weniger Fernsehen oder eben entsprechend früher aufzustehen, sich für 2-3 Stunden abends zu treffen und 1 Stunde pro Sonntag zu investieren.

 

Aber es geht ja auch darum, dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu kommen. Was haben Sie schon zu verlieren? 50-60 Stunden Ihres Lebens. Was können Sie gewinnen? Sie lernen die Bibel in ihren Grundzügen kennen. Sie können somit auch die Grundlage unserer Kultur besser verstehen. Sie werden sehr viel über sich erfahren.

 

Wenn Sie sich wirklich auf die Suche machen, Sie werden Gott finden! Das verspreche nicht ich. Das verspricht er selbst: „Suchet, so werdet Ihr finden!“ sagt Jesus.

Amen.

 

Einige Passagen habe ich aus der Predigt von Kai Scheunemann entnommen: www.andreasgemeinde.de 

 

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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