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Expedition zum ICH: JESUS: Wie bekomme ich eine Beziehung zu Gott?
Liebe Freunde,
wir sind in der Mitte der Expedition angekommen. Viele Fragen wurden
angesprochen: Wer wir sind, wie wir frei werden können, worauf wir hören in
unserem Leben. Einiges dabei gelernt.
Und nun ganz zentrales Thema: Jesus Christus –
Jesus – ohne ihn gäbe es kein Neues Testament, keine Christenheit und
wir wären heute hier nicht zusammen. Doch die Frage dieser Woche bleibt offen:
Wie bekomme ich eine Beziehung zu Gott?
Und jetzt nehme ich Sie mit auf einen sehr steilen Weg! Symbolisiert
durch diese silbrig-glänzende Aluminum-Klappleiter!
Jesus, die Beziehung zu Gott. Und wenn wir ihm folgen wollen, geht es
also hinauf! Das haben viele Menschen schon so verstanden: Thomas von Kempen in
der mittelalterlichen Kirche schrieb ein Buch: Imitatio Christi. Jesus gleich zu
werden – darum geht es: Dietrich Bonhoeffers Hauptwerk heißt – und so war
sein ganzes Leben: Nachfolge. Jesus nachzufolgen – darum geht es. Martin Niemöller
– fragte sein Leben lang. Was würde Jesus dazu sagen?
Mal schauen, wie weit wir kommen.
Ein erster Gedanke:
Jesus von Nazareth war ein Rabbi,
ein jüdischer Lehrer, der in ausgewiesener Strenge eine ganz besondere
Gerechtigkeit verlangt hat. Eine defensive, eine schenkende Gerechtigkeit, die
– so beschreibt es die Bergpredigt – den Feind dadurch überwindet, dass sie
sich zwei Ohrfeigen gefallen lässt, wo andere längst zurückschlagen, und zwei
Meilen freiwillig mitgeht, wenn nur eine gefordert ist, die sieben mal
siebzigmal vergibt, wenn anderen siebenmal vergeben schon zuviel wäre. Dieser
Jesus sagt: Denn ich sage euch: Wenn eure
Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so
werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Mt 5,20
Ein zweiter Gedanke:
Jesus von Nazarath war ein sozialer Provokateur. Er hat diese schenkende und defensive Gerechtigkeit
gelebt. Menschen hineingenommen in das Reich Gottes. Mit Zöllnern geredet und
gefeiert, mit Huren, mit Prostituierten freundlich geredet, ihnen Heilung und
Vergebung zugesagt, sie berührt. In seinem Jünger- und Freundeskreis waren
Menschen verschiedener sozialer und frommer Herkunft, Männer und Frauen, Aufständische
und Bodenständige, die sich mit ihm auf den Weg gemacht haben. Und Jesus weiß,
was die Anständigen über ihn reden: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein
Freund der Zöllner und Sünder! Kein Wort übrig für die anständige bürgerliche
Seele?
Doch. Ein dritter Gedanke.
Jesus hat geheilt. Nie wird berichtet, dass er jemand bewusst aus dem
Wartezimmer gewiesen hat und nicht geheilt hätte. Und wir er das getan hat. Mit
Gesprächen, Anamnesen, mit Frage an den Kranken, ob er denn gesund werden
wolle, mit Händen, mit Berührung. Mit viel Liebe. Davon waren alle begeistert.
Klatschen in die Hände und lobten Gott. Und alle Diakonie und Hilfe – in
keinem gebündelt wie im Leben Albert Schweitzers in Lambarene, gründet sich
darin, dass Jesus der Arzt ist. Aber
musste er denn unbedingt seine Freiluftpraxis am Sabbat öffnen? Warum auch hier
die Provokation? Der Sabbat um des Menschen willen da? Schöpfung am Ziel?
Papperlapapp – ein Mensch ist er, der Gesetze übertritt. Nach einer Heilung
beschlossen seine Feinde, ihn zu töten!
Ich bin noch nicht fertig:
Auf Jesus geht auch das Vaterunser zurück. Wir beten mit dem Worten,
„wie er uns beten gelehrt hat.“. Das ganze Wirken Jesu ist überhaupt nicht
vorstellbar ohne seine Gebetszeiten am frühen Morgen allein – Tankstellen
seiner inneren Kraft als Sohn des Vaters. Das Gebet begleitet sein Leben in den
guten Zeiten, dem Dankgebet am Tisch für die Gaben und die Gemeinschaft und im
Elend: Im Garten vor seinem Tod – nicht wie ich will, sondern wir du willst.
Noch am Kreuz: Vater in deine Hände, befehle ich meinen Geist! Jesus war ein Beter!
Und das Letzte:
Auch wenn Jesus nicht ernsthaft als Erfinder einer steuereinnehmenden
Institution ins Gespräch gebracht werden kann – so hat er doch auf jeden Fall
die Gemeinde als eine Gemeinschaft
gegründet: Den 12-Kreis der Jünger berufen, die 70 – Männer und Frauen
dazu. Ein Essen gegessen und die Worte so verändert, dass es schmeckbare
Erinnerung gestiftet hat – das Abendmahl. Viele der Gespräche mit den
Freunden gehen darüber, wie solche Gemeinschaft, ein neues Miteinander lebbar
war.
Empfinden Sie das auch so? Wenn man Jesus nachfolgt, wenn man ihn ernst
nimmt, dann sind das echt erhöhte Ansprüche an das Leben. Und geht es ihnen so
wie mir? Man fragt sich doch automatisch: Werde ich den erhöhten Ansprüchen,
die Jesus an mein Leben stellt, gerecht? Wie weit kann ich denn mitgehen, auf
der Leiter nach oben? Rutsche ich bei der besseren Gerechtigkeit von der Sprosse
ab, oder beim intensiven Gebetsleben? Versage ich dabei, wenn ich meine Türen
öffnen soll oder habe ich kein Vertrauen zu glauben , dass Jesus heilen kann:
Sie merken: Ich treibe das jetzt hier auf eine Spitze. Es gab und gibt
immer Menschen, die haben bei Jesus nur verstanden, dass er erhöhte Ansprüche
an das Leben stellt, - auch damals - völlig überhöhte Einschätzung seiner
selbst haben sie ihm vorgeworfen, dass er alles durcheinander bringt.
Und darum haben sie ihn erhöht.
Erhöht heißt in der Sprache des Johannesevangeliums -
Ans Kreuz erhöht.
Gekreuzigt.
Ihn und mit ihm die überhöhten Ansprüche, denen doch keiner, der eine
Ordnung will, die für ein ganzes Volk gelten soll, gerecht werden kann.
Wussten Sie übrigens, dass Martin Luther das genauso empfunden hat.
Jesus war für ihn vor der Entdeckung der Liebe Gottes immer nur der strenge
Gesetzgeber und der unbestechliche Richter, der verschärfte und überhöhte
Ansprüche an das Leben stellt und dann noch in mein Herz sieht!. Es ist doch
schwer genug, die 10 Gebote zu halten. Aber halten Sie mal die Bergpredigt!
Und wussten Sie, dass es überhaupt nichts an ihrem Denken und Fühlen
ändern wird, wenn ich Ihnen nun sage: Aber Jesus ist doch auch die Liebe und
die Vergebung der Schuld. Er weiß doch wie schwach du bist. Er hat dich doch
trotzdem lieb.
Ich fürchte, dass kommt kaum noch an.
Diese Vergebung kommt bei den Menschen so an wie: „Er nimmt es nicht
so genau“. Und das ist keine Vergebung, keine Liebe, sondern eine Vier Minus,
gegeben, weil der Lehrer mich loshaben will.
Liebe Freunde,
ich führe sie an diesen Punkt,
in Gedanken die Aluleiter der erhöhten Ansprüche hoch, um das nun
umzulegen, um dieses System zu verlassen und um ihnen zu zeigen, dass Gott es
mit Jesus ganz anders gemacht hat, als wir es in der Deutung seiner
Lebensgeschichte immer wieder gemacht haben.
Ich führe Sie an diesen Punkt, weil ich glaube, dass viele von uns –
ja schon oft von Jesus gehört haben, und oft so, dass zuerst der Anspruch laut
wurde, dem ich nicht Genüge leisten kann und dann die gute Nachricht ein
„Gott hat dich trotzdem lieb“ war. Manchmal wurde dieses Gefälle pädagogisch
missbraucht und hat sich eingezeichnet in die Herzen der Menschen. Nur, wem
richtig klar ist, dass er Sünder ist, kann Vergebung groß werden, also richtig
zeigen, wie viel Schwein im Menschen steckt und dann die Botschaft: Gott ist
kein Metzger.
Dieses Denken hat sich eingeprägt und verstellt uns die Begegnung mit
ihm. Aber die ist – höchste Zeit nötig:
Lk 5,27-32
27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am
Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!
28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
29 Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Haus, und viele Zöllner
und andre saßen mit ihm zu Tisch.
Zöllner waren Schweine – in der Sicht der jüdischen Mitmenschen
waren die Kollaborateure der römischen Macht nichts als unreine Schweine.
Voller Betrug und Spott, voller Schuld. Niemand würde mit ihnen mehr reden als
nötig, niemand mit ihnen essen. Sein Judesein hatte Levi doch verspielt. Ohne
Frage.
Jesus kommt und sagt: Folge mir nach!
Sie werden diesen Worten in dieser Woche begegnen, wenn Sie das Buch von
Klaus Douglass, zu dieser Bibelstelle lesen. Klaus Douglass beschreibt, dass in
diesen Worten in erster Linie nicht zum Ausdruck kommt, dass Levi sein Leben ändern
soll und Jesus vertrauen soll – das habe ich bislang auch immer gedacht,
sondern, mt diesen Worten „Lech acharaj, folge mir nach!“, haben die
Rabbiner, die jüdischen Lehrer ihre Schüler berufen. Nach strenger Prüfung
und Auswahlverfahren war das das erlösende Wort, auf das die Bewerber sehnlich
gewartet haben – Lech acharaj, folge mir nach!
Und wo war das Auswahlverfahren bei Levi? Wird er von der Straße weg
berufen? Wollte er das denn? Und – schon vergessen? Er war ein Zöllner –
ein Sünder, wären da klärende Worte zu Beginn nicht nötig, ein Hinweis, dass
er die erste Leitersprosse nicht mal hüpfend mit ausgestreckten Fingern berührt?
Aufarbeitung der Schuld, wenigstens mal drüber reden?
Fehlanzeige.
Sondern.
Lech acharaj – als Ausweis, dass Jesus Levi vertraut, ein guter Nachfolger, ein Schüler – so hieß das
Wort für Jünger – zu sein. Am Anfang steht die Wertschätzung die Liebe.
Und dann:
Völlig verrückt. Logisch verwirrend:
28 Und er, Levi, verließ alles, stand auf und folgte ihm, Jesus, nach.
29 Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Haus
Levi folgt Jesus doch Jesus folgt Levi ins Haus! Da warten schon alle
anderen Zöllner.
Das Leben mit Gott beginnt bedingungslos, es ist aber niemals folgenlos!
Liebe Freunde,
ich finde es so erstaunlich – bei Jesus ist wirklich alles anders.
Ganz oft so sehr anders als wir immer gedacht haben, nach zweitausend Jahren
Reden über ihn. Wenn wir ihn zu Wort kommen lassen, kommt sein Wort, sein Leben
und seine Liebe, sein Bleiben, bis zu uns. Und all das, was die Menschen als überhöhte
Ansprüche verstanden haben, wofür sie ihn gekreuzigt haben, das kommt zu uns:
Und deshalb lege ich die Latte der erhöhten Ansprüche nieder. Sie wird
zu einem Weg, den Gott uns macht – er begegnet uns und beschenkt uns –
fordert uns auch heraus:
5. Es ist ein Geschenk, dass Jesus Gemeinde
schenkt. Dass ich nicht allein bin und glaube und zweifle. Mit mir Menschen
allesamt nicht besser als ich – und ich nicht besser als sie. Allesamt:
Berufene Sünder! Wie Petrus, Maria aus Magdala, Levi. Jesus vertraut ihnen!
4. Es ist ein Geschenk, dass Jesus das Beten schenkt. Nicht als fromme Leistung, sondern als ein Raum, in
dem der Vater, der weiß, was ich brauche mir begegnen kann. Kein geistliches
Basketballspielen bei dem ich versuche so hochzuhüpfen wie möglich und Gott
die Bitte meines Lebens einwerfen. Sondern Beten in ein Gespräch, das Gott längst
eröffnet hat.
3. Es ist ein Geschenk, dass Jesus der Arzt ist. Heilende Hände: Krankheiten und Beziehungen und Herzen.
Keine Frage – wenn wir ohne Angst Christus in unser Leben lassen, bleibt viel
zu sehen und zu richten und zu heilen.
2. Und keine Frage. Jesus bleibt Provokateur,
der ein Leben lang unsere bürgerliche Sattheit aufs Korn nehmen wird. Was haben
Sie denn gedacht? Dass alles schon ok ist?
1. Und zuletzt bleibt ein schwerer Brocken für Jesus, uns beizubringen,
dass wir nicht erst dann Gerechtigkeit
krakelen, wenn jemand zu uns ungerecht war, dass wir nicht dann erst
Gerechtigkeit rufen, wenn wir der Meinung sind, dass andere gerechter sein
sollten. Sondern – erinnern Sie sich an Amos – Gerechtigkeit soll aus
unserem Leben fließen wie ein Bach.
Keine Frage, Gott hat noch viel vor. Das wird nicht langweilig.
Aber alles fängt damit, dass Jesus zu dir – wie zu Levi sagt: Komm,
folge mir nach. Du bist es wert.
Viel Spannung und lebendige Entdeckungen beim Lesen in dieser Woche!
Amen.
| © Evangelische Kirchengemeinde Traisa Pfarrer Andreas Klein |
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