Predigt beim Kerbgottesdienst 1999

Nix zu lachen?!

 

Liebe Kerbgottesdienstgemeinde,

nix zu lachen?! Darum geht es heute!

Ein Schulrat begibt sich gelegentlich auf Visitationsreisen. So besucht er den Religionsunterricht einer 7. Klasse und hört, daß das Alte Testament auf dem Lehrplan steht. Um den Kenntnisstand der Schüler zu testen, stellt er eine Frage: "Wer hat die Mauer von Jericho zerstört?" Keiner meldet sich. Darauf hin geht der Schulrat auf den kleinen Karl zu: "Na?" Karl wird hoch verlegen und stammelt: "Ich war’s nicht, Herr Schulrat!" Der Schulrat ist empört. "Sagen sie mal, Herr Lehrer, was ist das denn für eine Antwort." Dem Religionslehrer ist die Sache sichtlich peinlich. "Wissen Sie, Herr Schulrat, der Karl mag manche Fehler haben, aber er ist eine ehrliche Haut. Wenn er sagt, er war es nicht, dann können Sie ihm glauben. Na und wenn er es gewesen wäre, er ist doch noch ein Kind!" Der Schulrat dreht sich auf dem Absatz um und geht zu Direktor. "Hören, Sie Herr Direktor, was mir passiert ist: Ich frage. Wer hat die Mauer von Jericho zerstört, und dann solche Antworten." Der Direktor windet sich. "Sie wissen doch selbst, Herr Schulrat, wie das heutzutage mit der Jugend ist und mit dem Personal. Alles nur so Schmalspurtheologen. Aber ich möchte die Angelegenheit doch gütlich bereinigen. Wissen Sie, ich habe hier so eine schwarze Kasse – Was soll es denn kosten, das Mäuerchen von diesem Jericho?"

Haben Sie gerade gelacht? Es gibt noch mehr!

Ein Dekan kommt zur Überprüfung, zur Visitation in die Gemeinde des jungen Pfarrers. Er hält eine 28 minütige und in allen Teilen ziemlich langweilige Predigt und hinterher schaut sich der Dekan mit dem Kirchenvorstand die Gebäude an: Und siehe, gleich an der Wand, direkt neben der Kanzel befindet sich ein grosser, feuchter Schimmelfleck, den der Dekan gleich entdeckt: Na, na, spottet der Dekan, junger Kollege, das kommt wohl von Ihren verwässerten Predigten. Der junge Kollege schießt sofort zurück: Da müssen Sie noch dreimal kommen und ihre trockenen Ansprachen halten, dann kommt das schon wieder in Ordnung!

Wie, haben Sie jetzt gerade doch gelacht? War ja auch ein anständiger Witz... Aber, ich meine wie haben Sie jetzt gelacht. Es hat einmal jemand gesagt: Sag mir, wie du lachst und ich sage Dir wie du heisst (oder so ähnlich...).

Man kann beim Lachen nämlich vier Grundtypen Lachtypen unterscheiden: Das ist doch sehr interessant:

Da ist erstens der Meckertyp: Er lacht etwas fies und gemein, ein bißchen wie Harald Schmidt und J.R. Ewing und lädt eigentlich nicht ein zum Mitlachen.

Dann gibt es zweitens den Hecheltyp: Ich kann und will das psychologisch nicht deuten, das ist dieses stimmlose Lachen, das irgendwie durch Säuseltöne in der Luftröhre erzeugt wird.

Dann gibt es den Lautschalltyp: Mit mindestens 98 dBA wird alles umgeblasen, was diesem Lachen in den Weg kommt.

Zuletzt gibt es den Japstyp: Da braucht nur einer anzufangen, einen Witz zu erzählen: Mit Tränen in den Augen, der Verzweiflung nahe, die Ehefrau hält schon Asthmaspray und Herztropfen bereit lacht sich dieser Typ irgendwann zu Tode.

Aber wissen Sie, was ich glaube, was bei allen Menschen gleich ist? Eine Angst und eine grosse Sehnsucht, was das Lachen angeht.

Ich glaube, die meisten Menschen haben eine mehr oder weniger große

  • Angst davor, daß über sie gelacht wird, dass es über sie was zu lachen gibt.
  • und genau so haben die meisten Menschen eine grosse

  • Lust oder besser eine grosse Sehnsucht, dass mit ihnen gelacht wird.
  • Das kennen Sie: Wer mit Kindern zu tun hat, der erlebt es oft, dass Kinder eine richtige Angst davor haben, dass man sie auslacht. Wenn man sie anlacht und mit ihnen lacht, sind sie glücklich, aber wenn man sie auslacht, dann sind sie verunsichert und ziehen sich zurück oder werden böse und versuchen sich ins richtige Licht zu setzen.

    Ich glaube übrigens, das hat einst unseren geliebten Berti Vogts in den Rücktritt getrieben: Die Angst, dass die Leute über ihn lachen, war viel grösser als seine Misserfolge.

    Diese Angst braucht sein Nachfolger - wie heisst der nochmal? - Erich Ribbeck nicht zu haben Über Menschen, über die man nicht spricht, lacht auch kein Mensch.

    Das ist auch die Angst von Leuten, die sogenanntes Mobbing erleiden: Die verstehen schon Spass, aber nicht, dass der Spass immerzu auf ihre Kosten erfolgt.

    Man kann den Spiess auch umdrehen: Bei Menschen vor denen ich Angst habe, hilft es mir zu überlegen, was an Ihnen lachhaft ist. Die Mutter eines Freundes sagte immer: Wenn da jemand ist, vor dem du Respekt hast, dann stell ihn dir einfach in Unterhosen vor, in weiten - nur halbwegs weissen - Feinripp - Unterhosen. Du wirst über ihn lachen müssen, die Angst verlieren.

    Kein Wunder, dass alle Diktatoren dieser Welt vor nichts mehr Angst haben, als dass man über sie lacht.

    Das ist übrigens das Osterlachen der Christen: Über den Tod und den Teufel lachen wir. Er hat verloren.

    Aber können Sie sich vorstellen, dass jemand sich auf den Boden wirft und lacht, wenn Gott zu ihm redet? Lacht, als hätte jemand einen Witz erzählt?

    Von Abraham, dem Urvater Israels wird diese Geschichte erzählt: Er war kinderlos und hundert Jahre alt und seine Frau Sara war neunzig. Und Gott sagt ihm in einer Vision zu: Ich will dich segnen und ich will dir einen Sohn geben.

    Abraham fiel auf sein Angesicht und lacht und sprach in seinem Herzen. (1. Mose 17,17). Ist das nicht witzig: Er lacht, weil er das Gefühl hat, Gott macht sich über ihn lustig. Das wäre genauso, wie wenn wir zu Eintracht Frankfurt sagen würden: Ihr werdet nächstes Jahr die Champions League gewinnen.

    Etwas später geschieht bei Sara, der neunzigjährigen das Gleiche: Auch sie hört von dieser Zusage und lacht: Sie sagt und das finde ich ausgesprochen witzig und schäkerhaft: "Nun bin ich alt und soll ich noch die Liebe pflegen und mein Herr (das ist Abraham, in Klammern noch älter) ist auch alt".

    Völlig unmöglich --- und dann kommt Isaak, das Baby, der Sohn. Keine Ahnung, wie das biologisch-medizinisch vonstatten ging und wie die damals die Jahre gezählt haben. Wichtig ist: Was beide für unmöglich gehalten haben, das ist passiert:

    Und wissen Sie, was Isaak auf deutsch heisst? Isaak heisst: Er lacht oder man lacht.

    Am Ende sagt Sara und das finde ich einen tollen Satz: Gott hat mir ein Lachen bereitet, und wer davon hört, der wird mit mir lachen.

    Über Sara hatten viele gelacht: Ihre Knechte und Mägde, leise aber deutlich: Schau an, die Herrin: Befehle geben, aber kein Kind auf die Welt bekommen.

    Das hat weh getan. Niemand liebt es, wenn man über ihn lacht.

    Und es war immer die Anspannung im Leben von Sara, doch dann kommt die Ankündigung und dann die Schwangerschaft, das Bangen, ob alles gut geht.

    Und dann kommt das Kind. Und dann kommt das Lachen.

    Wissen Sie, was Lachen ist?

    Lachen ist, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Überraschung und Entspannung.

    Vorher herrscht die Anspannung. Das wird doch wohl kein Witz werden, mein Leben wird doch wohl kein Witz werden und dann die Überraschung und die Entspannung: Ich darf mitlachen. Es ist aufeinmal alles gut. Das Lachen ist die überraschte Freude und Entspannung: Aufeinmal ist alles gut.

    Das ist Lachen: Zuerst platzt der Knoten und dann platzt es aus mir heraus... Laut und fröhlich.

    *

    Wissen Sie, ich glaube das Leben vieler Menschen bei uns sieht aus wie das Leben von Abraham und Sara bevor Isaak angekündigt wurde. Nix zu lachen. Viele sehen alt aus, trotz Beauty Farm und Oil of Olaz, denn es passiert nichts Gutes und nichts Neues im Leben. Es gibt Menschen, die haben keine Perpektive mehr, dass sich Wesentliches in ihrem Leben verändert, sie haben insofern: Nix zu Lachen...

    Klar, auch in einem solchen Leben wird ab und an einmal gelacht, es gibt ja die elektronischen Hofnarren, es gibt die Lachparade und Witze, die SAT1-Wochenshow (Danke, Anke) und Harald Schmidt. Aber das ist alles Humor - gut oder schlecht, der findet nicht in meinem Leben statt, sondern im Leben von anderen.

    In meinem Leben aber es gibt es keine Überraschung.

    Nun nehme ich stark an, dass Sie noch nicht 100 Jahre alt sind und die wenigsten, die neunzig sind, mit einem stark ausgeprägten Kinderwunsch heute morgen hierher gekommen sind. Aber noch stärker ist, glaube ich, dass wir alle den Wunsch nach Lachen, nach Entspannung und Überraschung, nach dem Wissen haben: Es ist jetzt gut.

    Zum Schluss fünf ganz konkrete Schritte, wenn Sie sich fragen: Wie kommt Lachen neu in mein Leben?

    Erster Schritt

    Erinnern Sie sich.

    Wissen Sie noch, an was und auf was Sie sich als Kind am meisten gefreut haben? Samstags Badewanne und danach gab's den Pflaumenkuchen frisch vom Blech und irgendwie war alles wunderbar. Erinnern Sie sich noch an diese Freude. Wir überlagern solche Erinnerungen allzuschnell Wehmut: Ach wenn's nochmal so wäre. Denken Sie anders: Weisst Du noch wie schön das war?

    Zweiter Schritt

    Suchen Sie Entspannung.

    Ich glaube, dass man sehr schlecht lachen kann, wenn man innerlich angespannt ist, wenn man voller kreisender Gedanken ist und die Sorgen nicht mehr los wird. Ganz konkret: Gehen Sie mit diesen Gedanken einfach einmal spazieren und setzen Sie sich im Anschluss einfach hin und schreiben auf, was Sie alles beschäftigt.

    Dritter Schritt

    Sagen Sie Ihre Sorgen Gott im Gebet.

    Vielleicht löst sich schon beim Aufschreiben eines der Probleme auf, weil sie merken: Es reicht, wenn ich mir erst nächste Woche darüber Gedanken mache. Und anderes tritt als Problem hervor. Sagen Sie es Gott, sagen Sie ihm. Ich komme damit nicht klar. Bitte hilf mir und kümmre Du Dich um mein Leben.

    Vierter Schritt

    Halten Sie die Augen offen!

    Denken Sie nochmal an das Gute von früher: An den Pflaumenkuchen und das weiche Handtuch. Gibt es so etwas nicht mehr in Ihrem Leben? Werden Sie offen für den kleinen Humor im Leben: Wie Ihr Nachbar im Morgenmantel die Zeitung holt. Schmunzeln Sie doch darüber, Welche verrückten Ideen Ihr Kind oder Enkelkind drauf hat.

    Fünfter Schritt

    Seien Sie Entspannung und Überraschung für andere.

    Vielleicht können Sie andere mit beidem auf einmal überraschen. Komm doch rein, ich habe Kaffee und Kuchen, lass uns doch mal reden. Wer anderen das Leben schön macht, macht es sich auch selbst schön. Erzählen Sie von guten Dingen.

     

    Sie merken schon: Die nächsten Schritte kommen schon, Schritte zu einem Leben in denen es nicht mehr nix zu lachen gibt, sondern indem sie es erleben können, dass Gott Sie liebhat.

    Es ist spannend, fangen Sie heute mit ihm an.

    Amen.

    P.S. Ich verdanke diese Predigt der guten Vorlage von Prof. Oeming, Heidelberg von den Gottesdiensten: Inspirationen am Abend

    © Evangelische Kirchengemeinde Traisa
    Pfarrer Andreas Klein
    Zur Homepage
    Kommentare erwünscht !