1999 und was jetzt?

Viel Angst und doch Hoffnung

 

es knistert. Spannung liegt in der Luft. Cape Caneveral in Florida. Es wird nie Routine, ein Raketenstart.

NASA-Ingenieure sitzen gespannt an den Terminals. Computer überwachen die Technik. Alles ok? Dann kann der Countdown ja beginnen. 9, 8, 7....

Seit Wochen, Monaten fiebern alle Beteiligten diesem Moment entgegen. 6, 5, 4...

Doch dann ändert sich die Szenerie plötzlich. Aufeinmal wirkt alles wie ein surreales Theater. 3, 2, 1. 0.

Und? Nichts passiert! Kein Rauchen, Zischen, Explodieren, kein Klatschen.

Denn: Da steht überhaupt keine Rakete. Genauer gesagt. Die Rakete ist vor 6 Jahren schon abgeflogen.

Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Zur Zeit können Sie überall Countdown-Uhren kaufen. Die laufen rückwärts und subtrahieren fleißig die Sekunden und Minuten bis zum Jahr 2000. Aber es gibt überhaupt keine Rakete, der Countdown kommt 6 Jahre zu spät!

Wenn die Historiker Recht haben, dann war Jesus bei seiner Geburt schon 6 Jahre alt, genauer, er war im Jahre 0 unserer Zeitrechnung schon 6 Jahre alt die kommt nun eben 6 Jahre zu spät!

Unser Jahr 2000 ist eigentlich das Jahr 2006, die Jahrtausendwende war eigentlich schon 1994 und wenn das alles so stimmt, feiern wir seit Jahrhunderten an Weihnachten überhaupt nicht die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, sondern seine Einschulung in Nazareth.

Ehrlich! Das kann man kulturgeschichtlich belegen. Der Weihnachtsbaum ist in Wirklichkeit kein Weihnachtsbaum, sondern -- wir feiern das Fest der Einschulung Jesu -- eine auf den Kopf gestellte Schultüte, aus der nun alle Geschenke für das Schulkind herausgefallen sind. Deswegen liegen die ja auch unter dem Weihnachtsbaum.

Ehrlich wahr - glauben Sie's bloß nicht!

Alle Geschenke liegen da. Ob die Zahl 1999 / 2000 historisch richtig den Jahrtausendwechsel markiert, das ist eine unwesentliche Frage. Ob dieser Zahlenwechsel für uns eine schöne Bescherung wird oder eine schöne Bescherung - das ist die Frage. Das hat uns im GoSpecial-Team dazu gebracht, dieses Thema zu wählen: 1999 und was jetzt: Viel Angst und doch Hoffnung.

Wie sehen Sie das mit der großen Wende? Die meisten Menschen haben im Blick auf die globale Entwicklung dieser Welt eher mulmige Gefühle. Ob die Menschheit Gefahren wie die Atomkraft, Krankheiten wie Aids, und die Überbevölkerung mit allen Folgen in den Griff bekommt, das ist eher sehr, sehr unsicher. Wer würde dafür die Hand ins Feuer legen?

Und trotzdem haben die meisten Menschen im Blick auf die private, persönliche Zukunft eher positive Gedanken. Wenn nicht eine schwere Krankheit in der Familie vorliegt, sind die Meisten da eher gelassen.

Global skeptisch, lokal optimistisch.

 

Und ich sage Ihnen was: Das ist gut so. Sonst würden wir nämlich verrückt werden. Dieses Denken über die Zukunft ist ein wichtiger Schutzmechanismus, der uns unser Leben leben läßt.

Ich bin Vater dreier Söhne, die sich permanent in Lebensgefahren bringen könnten. Ich darf das nicht denken, und ich tue es nicht, es würde auch gar nicht weiterhelfen.

Trotzdem habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich abends im Fernsehen bei den Tagesthemen, wie neulich im Dezember einen sichtlich nervösen Uli Wickert beobachte, der ankündigt: "Wir haben jetzt die ersten Live-Bilder vom amerikanischen Raketenangriff auf Bagdad. Live von CNN." Und ich sitze da: Wurstbrötchen vor mir, esse ersteinmal weiter und nach einer Weile erst denke: Halt! Ist das jetzt ein Schutzmechanismus, daß ich da so gelassen sitze -- oder ist es pervers?

1999 - und was jetzt. Viel Angst und doch Hoffnung. Eine Zahl - ob sie stimmt oder nicht, zwingt uns zum Nachdenken. Und wir sind schon mitten im Knackpunkt des Abends. Wie kann ich persönlich verantwortlich leben, ohne pessismistisch zu werden und wie kann ich fröhlich und gelassen leben, ohne ein Ignorant für die Lage dieser Welt zu sein?

 

Mit welcher Einstellung gehe ich in die Zukunft? Das ist die Frage. Ich möchte ich Ihnen eine Einstellung zeigen. Und viele erkennen gleich, worum es geht:

Videosequenz mit Ausschnitt "Titanic" - Rose holt eine Axt aus einem Glaskasten und taucht in das schon überflutete Unterdeck und durchschlägt die Handschellen, die Jack gebunden haben.

Die Titanic ist längst am Sinken. Ein untergehendes Schiff. Für viele ein Symbol für unsere Welt. Und da unternimmt ein Mensch voller Liebe und Kraft einen Rettungsversuch -- und es gelingt. Das Knoten wird zerschlagen. Sie hat es geschafft. Und weil da eben nicht Arnold Schwarzenegger, sondern Kate Winslet die Axt geführt hat, lautet die Botschaft: Auch du kannst ein Held sein.

Ein Traum, den man träumt. Aber ist dieser Mythos wahr? Kann man sich darauf verlassen, daß man so durchkommt?

Ich möchte diesem Mythos, der in den Geschichten von Rose und Jack zu uns spricht ein paar Worte gegenüberstellen. Aus Psalm 31.

 

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

daß du mein Elend ansiehst

und nimmst dich meiner an in Not

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;

du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche:

Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Ich gebe ja gerne zu. Diese Worte sind nicht so spannend wie der Ausschnitt aus dem Film.

Aber ich persönlich glaube kaum, daß diese Welt durch Heldentaten gerettet wird.

Ich glaube auch kaum, daß diese Welt durch menschliche Planungsfähigkeit gerettet wird. Oder spricht es Sie an, wenn eine Klimakonferenz plant ab dem Jahr 2006 irgendetwas zu ändern?

Ich glaube auch nicht, daß diese Welt durch Angst und Panik gerettet werden wird. Angst vor der Zukunft ändert nichts an der Zukunft, aber sie zerstört sogar die Gegenwart.

 

Ich verrate Ihnen, welcher verrückte Gedanke dabei im Hintergrund steht: Wir reden viel von der Zukunft, aber wir erleben sie nie! Alles was wir erleben, das ist Gegenwart. Und vieles von dem, was wir befürchten kommt anders und auch vieles von dem, was wir erhoffen.

So selbstverständlich ist das nicht. Viele leben erst in der Zukunft: Wenn ich dieses Super-Auto habe, wenn ich diese Prüfung habe, wenn ich drei Kilo abgenommen habe, wenn ich diese Stelle habe, wenn ich diese Traumfrau habe, dann beginnt mein Leben. Das ist Quatsch, es gibt keine Optionssscheine auf das Leben, es gibt immer nur Gegenwart und die entscheidet über meine Zukunft. Je mehr ich mein Leben auf die Zukunft verlagere, desto größer wird auch die Angst.

Deswegen möchte ich sie zum Schluß bitten. Leben Sie in der Gegenwart. Und gestalten sie Sie. Das ist das beste, das Sie für die Zukunft tun können. Drei Dinge, die Sie sich vornehmen können für die nächsten drei Wochen vielleicht.

1. Leben Sie in der Gegenwart: Suchen Sie Gottes Liebe!

Der Mensch, der diesen Psalm 31 gedichtet hat, hat eine große Gelassenheit und Basis für sich gefunden. Ich freue mich und bin fröhlich. Meine Zeit ist bei Gott gut aufgehoben.

Und das ist kein Mensch, der jetzt auf der Sonnenseite des Lebens ist, er spricht von Elend und Not.

Eine Liebe zu sich selbst und Selbstvertrauen. Ich glaube, daß man das finden kann, wenn man Gottes Liebe spürt. Wir möchten in GoSpecial! mit unseren Angeboten davon erzählen. Es gibt diese Liebe und es gibt Orte, an denen man sie fühlt. Erhöhen Sie die Chancen, diese Liebe zu finden!

Wer sportliche Spannung sucht, geht ins Fußballstadion, wer leidenschaftliche Liebesfilme sehen will, ins Kino, wer den Förster sucht, geht in den Wald und wer Gottes Liebe sucht geht...

Ich wünsche mir, daß Gemeinde trotz aller Fehlerhaftigkeit der Menschen so eine Tankstelle für Gottes Liebe für Sie wird.

Wer sucht, der wird finden. Das ist eine Zusage, die man ausprobieren sollte, weil man reicher wird.

2. Leben Sie in der Gegenwart: Suchen Sie den Augenblick!

Das kommende Zeitalter wird ein Zeitalter der "Kommunikation" werden. 300 E-Mails am Tag, überall klingeln Handies...

Was dabei verloren geht, ist der Augenkontakt. Suchen Sie den Augenblick mit Menschen, die sie lieben. Verschieben Sie's nicht. Leben Sie Ihr Leben in der Gegenwart.

Mir geht's manchmal so, da habe ich etwas wichtiges für übermorgen zu planen und es klingelt an der Tür und am Telefon und ich habe keinen Nerv. Das ist verständlich, aber das ist es gerade mit der Gegenwart: Sie ist immer der Augenblick den ich gerade erlebe und der kann Folgen haben.

 

 

3. Leben Sie in der Gegenwart: Suchen Sie die Hilfe!

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Das sagt der Beter von Psalm 31. Er bekommt einen weiten Horizont!

Suchen Sie Hilfe! Und jetzt meine ich die Hilfe, die Sie geben können. Diese Welt braucht Hilfe, doch der Hilfeschrei kommt so global und massiv, daß sich viele hilfos zurück ziehen. Wenn ich allen helfen könnte, würde ich helfen... So ein Quatsch.

Mich hat in den vergangenen Monaten etwas stark beeindruckt. Ein Freund von mir hat einen Afrikaner kennengelernt, aus Burkina Faso. Der hat ihm von der Not erzählt. Mein Freund hat daraufhin einen Verein gegründet, der nur diese Schule dort unterstützt. Da ist vieles geschehen, was den Kindern dort hilft. Da ist ein Traum zur Vision geworden und zur konkreten Hilfe.

Ich bitte Sie: Suchen Sie einen Platz, an dem Sie helfen, ein Projekt -- sei es für Obdachlose in Frankfurt oder für Straßenkinder in Rio, das Sie in Gedanken und Gebeten und mit ihrem Geld begleiten.

Sie können nicht die Welt retten, aber viel tun.

 

Beten Sie es mit mir mit?

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche:

Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Amen.

© Evangelische Kirchengemeinde Traisa
Pfarrer Andreas Klein
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